Riesen-Bärenklau: Das macht die Stadt Werdohl gegen die gefährliche Plage

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Gut geschützt: Wenn Stefan Kopitzki dem Riesen-Bärenklau zu Leibe rückt, legt er vorher Schutzkleidung und eine Feinstaubmaske an.

Werdohl - Stefan Kopitzki zeigt so wenig Haut wie möglich. Nur Teile seines Gesichtes sind ungeschützt, obwohl er natürlich eine Feinstaubmaske trägt.

Sein Werkzeug, eine scharfe Klinge, ist auf einem langen Stab montiert, damit er bei der Arbeit einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten kann. Zügig läuft der Mitarbeiter des städtischen Bauhofes flussaufwärts durch die Verse. Dabei sucht er mit den Augen jeweils beide Seiten des Ufers ab. Schon nach gut 50 Metern ist er fündig geworden: Gleich mehrere Herkules-stauden blühen in der steinigen Uferzone. 

Mit den eindrucksvollen Pflanzen – sie sind besser bekannt als Riesen-Bärenklau – macht er kurzen Prozess. Er schneidet den dicken Stängel möglichst direkt da ab, wo die Pflanze aus dem Boden kommt. Etwas anderes wäre am steinigen Flussufer auch kaum denkbar: „Den Bärenklau hier auszugraben wäre so gut wie unmöglich“, stellt er fest. Hinzu kommt, dass das Ausgraben des Doldenblüters noch gefährlicher wäre als das Abschneiden. 

Jeder Kontakt ist gefährlich

Denn beim Kontakt mit der Pflanze kann es – in Verbindung mit Tageslicht – zu verbrennungsähnlichen Verletzungen kommen: Der Riesen-Bärenklau enthält photosensibilisierende Substanzen aus der Gruppe der Furocumarine. Diese bewirken, dass die Haut extrem auf UV-Licht reagiert – quasi mit einem übermäßigen Sonnenbrand. „Sogar der Blütenstaub ist gefährlich“, weiß Kopitzki, dass er sich bei seiner Arbeit vorsehen muss. Nicht ohne Grund trägt die Pflanze den zweifelhaften Titel „Giftplanze des Jahres 2008“. 

Schon seit Jahren bemüht sich das Bauhof-Team den Neophyt vor allem an den Ufern der Flüsse und Bäche zurückzudrängen. Ein wenig gleichen diese Bemühungen aber dem Kampf, den der berühmte Ritter Don Quijote gegen die Windmühlen ausgetragen hat. Das hat mehrere Gründe: Die Samen des Riesen-Bärenklaus werden durch den Wind übertragen, keimen sehr früh und die Pflanze wächst stark. Somit hat sie gegenüber anderen Pflanzenarten Vorteile und kann sich meist durchsetzen. Außerdem stellt die Herkulesstaude wenig Ansprüche an den Boden, nur sehr saure Böden mag sie nicht. 

Samen werden durch Gewässer verbreitet

„Das größte Problem ist aber, dass die Samen auch durch die Gewässer verbreitet werden,“ erklärt Bauhof-Chef Uwe Bettelhäuser. Bis zu drei Tage können die Samen beispielsweise in Verse und Lenne schwimmen, um an einen neuen Standort zu gelangen. „Und wenn man sieht, dass der Riesen-Bärenklau auf Lüdenscheider Gebiet ungehindert wächst, weiß man, dass das auch ein Problem für uns ist,“ stellt er fest. 

Natürlich sei das Abschneiden der Pflanzen auch kein Allheilmittel. Doch Herbizide – Unkrautbekämpfungsmittel – dürfen in der Nähe der Gewässer nicht eingesetzt werden. „Und die Heißwasser-Methode, bei der die Wurzeln quasi gekocht werden sollen, ist sehr aufwendig“, erklärt der Leiter des Bauhofes. Von der Wirkung dieser Methode ist Bettelhäuser zudem nicht überzeugt: „Ich habe es selbst auf einer Fläche schon einmal ausprobiert. Erst waren die Pflanzen weg, aber im nächsten Jahr sind sie dann doch wiedergekommen.“ 

Nur Schadensbegrenzung

Folglich bleibt den Bauhof-Mitarbeitern nichts anders übrig, als Schadensbegrenzung zu betreiben. „Auf Zuruf werden wir im Stadtgebiet und im Bereich von Spielplätzen natürlich sofort aktiv. Dort graben wir die Pflanzen nach Möglichkeit auch aus“, unterstreicht der Bauhof-Chef.

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