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Ruhr-Sieg-Strecke: Vor 160 Jahren geht letztes Teilstück in Betrieb

Das Eisenbahnviadukt, bis heute eines der Werdohler Wahrzeichen, war immer schon ein beliebtes Motiv auf Ansichtskarten: hier eine Ansicht aus den 1930er-Jahren.
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Das Eisenbahnviadukt, bis heute eines der Werdohler Wahrzeichen, war immer schon ein beliebtes Motiv auf Ansichtskarten: hier eine Ansicht aus den 1930er-Jahren.

Seit dem Unwetter Mitte Juli fahren auf der Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Hagen und Werdohl keine Züge. Die Gleisanlagen sind an mehreren Stellen stark beschädigt und die Reparatur wird sich noch einige Zeit ziehen.

Vor genau 160 Jahren sah dies völlig anders aus, denn am 6. August 1861 wurde das letzte Teilstück der Eisenbahnstrecke von Hagen nach Siegen in Betrieb genommen.

Der Süderländer Volksfreund blickt zusammen mit dem Kreisarchiv MK auf dieses Ereignis zurück: Die Fertigstellung der 106 Kilometer langen Ruhr-Sieg-Bahn durch das gebirgige Sauer- und Siegerland und durch das enge Lennetal war eine technische Meisterleistung und wurde in zeitgenössischen Berichten bejubelt: „Die schwierigen und gewaltigen Bauwerke jeder Art, wodurch die Ruhr-Sieg-Bahn eine der großartigsten und bewunderungswürdigsten Bauunternehmungen der neueren Zeit ist, werden für immer ein Zeugnis bleiben davon, was menschlicher Fleiß, Energie und Kunst sowie die Vereinigung vieler Kräfte vermag“, hieß es im Wochenblatt für den Kreis Altena.

Warenaustausch sollte erleichtert werden

Der Anlass zum Bau der Bahnstrecke war nicht der Wunsch der Menschen nach Mobilität. Reisen zum Vergnügen konnten sich zu Beginn der Bauplanungen in den 1830er-Jahren nur wenige Menschen mit ausreichend viel Geld und freier Zeit leisten. Tatsächlich war es die Industrie aus dem Ruhrgebiet und dem Siegerland, die nach einer schnellen und günstigen Verbindung suchte, um den Warenaustausch ihrer beiden Wirtschaftsregionen zu erleichtern. Ursprünglich war eine Pferdebahn geplant, die jedoch zugunsten moderner Dampflokomotiven verworfen wurde.

Viadukt in Ütterlingsen: Immer wieder Ärger mit der Deutschen Bahn

Im Jahr 2014 teilte die Deutsche Bahn mit, das Werdohler Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen aus wirtschaftlichen Gründen abreißen und durch eine moderne Betonkonstruktion ersetzen zu wollen. Seitdem kämpft eine Gruppe um die Ortsheimatpfleger Heiner Burkhardt, Barbara Funke und Udo Böhme um den Erhalt – bis heute mit Erfolg. Denn nach Protesten seitens der Stadt Werdohl und der Denkmalbehörden musste die Bahn einlenken, seit 2017 wird deshalb von einer Sanierung des Baudenkmals gesprochen. Diese aufwendige und teure Aktion wird allerdings immer weiter verschoben. Erst im Frühjahr hatte die Bahn den Abschluss der Arbeiten um ein weiteres Jahr nach hinten korrigiert. Nun soll es 2027 klappen. Zuletzt war das Brückenbauwerk einer genauen Prüfung unterzogen, dafür Vermessungsarbeiten und Bauwerksuntersuchungen durchgeführt worden. Um den Zustand zu beurteilen und das weitere Vorgehen zu prüfen, liefen die Untersuchungen an der Eisenbahnüberführung schon seit März 2017, hatte die Deutsche Bahn Ende April auf Anfrage mitgeteilt. Nun würden „mehrere unterschiedliche Sanierungsvarianten“ geprüft. Dabei gelte immer die Prämisse, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten. Mit der Ausarbeitung der Varianten wurde ein Ingenieurbüro beauftragt. Erste Ergebnisse seien laut Deutsche Bahn frühestens Ende 2021 zu erwarten.

Für die Menschen jener Jahre war die Eisenbahn ein technisches Wunder, das sie bestaunten, aber auch fürchteten. Kein Wunder, rasten doch noch 40 Jahre später Dampfloks mit unvorstellbaren 45 Pferdestärken (PS) und 30 Stundenkilometer über die neuen Eisenbahnbrücken! Überhaupt, die Eisenbahnbrücken! Die vielen neuen Trassen über die Lenne veränderten das Landschaftsbild, und einige Zeitgenossen mussten sich an den Anblick der Monumente aus Eisen und Stein erst gewöhnen.

Viadukt: Stadtbildprägendes Bogenbauwerk

Nicht alle errichteten Brücken fügten sich schließlich so harmonisch in die Landschaft ein, wie beispielsweise das Viadukt bei Werdohl-Ütterlingsen. Das imposante und stadtbildprägende Bogenbauwerk verband die damals immer noch populäre Architekturform des Historismus mit der reinen Ingenieurbaukunst der neuen Zeit. Die vier Segmentbögen des Viadukts sind aus Quadermauerwerk errichtet. Dabei musste jeder Quaderstein von einem Steinmetz einzeln bearbeitet werden. Auch deshalb gilt das Viadukt bis auf den heutigen Tag als ein technisches und ästhetisches Glanzstück, auf das die Werdohler als eines ihrer Wahrzeichen stolz sind, und welches seit 1988 ein städtisches Baudenkmal ist.

Die neue Lebensader veränderte nicht nur die Kulturlandschaft der Region, die Mobilität und damit den Erfahrungsraum der Menschen, sondern auch ihren Alltagsrhythmus. Seit dem 6. August 1861 gingen im Lennetal sogar die Uhren anders, und zwar wortwörtlich! Bis die Eisenbahn kam, hatte jede Stadt ihre eigene Ortszeit, die sich am höchsten Sonnenstand zur Mittagsstunde orientierte. Auch wenn es sich immer nur um wenige Minuten Unterschied handelte, musste die Eisenbahngesellschaft für Einheitlichkeit sorgen. Fahrpläne waren schließlich dazu da, eingehalten zu werden, und zwar – anders als häufig heutzutage – auf die Minute genau. Aus diesem Grund hingen in jedem Bahnhof zwei Uhren. Die eine zeigte die Uhrzeit vor Ort an, die andere die Eisenbahnzeit am Sitz der Eisenbahngesellschaft. Erst 1893 wurde in Deutschland eine einheitliche Zeit, die Normalzeit (Mitteleuropäische Zeit) eingeführt.

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