Roter Kopf und Rote Schule

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Weil die Sonnenrollos nicht geliefert werden können, muss das Gerüst an der ehemaligen Roten Schule stehen bleiben. Solange das Gerüst steht, kann nicht mit den Außenarbeiten begonnen werden – so kommen fünf Wochen Verzögerung zustande.

WERDOHL - Mehr als einmal bekam Bürgermeister Siegfried Griebsch am Montag im Rat einen roten Kopf, so unangenehm waren offensichtlich die Fragen und Anschuldigungen von CDU und WBG, als es um die fünfwöchige Verzögerung beim Umbau der Roten Schule in die Kita „Gernegroß“ ging.

Das eigentliche Thema der Haushaltssanierung (siehe nebenstehender Text) geriet darüber völlig in den Hintergrund. Schon bei der Genehmigung der nicht öffentlich gefassten Dringlichkeitsentscheidung von vor zwei Wochen über 85 000 Euro, die an Mehrkosten für die Inneneinrichtung entstanden sind, gingen die Auffassungen auseinander.

CDU-Fraktionschef Ohrmann fragte zunächst nach einer ihm nicht erklärbaren Kostensteigerung von 252 000 Euro. Ursprünglich seien im Haushalt 1,5 Millionen Euro Mittel für den Ausbau der Kita „Gernegroß“ zu finden gewesen, jetzt lese er dort eine Zahl von 1,772 Millionen Euro. Ohrmann: „Haben wir für 252 000 Euro Mehrkosten irgendwann einmal die Hand gehoben? Das wüsste ich gerne von der Verwaltung.“ Bodo Schmidt vom Fachbereich Soziales sprang ein. Die Einrichtungskosten seien ursprünglich nicht berechnet worden, 140 000 Euro seien vom Rat später genehmigt worden. Ohrmann: „Dann bleibt aber immer noch eine Differenz, von der wir nicht wissen, ob sie bewilligt worden ist.“ Bürgermeister Griebsch verwies am Montag im Rat darauf, dass leider niemand aus dem Baubereich anwesend sei, der die Dinge hätte klären können.

Richtig ärgerlich wurden vor allem CDU-Sprecher Ohrmann und WBG-Fraktionsvorsitzender Mertens, als es um die Frage ging, ob die Verwaltung nicht schon vor zwei Wochen gewusst haben müsse, dass es zu so einer Verzögerung komme. WBG-Ratsherr Hänel: „Als ich das las, fiel mir alles aus dem Gesicht.“ Vor zwei Wochen sei der WBG gesagt worden, sie müsse den 85 000 Euro Mehrkosten zustimmen, sonst gäbe es ein Zeitproblem.

Stefan Ohrmann sagte, dass die Entscheidung über die 85 000 Euro anders ausgefallen wäre, wenn bekannt gewesen wäre, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten ist. Bürgermeister Griebsch sagte, dass er es nicht gewusst habe und dass es bei der Entscheidung im Hauptausschuss vor zwei Wochen um das pädagogische Konzept gegangen sei.

Bodo Schmidt erklärte, dass ihm vergangene Woche die Mitteilung gemacht worden sei, dass sich die Fertigstellung um fünf Wochen verzögere. Daraufhin seien mit Posteingang von Samstag die Eltern und die Ratsmitglieder benachrichtigt worden. In der Mitteilung an die Eltern heißt es: „Nun ist leider doch eingetreten, was Rat und Verwaltung mit allen Mitteln verhindern wollten.“ Die Stadt werde nun mit den Eltern gemeinsam nach einem Weg suchen, die Kinder bis dahin so zu betreuen, wie es den familiären Verhältnissen am besten gerecht werde. Betroffen seien 81 Kinder und ihre Familien.

Fehlende Sonnenrollos sprengen den Zeitplan

Schon vor einiger Zeit waren Informationstermine für die Eltern für den 1. Juli (U-3-Kinder) und für den 4. Juli (Ü-3-Kinder) in der Stadtbücherei vereinbart worden. An beiden Terminen werde nun hauptsächlich über die Verschiebung der Eröffnung der Einrichtung informiert. Das Jugendamt wolle so schnell es gehe weitere Information schriftlich oder telefonisch nachschieben.

Während der Ratssitzung am Montag sprach Bodo Schmidt davon, dass verwaltungsintern bereits Notlösungen durchdacht worden seien. Das für August eingestellte Personal für die Kita Gernegroß werde natürlich für diese Notlösungen gebraucht. Ob zusätzliche Kosten entstehen würden, verneinte der Bürgermeister. Allenfalls habe man Verluste aus nicht zu zahlenden Elternbeiträgen zu verkraften.

Der Umbau der Roten Schule war mit einer Panne beim Werdohler Bauamt gestartet. Die Flächenberechnungen waren aufgrund veralteter Feuerwehrpläne vorgenommen worden. Ein finanzieller Schaden war dadurch aber nicht entstanden.

Fachbereichsleiter Mitschke und der für den Umbau der Roten Schule leitende Mitarbeiter Peter Erwig sind beide erkrankt. Thomas Schröder von der Bauabteilung sagte Dienstag auf Nachfrage, dass die Verwaltung am Mittwoch, 19. Juni, zwei Tage nach der Hauptausschusssitzung, von der Lieferproblematik der Sonnenrollos erfahren habe. Schröder: „Wir haben einen Tag alles versucht, es abzuwenden, aber dann stand die fünfwöchige Verzögerung fest.“ Weil die Rollos nicht geliefert werden können, muss das Gerüst stehen bleiben. Wegen des Gerüsts können aber die Außenarbeiten nicht beginnen.

Von Volker Heyn

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