Nächtliche Bauarbeiten

Ruhr-Sieg-Strecke soll für Güterzüge attraktiver werden

Seit einigen Tagen parkt ein Arbeitszug im Werdohler Bahnhof, der in den Nächten herausfährt und die Tunnel zwischen Altena und Plettenberg untersucht. Die DB Netz will die Strecke für größere Güterzüge ausbauen.
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Seit einigen Tagen parkt ein Arbeitszug im Werdohler Bahnhof, der in den Nächten herausfährt und die Tunnel zwischen Altena und Plettenberg untersucht. Die DB Netz will die Strecke für größere Güterzüge ausbauen.

Der Nahverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke im Bereich des Lennetals ist in diesen Wochen gleich durch mehrere Bauarbeiten an den Schienen, Tunneln, Gleisen und Signalanlagen betroffen.

Der Großteil der Arbeiten findet allerdings in der Nacht zwischen 21 und 5 Uhr statt. Bahnreisenden ist bis Anfang Juli dringend empfohlen, mehr Zeit einzuplanen und genau auf die digitalen Fahrplanauskünfte zu achten.

Eine besonders große und aufwendige Sanierungsmaßnahme betreibt die DB Netz an den Tunneln. So soll die Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen über Siegen bis Hanau für die steigenden Anforderungen an den Güterverkehr ausgebaut werden. Diese Ertüchtigung der Strecke hat nichts mit dem ab Dezember fahrenden Intercity zu tun, sondern soll die Streckenführung vielmehr für Güterzüge attraktiver machen.

Profile von zehn Tunneln werden untersucht

Im Rahmen der Arbeiten werden seit dem 11. Juni die Profile von zehn Tunneln untersucht. Es soll geprüft werden, ob die Gleise in den Tunneln tiefer gelegt werden können, um eine Profilerweiterung für Güterzüge zu bekommen. Für diese Prüfungsarbeiten steht seit einigen Tagen ein Arbeitszug in Werdohl bereit, der in den Nachtstunden zum Einsatz kommt.

Heinz-Werner Turk von den Werdohler Eisenbahnfreunden weiß zu berichten, dass die bislang letzte Erweiterung der Tunnel und Absenkung der Gleise in den Jahren um 1965 erfolgte, als die Oberleitung auf der Ruhr-Sieg-Strecke gebaut wurde.

Diese Tunnel werden überprüft

Die zu überprüfenden und später eventuell auszubauenden Tunnel haben zusammen eine Länge von circa 4,2 Kilometern. Folgende Tunnel werden überprüft: Nachrodter Tunnel (629 Meter); Altena, Pragpauler Tunnel (83 Meter); Altena, Hünengraben-Tunnel (144 Meter); Altena, Buchholzer Tunnel (935 Meter); Dresel, Husberger Tunnel (793 Meter); Werdohl, Ütterlingser Tunnel (222 Meter); Werdohler Tunnel (315 Meter); Kettling, Baukloher Tunnel (306 Meter); Plettenberg, Sieseler Tunnel (95 Meter); Siegen, Rahrbacher Tunnel (698 Meter).

Auf dieser Grafik ist gut zu erkennen, wo die acht Tunnel zwischen Altena und Plettenberg liegen, die derzeit überprüft werden.

Zudem werden entlang der Gleise weitere Arbeiten durchgeführt, die die Kapazität der Strecke steigern sollen. Unter anderem ist geplant, Überholgleise zu bauen. Turk berichtet, dass dadurch schnellere Züge des Personenverkehrs langsamere Züge des Güterverkehrs überholen können. Weiter seien sogenannte Blockverdichtungen vorgesehen. Diese ermöglichen mehr Züge auf der Strecke, da die Aufteilung des Streckenabschnitts in einzelne „Blöcke“ optimiert wird. Das ist beispielsweise durch neue Signale möglich.

Moderne Stellwerkstechnik

Gleichzeitig hat die Deutsche Bahn schon vor Wochen mit den Vorarbeiten begonnen, um die zwischen 30 und 50 Jahre alten Stellwerke in Altenhundem/Meggen, Plettenberg und Nachrodt/Altena durch moderne Stellwerkstechnik zu ersetzen. Die ersten Vorarbeiten in den Bahnhöfen Altenhundem, Meggen und Plettenberg sind bereits in Angriff genommen worden. Geplant ist später, auf rund 35 Kilometern Kabelarbeiten durchzuführen. Außerdem werden 235 Signale und 73 Weichen erneuert und neun neue Signalausleger aufgestellt.

Noch viel aufwendiger plant die Bahn, vier Bahnübergänge zu erneuern beziehungsweise komplett zu ersetzen und elf Bahnübergänge an die neue Technik anzupassen.

Smarte Digitalisierung: Arbeiten stehen noch aus

Die eigentlichen Arbeiten zur smarten Digitalisierung der Strecke haben aber noch nicht angefangen, es wird dann auf jeden Fall aufgrund der Vielzahl an Arbeitsschritten und der Größe der Baustellen zu umfangreichen Sperrungen kommen, die derzeit mit den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen wie Abellio und dem Aufgabenträger Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) abgestimmt werden.

Seit dem 11. Juni gibt es bereits Einschränkungen für die Bahnreisenden auf der Ruhr-Sieg-Strecke im Bereich Altena. Die Deutsche Bahn hat dort mit den Vorarbeiten für drei neue Lärmschutzwände begonnen. Mitarbeiter der Bahn führen noch bis Freitag, 2. Juli, eine Kampfmittelsondierung durch. An insgesamt 90 Punkten wird der Boden auf Kampfmittel untersucht. Aufgrund des Zugverkehrs ist es nicht möglich, die Arbeiten tagsüber auszuführen. Es kommt deshalb nachts zu Lärmenentwicklungen, die die Anwohner stören. Für die Fahrgäste ist das von Vorteil, denn der Zugverkehr tagsüber wird seltener beeinträchtigt. Der Bau aller Lärmschutzwände in Altena findet während einer Vollsperrung vom 3. September bis 29. Oktober in diesem Jahr statt.

Fahrgastinformationen

Natürlich fallen durch all diese Maßnahmen Züge aus. Es ist für Bahnreisende derzeit schwer, zeitlich präzise Auskünfte zu bekommen. Fahrgastinformationen über das Ruhr-Sieg-Netz für die RE 16 und RB 91 findet man in den Fahrplanauskünften der DB-App und auf der Abellio-Homepage. Die Arbeiten sollen bis Freitag, 2. Juli, 5 Uhr, beendet sein. Die Zugausfälle werden durch langsamere Busse ausgeglichen. Auf jeden Fall muss mehr Zeit eingerechnet werden, vor allem in Hinblick auf Anschlüsse.

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