Neues Gewerbegebiet

Rosmart 2.0: Werdohler Rat muss eine politische Entscheidung treffen

Im linken Bildbereich ist das bestehende Gewerbegebiet Rosmart zu sehen, rechts davon liegt die geplante Erweiterungsfläche, die auch als Brunscheider Höhe bezeichnet werden kann.
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Im linken Bildbereich ist das bestehende Gewerbegebiet Rosmart zu sehen, rechts davon liegt die geplante Erweiterungsfläche, die auch als Brunscheider Höhe bezeichnet werden kann.

Weil das vor wenigen Tagen öffentlich gemachte Umweltgutachten zur Erweiterung des Gewerbegebietes Rosmart keine wesentlichen Einschränkungen durch Belange des Umweltschutzes erkennbar werden lässt, wird die Entscheidung für oder gegen das geplante interkommunale Gewerbegebiet von Werdohler Seite aus grundsätzlicher Sicht zu treffen sein.

Zu diesem Schluss kommt der Werdohler Bürgermeister Andreas Späinghaus: „Es wird letztlich auf eine politische Entscheidung hinauslaufen.“

Das Gutachten des Büros Froelich & Sporbeck aus Bochum liegt seit einigen Tagen öffentlich vor. Zuerst wird es am Mittwoch, 9. Dezember, im kombinierten Lüdenscheider Ausschuss für Stadtplanung sowie Umwelt und Klimaschutz vorgestellt. Per Videokonferenz werden Mitarbeiter des Bochumer Büros den Politikern vortragen, die können Fragen dazu stellen. Einen Beschlussvorschlag der Lüdenscheider Verwaltung zu diesem Tagesordnungspunkt gibt es nicht.

Frühestens im nächsten Jahr Thema im Ausschuss

Wie genau es weiter geht, konnte auch Sven Prillwitz als Sprecher der Verwaltung nicht sagen. Der Punkt diene lediglich der Beratung. „Stand heute“, so Prillwitz, werde das Umweltgutachten auch nicht in der nächsten Ratssitzung im neuen Jahr zur Beratung oder zu einer wie auch immer gearteten Entscheidung stehen.

Für den Werdohler Bürgermeister Späinghaus ist es einleuchtend, dass der Bericht frühestens im kommenden Jahr in einer Sitzung des Werdohler Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea) auf der Tagesordnung stehen wird. Für die kommende Sitzung des Ustea nächste Woche ist Rosmart jedenfalls kein Thema. Späinghaus hat dennoch gleich am Montag allen Ratsmitgliedern das Gutachten zugänglich gemacht. Die 61 Seiten des Umweltgutachtens und die 29-seitige Artenschutzprüfung nähmen zur seriösen Durcharbeitung in den Fraktionen mehr Zeit in Anspruch als die üblichen zehn Tage.

Dritte Ausbaustufe liegt ausschließlich auf Werdohler gebiet

Späinghaus hat die Expertise deshalb bislang auch nur im Ergebnis und im Procedere durchsehen können. Seine Schlussfolgerung ist: Für die erste von insgesamt drei zur Diskussion stehenden Ausbaustufen sind ausschließlich die Städte Lüdenscheid und Altena zuständig. Für die erste Ausbaustufe sind die 17. Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) der Stadt Lüdenscheid und die 31. Änderung des FNP der Stadt Altena notwendig. Erst an der zweiten Ausbaustufe ist Werdohl beteiligt: Hier ist eine Änderung der FNP aller drei beteiligten Kommunen erforderlich. Da das Gelände der dritten Ausbaustufe ausschließlich auf Werdohler Stadtgebiet liegt, ist hier eine Änderung des FNPs der Stadt Werdohl ausreichend. Hier befindet sich auch im Großteil die bewaldete Kuppe, die nach einer ersten Machbarkeitsstudie des Büros Jansen abgetragen werden müsste, um dort Gewerbegebäude errichten zu können.

Umweltbericht und Artenschutzprüfung

Der „Umweltbericht zur Änderung des Flächennutzungsplans“ vom Planungsbüro Froelich & Sporbeck liegt seit dem 23. November als Vorabzug vor. Zur Eingrenzung heißt es dort zu Beginn: „Da zunächst nur die Ausbaustufe I umgesetzt werden soll, liegen zurzeit auch nur FNP für die hierfür notwendigen Änderungen vor. Der vorliegende Umweltbericht ist aus diesem Grund nur für die erste Ausbaustufe verbindlich.

Die Ausbaustufen II und III werden nur hypothetisch betrachtet, um einen Überblick über die Gesamtheit der Umweltauswirkungen des Projektes geben zu können.“ In der „allgemein verständlichen Zusammenfassung“ heißt es als Ergebnis: „Die in Gesetzen und Fachplanungen genannten Umweltschutzziele werden beachtet bzw. sind nicht betroffen.“

In der dazugehörigen „Artenschutzprüfung“ wird nur die erste Ausbaustufe genauer untersucht. Das Ergebnis bleibt äußerst vage: „Ein Erfüllen der Verbotstatbestände ist für die vorkommenden Artengruppen nicht auszuschließen.“ Eine faunistische Kartierung sei nötig.

Doch dieses überaus strittige Thema steht noch längst nicht zur Debatte. Die Gremien der Stadt Werdohl werden sich zu Anfang nächsten Jahres rein nachrichtlich mit der ersten Ausbaustufe von Rosmart 2.0 befassen müssen. Zwingende Entscheidungen werden der Werdohler Politik nicht abverlangt.

Teilweise nur „hypothetische“ Aussagen

Das Gutachten trifft verbindliche Aussagen auch nur für die erste Ausbaustufe, die Aussagen für die zweite und dritte Ausbaustufe seien „hypothetisch“, so heißt es im Vorwort des Gutachtens.

Späinghaus geht deshalb davon aus, dass noch „Vertiefungen“ des Gutachtens nötig werden. Das vorliegende Umweltgutachten beleuchte das Thema, bewerte es allerdings nicht in allen Belangen. Wenn das Gutachten jetzt zumindest für den ersten Bauabschnitt keine relevanten Umweltaspekte erkenne, laufe es letztlich auf eine politische Entscheidung hinaus, ob das Gewerbegebiet an der Stelle grundsätzlich gewollt oder abgelehnt werde. Dass ein Gebiet mit Erholungswert verloren gehe, sei klar. Ob man ein Erholungsgebiet oder ein Gewerbegebiet haben wolle, sei eben eine politische Entscheidung. Für ihn persönlich ist die Sache jedenfalls lange klar: „Werdohl braucht da oben kein Gewerbegebiet.“

Zunächst sind die Nachbarstädte am Zug

Am Zuge seien aber jetzt zunächst die Nachbarstädte Lüdenscheid und Altena. Späinghaus Einschätzung, falls die beiden Städte ein interkommunales Gewerbegebiet einrichten und Werdohl nicht mitmachen wolle: „Dann gibt es da oben ein Gewerbegebiet eben nur auf Lüdenscheider und Altenaer Stadtgebiet.“ Eine definitive Entscheidung aus Werdohler Sicht wird wohl erst dann fällig, wenn es um die Finanzierung weiterer Gutachten oder gar die Beteiligung an gemeinsamen Erschließungskosten geht.

Fast alles in gelb, wenig in hellgrün und nichts in dunkelgrün: Die Biotopkartierung für alle drei denkbaren Ausbaustufen südlich des bestehenden Gewerbegebiets Rosmart zeigt grob gesagt keine schützenswerten Flächen.

Eine große Rolle spielen wird auch ein Kostengutachten, das von der Stadt Lüdenscheid in Auftrag gegeben wird. Die Werdohler Fläche wird hier nicht betrachtet.

Gegner studieren das Gutachten noch

Jörg Kenter von der Initiative für die Brunscheider Höhen hatte das Gutachten noch nicht in Gänze durcharbeiten können. Klarheit bringe es nach seinem Dafürhalten nur für die erste Ausbaustufe, bei der vergleichsweise wenig in die Landschaft eingegriffen werden müsse. Warum vor allem in der strittigen Frage der Abtragung der Kuppe nur eine hypothetische Erklärung abgegeben wurde, könne er nicht nachvollziehen.

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