Borkenkäferplage

Internationale Profis räumen den deutschen Wald auf

Florin Fola und Dumitru Boar (rechts) machen sich mehr als nur die Hände schmutzig, wenn sie mir schwerem Gerät im Steilhang im Werdohler Wald arbeiten. Die beiden Rumänen sind Profis und fest bei der österreichischen Klade-Group angestellt.
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Florin Fola und Dumitru Boar (rechts) machen sich mehr als nur die Hände schmutzig, wenn sie mir schwerem Gerät im Steilhang im Werdohler Wald arbeiten. Die beiden Rumänen sind Profis und fest bei der österreichischen Klade-Group angestellt.

Florin Fola und Dumitru Boar haben ein Problem: Der Prozessor läuft gerade nicht. Mit dem Prozessor ist die Maschine gemeint, die totes Käferholz aus dem Steilhang zieht, die Stämme entastet und auf bestimmte Längen zurechtschneidet. Die beiden Männer stecken bis zu den Ellbogen in der öligen Maschine und reparieren den Holzernter direkt im Abhang. Profis eben.

Werdohl - Seit etwa vierzehn Tagen sind die rumänischen Waldarbeiter in der Nähe des Eisenbahnviadukts in Ütterlingsen von ihrem österreichen Arbeitgeber eingesetzt. Zwei Wochen werden sie noch brauchen, um etwa 2000 Erntefestmeter Holz aus dem drei Hektar großen Steilhang zu holen. Die beiden rufen freundlich „Servus“ und sprechen ansonsten kein Wort Deutsch. Für sie spricht Simon Jesenko, zusammen mit Stefan Hennecke Einsatzleitung fürs Sauerland der österreichen Klade-Group. Jesenko und Hennecke wohnen in diesen Tagen in Stockum bei Sundern, für die rumänischen Waldarbeiter gibt es bei Klade eine eigene Abteilung, die den Männern Quartiere jeweils in der Nähe der Arbeit besorgt.

Jesenko betont, dass Männer wie Fola und Boar keine Saisonarbeiter sind. Die Forstexperten seien bei Klade fest angestellt und bekämen wie alle anderen auch entsprechende Leistungen ihres Arbeitgebers. Ohne die ausländischen Waldarbeiter läuft zurzeit wenig im deutschen Wald. Die Österreicher sind Experten für die Technik der Holzernte in Steilhängen. Mit ihren Drahtseilbahnen ziehen sie die Stämme aus dem Berg, die Maschine mit dem Seilturm macht das Holz transportfertig.

Direkt neben dem Eisenbahntunnel der Ruhr-Sieg-Strecke in der Nähe des Klärwerks sind die österreichischen Holzfäller mit Seilbahn und Prozessor an der Arbeit. In zwei Wochen wollen sie fertig sein.

Das Stammholz wird auf 11,80 Meter Exportlänge zugeschnitten, die Container sind 12 Meter lang. Das meiste Käferholz aus dem sterbenden Fichtenwald im Sauerland geht per Lkw zum Hafen und dann nach China. Es rechnet sich, weil die sonst leer bleibenden Container mit Holz gefüllt werden.

Je nach Logistik, Schädigung und Qualität geht Käferholz aber auch in deutsche und europäische Sägewerke. Diese Stämme werden kaum geschnitten und gehen als Langholz auf Eisenbahnwaggons. Lohnt sich der ganze Aufwand finanziell? Jesenko benutzt eine österreichische Redewendung: „Es geht sich schon aus.“

Klade kauft übrigens den Waldbauern über die Forstbetriebsgemeinschaften das Holz direkt aus dem Wald ab. Dieser so genannte „Stockkauf“ ist das Hauptgeschäft der Österreicher, die in ganz großem Stil nach dem verlorenen Kampf der Fichten gegen den Borkenkäfer den Wald aufräumen.

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