Rosmart 2.0: Erschließung kostet 18,8 Millionen Euro

+
Die Fläche für Rosmart 2.0 liegt auf Werdohler, Lüdenscheider und Altenaer Gebiet.

Werdohl - Der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung hat sich für eine Untersuchung des Gebietes südlich des Gewerbeparks Rosmart auf seine Eignung zur Nutzung als Gewerbegebiet ausgesprochen. Dass dort auf Werdohler Gebiet tatsächlich gebaut wird, ist damit aber nur wenig wahrscheinlicher geworden.

Die drei Städte Werdohl, Altena und Lüdenscheid, die schon seit 15 Jahren den interkommunalen Gewerbepark Rosmart betreiben, suchen nach einer Möglichkeit das Areal zu erweitern. So wollen sie Unternehmen am Standort halten oder in die Region locken und damit Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sichern. 

Ganz einfach dürfte die Erweiterung des Gewerbeparks – im Amtsjargon auch Rosmart 2.0 genannt – aber nicht werden. Nicht nur, dass sich mittlerweile eine Bürgerinitiative gegründet hat, die sich gegen die Eingriffe in die Landschaft wehrt, auch Experten sehen durchaus Hindernisse für die Nutzung der Rosmarter Höhen als Gewerbegebiet. 

Machbarkeitsstudie vorgestellt

Raumplaner Mathis Busch stellte die Studie vor.

In der Ustea-Sitzung am Dienstagabend stellte Mathis Busch, diplomierter Raumplaner des Kölner Büros für Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen, den Ausschussmitgliedern die Machbarkeitsstudie für das rund 33 Hektar große Erweiterungsgebiet vor. „Die Entwicklung der Fläche ist grundsätzlich machbar“, sagte er, zeigte aber auch einige Schwierigkeiten auf. Beispielsweise würden durch die Planung mehrere sensible Bereiche wie eine Wasserschutzzone, ein Biotop und ein großer Bestand an wertvollem Laub- und Mischgehölzen tangiert. Um gravierende Beeinträchtigungen dieser Bereiche auszuschließen, empfahl Busch, von Anfang an einen Umweltgutachter einzubinden. 

Aufgrund der topografischen Voraussetzungen werde man auch um eine Geländemodellierung und Terrassierung nicht herumkommen, sagte der Raumplaner. Das bedeutet, dass beispielsweise die Kuppe des in weiten Teilen unter Landschaftsschutz stehenden Geländes größtenteils abgetragen, an anderer Stelle abschüssiges Gelände angefüllt werden müsste. Einzelne Gebäude müssten auch in das Gelände „eingegraben“ werden. Durch Anpflanzungen, naturnahe und sichtschützende Maßnahmen sollten solche Eingriffe in die Landschaft abgemildert werden. 

520 Euro pro Quadratmeter

Busch nannte auch die zu erwartenden Erschließungskosten. Die Aufwendungen für den Bau der Fahrbahn, für Unterbau, Kanalbau, Beleuchtung, Möblierung und Baumanpflanzungen bezifferte er für das gesamte Gebiet mit rund 18,8 Millionen Euro. Das würde einem Preis von 520 Euro für den Quadratmeter Bauland entsprechen. Darin sind aber Kosten für anfallende Erdbewegungen und die äußere Entwässerung noch nicht enthalten. Für den ersten Bauabschnitt, der nur das Gebiet der Stadt Lüdenscheid umfasst, nannte er Kosten in Höhe von rund 6 Millionen Euro. Die Planungskosten für die Gesamtfläche würden sich nach seiner Schätzung auf rund 1,1 Millionen Euro belaufen. 

Für den Ausschuss ging es anschließend um die Frage, ob Werdohl den Untersuchungen und Gutachten für das gesamte 33 Hektar große Gebiet zustimmen soll, um damit den 11 Hektar großen ersten Bauabschnitt zu ermöglichen. Der liegt zwar zum allergrößten Teil auf Lüdenscheider und zum kleinen Teil auf Altenaer Stadtgebiet. Dort sind aber die notwendigen Eingriffe in die Natur am geringsten, zudem sollen die Kosten zunächst möglich niedrig gehalten werden. 

Beteiligung an den Kosten

Werdohl würde sich aber – wie auch Altena und Lüdenscheid – an den Kosten beteiligen müssen. Ob überhaupt und gegebenenfalls wann auch die auf Werdohler Stadtgebiet liegende Teilfläche des Areals bebaut werden könnte, ist derzeit noch überhaupt nicht absehbar. Dennoch, betonte der Ausschussvorsitzende Jürgen Henke (SPD), müsse jetzt das gesamte Gebiet betrachtet werden. Die Fraktionen von CDU und SPD stimmten letztlich dafür, wobei die SPD großen Wert darauf legte, dass damit noch keine Vorentscheidung über die Bebauung des Werdohler Abschnitts getroffen sei. 

Die Vertreter von WBG und FDP hatten sich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Für den Liberalen Jürgen Neumann gab es „noch zu viele Unwägbarkeiten“. WBG-Fraktionschef Volker Oßenberg hatte grundsätzliche Bedenken gegen die Schaffung neuer Gewerbeflächen. „Wir haben nicht nur eine Verantwortung gegenüber dem produzierenden Gewerbe, sondern auch gegenüber den folgenden Generationen und dieser Stadt. Werdohl soll doch nicht wieder zu einer Stadt der Schwerindustrie werden“, formulierte Oßenberg seine Beweggründe für die Ablehnung. 

Erster Schritt auf langem Weg

Verantwortung für die Zukunft verspüre auch die CDU, hielt ihm der Unionspolitiker Christoph Plaßmann entgegen. „Es geht aber nicht nur um den Flächenverbrauch und den Erhalt der Natur, sondern auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen.“ 

Bevor der erste Bauabschnitt tatsächlich realisiert werden kann, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Vor allem müssten die Flächennutzungspläne für Altena und Lüdenscheid geändert werden, was nur nach umfassenden Untersuchungen unter anderem zum Eingriff in Natur und Landschaft, zur verkehrlichen Situation und Erschließung, zu Emissionen und Immissionen sowie zur Ver- und Entsorgung möglich ist. 

Auch die Regionalplanung bei der Bezirksregierung in Arnsberg muss dem ganzen Vorhaben noch zustimmen. Insofern ist die jetzt getroffene Entscheidung, die im Übrigen der Werdohler Rat am 25. März erst noch bestätigen muss, erst ein erster kleiner Schritt auf einem langen Weg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare