Ehemalige „Bistro@ Night“-Wirtin erklärt die Besonderheiten

Rote Eier und vieles mehr: Orthodoxe Griechen feiern heute Ostern

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Zoi-Sofia und Nikolaos-Simonas aus der insgesamt neunköpfigen Familie von Katerina Kavourstjini entzünden zum orthodoxen Osterfest Kerzen ihrer Paten. In diesem Jahr können sie wegen der Corona-Pandemie keine Gottesdienste besuchen.

Werdohl - „Ostern ist das größte Fest der Orthodoxen Kirche“, sagt Katerina Kavourstjini. Die ehemalige Wirtin des früheren „Bistro@ Night“ am Brüninghaus-Platz erklärt die Besonderheiten.

„Ostern ist das größte Fest der Orthodoxen Kirche“, sagt Katerina Kavourstjini. Die ehemalige Wirtin des früheren „Bistro@ Night“ am Brüninghaus-Platz, deren Schwiegersohn nun an selber Stelle die Gaststätte „Baroque“ betreibt, erklärt: „Das Fest dauert bei uns eine Woche lang.“ Begonnen haben die orthodoxen Ostertage am vergangenen Montag, dem christlichen Ostermontag.

„Wir gehen sonst in dieser Zeit täglich in die Kirche“, erklärt Kavourstjini, die vor 30 Jahren als 17-Jährige nach Deutschland kam, „nur in diesem Jahr geht das ja leider nicht.“

Videoübertragung

Die Kirche, von welcher sie spricht, ist an der Sedanstraße in Lüdenscheid gelegen. „Dort kamen in den vergangenen Jahren immer 2000 bis 3000 Leute an Ostern zusammen. Jetzt schauen wir abends eine Live-Übertragung eines Gottesdienstes aus Griechenland auf Facebook an“, haben sie und ihre Familie für sich einen probaten Ersatz gefunden.

Neunköpfige Familie

Neunköpfig ist die Familie mit allen Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln. Da sie in einem Haus wohnen, müssen sie auch in diesem Jahr nicht auf die Festtagszusammenkünfte verzichten. Los mit den gemeinsamen Aktivitäten ging es am Donnerstag, der in der Orthodoxen Kirche übrigens nicht Gründonnerstag heißt, sondern der Rote Donnerstag.

Kavourstjini erläutert: „Jesus Christus wurde ans Kreuz genagelt. Und aufgrund seines Blutes, das er dabei vergossen hat, sprechen wir vom Roten Donnerstag.“ Das hat zur Folge, dass traditionell sämtliche Ostereier rot eingefärbt werden. Die 47-Jährige verrät: „Für die Kinder machen wir die Eier aber längst bunt. Es gibt auch gelbe, grüne und blaue Eier.“

Rote Eier

Auch sonst weicht ihre Familie von manchen orthodoxen Traditionen ab. „Eigentlich fasten die Orthodoxen 40 Tage lang – von Rosenmontag bis zum Auferstehungsfest am Ostersamstag“, so Kavourstjini. Gegessen werden dürfe in der Fastenzeit „nur das, was die Natur hergibt“, erzählt die Griechin. Nichts dürfe bearbeitet oder behandelt sein. Das hat zur Folge, dass ein Salat in der Fastenzeit kein Dressing bekomme.

Jeder orthodoxe Gläubige bekommt am Donnerstagabend in der Kirche vom Pastor „den Körper und das Blut von Jesus Christus“, schildert Kavourstjini das gemeinsame Verzehren von Wein und Brot. Da die Fastenzeit aber noch bis heute Abend andauert, dürfen die bereits am Donnerstag rot gefärbten Eier noch nicht gegessen werden.

Prozession

Ein nächster Fixpunkt des orthodoxen Osterfestes ist für Kavourstjini die Prozession, die üblicherweise am Freitag nach dem Gottesdienst stattfindet. In den Vorjahren zogen sie so auch ab 22 oder 23 Uhr durch Lüdenscheider Straßen, was nun dem Coronavirus zum Opfer fällt.

„Dabei tragen wir Jesus im Sarkophag durch die Stadt“, berichtet die Werdohler Griechin. Das Auferstehungsfest am heutigen Samstag ist der Höhepunkt der gesamten Osterwoche. „In Griechenland wird am Roten Donnerstag ein Schaf geschlachtet“, sagt Kavourstjini.

„Aus den Innereien wird eine Suppe namens Magiritsa gekocht, die es traditionell am Samstag gibt.“ Mit in der Suppe sind Reis, Dill, Petersilie, Salz, Pfeffer und einige Spritzer Zitrone. Obwohl die Gaststätte Baroque derzeit geschlossen bleiben muss, wird es auch in diesem Jahr die traditionelle Speise für die Familie geben. „Wir sind eine große Familie und unterstützen uns gegenseitig“, erzählt die 47-Jährige, wie sie mit dem finanziellen Engpass umgehen.

„Am Ostersamstag kommt das schöne Geschirr auf den Tisch und die schönen Gläser“, erzeugt Kavourstjini für sich und ihre Liebsten eine angenehme Atmosphäre beim großen Osteressen. Neben der Suppe gibt es auch einen Hefezopf. Geschenke gibt es natürlich auch, vornehmlich für die Kinder. Auspacken können sie nur Kleinigkeiten. Eltern, Großeltern und Patenonkel sowie -Tanten verschenken Kleidung, Süßigkeiten und Spielzeuge.

Kerzen von den Paten

Von den Paten gibt es zudem eine Kerze, die der Pastor beim Gottesdienst am Samstag entzündet – mit dem aus Jerusalem stammenden Friedenslicht. Damit die Kinder das miterleben können, schlafen sie nachmittags vor. Denn die Auferstehungsfeier im orthodoxen Gotteshaus beginnt am Ostersamstag erst um Mitternacht.

Nach der Rückkehr ins heimische Wohnzimmer feiert die Familie trotz der nächtlichen Uhrzeit gemeinsam weiter. „Es gibt Essen, Trinken und wir tanzen nach ein paar Wein dann auch“, beschreibt Kavourstjini den Ablauf des Festsamstags. Einige Orthodoxe gehen auch am Sonntag in die Kirche.

Lamm auf dem Spieß

Die Werdohler Familie macht dies anders. „Wir grillen stattdessen Lamm auf dem Spieß. Das dauert drei bis vier Stunden. In der Zeit spielen wir mit den Kindern“, erläutert Kavourstjini. Warum es traditionell in orthodoxen Familien Lamm am Ostersonntag gibt, erklärt sie so: „Jesus Christus war so sauber und lieb wie Schaf.

Wir ehren ihn mit diesem Essen aus Dank, dass er all die Sünden der Menschen auf sich genommen hat.“ Keine Besuche Am Montag endet das orthodoxe Osterfest mit Familienbesuchen. Auf diese muss die Familie von Katerina Kavourstjini in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie verzichten.

„Doch“, so sagt sie abschließend, „wir hoffen alle, dass diese Krankheit bald an uns vorbei geht und wir kommendes Jahr wieder so feiern können, wie wir das gewohnt sind.“

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