Vor der Wahl am 13. September

Rosmart 2.0: So stehen die Werdohler Parteien zum neuen Gewerbegebiet

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Die Erweiterung des Gewerbeparks Rosmarts südlich und östlich von den schon bebauten Flächen stößt vor allem in Werdohl auf Widerstand. Die Kritik richtet sich unter anderem gegen ein Abtragen der Bergkuppe (rechts im Bild). Vor der Kommunalwahl haben die Parteien jetzt noch einmal ihre Standpunkte klargemacht.

Werdohl – An einer Erweiterung des interkommunalen Gewerbeparks Rosmart scheiden sich die Geister: Während Teile der Politik aus Altena und Lüdenscheid die Notwendigkeit der Bereitstellung neuer Gewerbeflächen betonen, fürchten Werdohler Politiker und Anwohner eine Zerstörung der Landschaft.

Wenige Wochen vor der Kommunalwahl hat nun die Bürgerinitiative „Pro Brunscheid“ das Thema noch einmal aufgegriffen. 

Die Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, dass die Brunscheider Höhen in der jetzigen Form erhalten bleiben und die Planungen zur Erweiterung des Gewerbeparks gestoppt werden, hatte zuletzt den Werdohler SPD-Bürgermeisterkandidaten Andreas Späinghaus und den Lüdenscheider CDU-Bürgermeisterkandidaten Christoph Weiland zu Gast, um das Thema mit ihnen zu diskutieren. Sie machten ihre jeweiligen Standpunkte deutlich. 

Rat entscheidet über das weitere Vorgehen

Doch was wollen eigentlich die Parteien, die in Werdohl am 13. September zur Kommunalwahl antreten und deren gewählte Vertreter anschließend im Stadtrat das weitere Vorgehen der Stadt Werdohl bestimmen? 

Die CDU will laut ihrem Wahlprogramm für Industrie und Gewerbe auf bestehenden und neuen Standorten „Entwicklungsperspektiven unter Berücksichtigung ökologischer Gegebenheiten“. Dies sei „ein unverzichtbarer Beitrag zur Standortsicherung“, heißt es. CDU-Spitzenkandidat Stefan Ohrmann betonte, er könne sich „nicht vorstellen, dass es ökologisch und wirtschaftlich vertretbar wäre“, die Kuppe auf den Rosmarter Höhen abzutragen, um dort Gewerbe und Industrie anzusiedeln. Auch für seine Partei sei das eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe. „Das kann nicht sein“, bekräftigte Ohrmann den Standpunkt der CDU. 

SPD vollzieht im Herbst die Kehrtwende

Werdohls SPD-Vorsitzender Udo Böhme betont, dass seine Partei gegen eine Ausweitung des Gewerbegebietes in der jetzt geplanten Form sei. Das war nicht immer so: Im Frühjahr 2019 hatte die SPD noch zusammen mit der CDU dafür gestimmt, die Machbarkeit und Umweltverträglichkeit der Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben auf den Rosmarter Höhen zumindest einmal prüfen zu lassen. Im Herbst dann die Kehrtwende: Die SPD forderte den sofortigen Ausstieg Werdohls aus dem interkommunalen Projekt – allerdings ohne Erfolg. Die Haltung der Sozialdemokraten hat diese Abstimmungsniederlage aber nicht verändert. „Da soll zu viel Landschaft zerstört werden. Der Raubbau an der Natur steht in keinem Verhältnis zur Zahl der neuen Arbeitsplätze, die dadurch entstehen“, verdeutlicht Böhme die Position der SPD. Welche Geländebewegungen für die Realisierung von Rosmart 2.0 notwendig seien, habe seine Fraktion zu Anfang des Prozesses „nicht so im Blick gehabt“, räumt er ein. 

Eine klare Meinung zur Rosmart-Erweiterung hat auch die FDP. „Eindeutig nein“, sagt deren Spitzenkandidat Friedhelm Hermes. Die Ausweitung der Gewerbeflächen auf den Rosmarter Höhen sei „ein absoluter Einschnitt in die Landschaft“, nennt er den Hauptgrund für die Ablehnung der Pläne. „Wir brauchen diese Landschaft mit ihren Wäldern und Auen zum Leben“, bemüht der FDP-Mann geradezu „grüne“ Argumente und überrascht mit weiteren für einen Liberalen ungewohnten Tönen: „Wir wollen nicht die Gier der Industrie befriedigen.“ Der Flächenverbrauch durch Gewerbegebiete sei groß, weil oft nur noch eingeschossig gebaut werde. Gewerbeflächen für den Bedarf der Stadt Werdohl gebe es auch an anderer Stelle, erklärte Hermes, ohne allerdings konkret zu werden. 

WBG: Bergkuppe soll nicht abgetragen werden

Die WBG hat nach Worten ihres Spitzenkandidaten Thorsten Hänel zwar der Machbarkeitsstudie zugestimmt. „Wir wollen aber nicht, dass zum Beispiel die Bergkuppe dort abgetragen wird. Das wäre für uns Raubbau an der Natur. Das werden wir auf keinen Fall mittragen“, betonte Hänel. 

Die Stadt Werdohl ist nach wie vor an dem ganzen Verfahren beteiligt, denn den von der SPD im November geforderten Ausstieg hat der Rat ja nicht beschlossen. CDU, WBG und FWG war die von der SPD verlangte Kehrtwende zu abrupt gewesen. Erst in der Dezember-Sitzung fasste der Rat dann mit den Stimmen von CDU und WBG den Beschluss: „Die Stadt Werdohl äußert bereits jetzt Bedenken, was eine massive Abtragung der Bergkuppe auf Werdohler Gebiet angeht.“ Die SPD unterstützte diesen Beschluss nicht, blieb aber bei ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Rosmart-Erweiterung. Auch die FDP stimmte dagegen. Durch den Beschluss blieb Werdohl im Geschäft, hielt sich aber für einen eventuellen späteren Ausstieg ein Hintertürchen offen. 

Gutachten: Stadt Lüdenscheid vergibt Auftrag

Die Stadt Lüdenscheid hatte dann den Auftrag, ein Umweltgutachten und ein Gutachten zur Klärung von Erschließungs- und Kostenfragen zu beauftragen. Die Ergebnisse des Umweltgutachtens nach den Vorschriften des Baugesetzbuches lägen noch nicht vor, sagte Lüdenscheids Pressesprecherin Marit Schulte unlängst auf Nachfrage. Die Studie zu Kosten und Erschließung hat Lüdenscheid im Sommer ausgeschrieben, die Angebotsfrist ist in der vergangenen Woche abgelaufen. „Die Vergabe dieses Auftrags erfolgt Anfang September“, kündigte Schulte an.

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