Rosmart 2.0: Ratsmehrheit von CDU und SPD stimmt Verfahren zu

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Auf den Zuschauerstühlen im Ratssaal hatten am Montag auch zahlreiche Einwohner von den Ortslagen Vorderbrenge und Hinterbrenge Platz genommen, sie hatten sich abgesprochen und stellten gezielt Bürgeranfragen zur geplanten Gewerbeansiedlung.

Werdohl - Der Rat hat sich in seiner Sitzung am Montagabend mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Erweiterung des Märkischen Gewerbeparks Rosmart in südliche Richtung, landläufig als „Rosmart 2.0“ bezeichnet, weiterzuverfolgen.

Das Vorhaben ist aber nicht unumstritten, wie Diskussionsbeiträge von Politikern und Fragen von Bürgern zeigten. 

Die Städte Altena, Lüdenscheid und Werdohl sowie die Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS), die den interkommunalen Gewerbepark auf den Rosmarter Höhen als Gemeinschaftsprojekt betreiben, wollen den Weg zur Erweiterung des Gebietes abkürzen. Voraussetzung für die Ausweitung wäre eine Neuaufstellung des Regionalplanes. 

Damit hat der Regionalrat Arnsberg aber gerade erst begonnen, die Fertigstellung könnte noch Jahre dauern. Auf Anraten der Bezirksregierung haben die drei Städte und die GWS deshalb ein auf Gewerbe- und Industrieflächenkonzepte spezialisiertes Kölner Planungsbüro damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur Rosmart-Erweiterung in südliche Richtung zu erstellen. Deren erste Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass eine Erweiterung an dieser Stelle grundsätzlich realisierbar wäre. 

WBG äußert Bedenken

Erste Bedenken äußerte die WBG-Fraktion in der Sitzung des Hauptausschusses vor zwei Wochen. Das Gebiet sei ökologisch zu wertvoll, um es einem Gewerbe- und Industriegebiet zu opfern. Dieser Sichtweise hat sich mittlerweile die FDP-Fraktion angeschlossen. WBG-Fraktionschef Volker Oßenberg betonte in der Ratssitzung am Montag noch einmal, dass seine Fraktion das Projekt nicht weiter verfolgen möchte. 

CDU-Fraktionschef Stefan Ohrmann hielt dagegen einen Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. „Wir werden uns jetzt nicht ausklinken, sondern wollen uns noch tiefer mit der Thematik beschäftigen“, sagte er. Auch die SPD benötigt offenbar noch Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. „Wir stimmen jetzt zu, dass die Untersuchung weitergeführt wird. Aber wir müssen dann im Fachausschuss noch darüber sprechen“, sagte deren Vorsitzender Wilhelm Jansen. Die Zustimmung von CDU und SPD reichte schließlich für den Auftrag an die Stadtverwaltung, gemeinsam mit den Städten Lüdenscheid und Altena die Änderung des Regionalplans für den Bereich südlich des Gewerbeparks Rosmart zu beantragen. Nach Einschätzung von Fachbereichsleiter Thomas Schroeder könnte die Entscheidung darüber bereits in der ersten Jahreshälfte 2019 fallen. 

Bürgerfragen an die Verwaltung 

Die Anwohner von Vorderbrenge und Hinterbrenge um ihren Wortführer Jörg Kenter hatten sich vor der Sitzung gut abgesprochen, fast jeder von ihnen stellte die zwei erlaubten Fragen zu Beginn der Ratssitzung am Montag. Bemerkenswert war, dass sich auch Martin Hempel als Bürger zu Wort meldete. Hempel wohnt auf der Vorderbrenge und ist Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt Werdohl und damit fachlich für die Abwasserkanäle der Stadt zuständig. 

Drohnenbild: So sieht der Gewerbepark Rosmart von oben aus

Er stellte sich am Montag als Bürger vor. Er nehme an, dass der Bedarf an zukünftigen Gewerbeflächen gar nicht so groß sei. Seiner Meinung nach gebe es noch reichlich freie Gewerbeflächen in den umliegenden Städten. Von der Verwaltung wollte er wissen, ob es schon Kostenschätzungen bezüglich des künftigen Abwasseraufkommens gebe. 

"Noch sehr weit von einer Konkretisierung entfernt"

Ihm antwortete sein Vorgesetzter bei der Verwaltung, Fachbereichsleiter Thomas Schroeder. Hempels Annahme, es gebe ausreichend freie Gewerbeflächen, sei „falsch“. Zu den Kosten könne er nichts sagen: „Wir sind noch sehr weit von einer Konkretisierung entfernt.“ 

Auf weitere Nachfragen der Einwohner antwortete Schroeder ähnlich. Die Machbarkeitsstudie habe im Ergebnis gezeigt, dass es grundsätzlich möglich sei, Gewerbe dort anzusiedeln. Weiterhin habe die Bezirksregierung signalisiert, dass „alle bekannten Restriktionen grundsätzlich händelbar“ seien. Schroeder: „Die wichtigsten Antworten sind da.“ Dass Teile des Gebiets Landschaftsschutzgebiet sei, schließe nicht aus, dort Gewerbe anzusiedeln: „Das ist kein unüberwindbares Hindernis für die Planung.“ 

Bürgermeisterin Voßloh sagte den besorgten Einwohnern zu, den Natureingriff sehr genau abzuwägen und sensibel damit umzugehen.

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