Ein Streifzug durch den Wald

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Mit kritischem Blick untersucht Kevin Hauser ein Stück Borke, das durch Borkenkäfer befallen ist. Um die Ausbreitung zu verhindern, müssen die Bäume möglichst schnell ins Sägewerk.

Werdohl - Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Sturmtief Manni auch über Werdohl hinweg fegte. Er bescherte dem neuen Revierleiter Kevin Hauser gleich einen arbeitsreichen Einstand. Doch auch ohne Sturm und umgeknickte Bäume hat der Förster genug zu tun – langweilig wird es nie.

Von Laila Weiland

Heute ist der 34-Jährige im Wald von Eberhard Schulte im Husberger Tal unterwegs. Die Schneisen, die der Gewittersturm im Juni vergangenen Jahres geschlagen hat, sind noch deutlich zu sehen. Zwischen den abgesägten Stämmen und freigelegten Wurzeln wächst jedoch bereits junges Grün heran. „Die Holzberge sind jetzt weg“, zeigt sich Kevin Hauser zufrieden. Das Aufbereiten und der Abtransport sei viel Arbeit gewesen, weil die Bäume kreuz und quer verteilt lagen. „Wie Mikado“, sagt er lachend. Mehrere tausend Festmeter Holz hat der Sturm hinterlassen – zum Glück für die Waldbesitzer war die Nachfrage jedoch groß.

Bis sich die Fläche wieder komplett erholt hat, wird es noch lange dauern. Den Altbestand schätzt der Förster auf etwa 100 Jahre. Nach 40 bis 60 Jahren können die ersten Bäume geschlagen und verkauft werden. Andere sind erst nach 200 Jahren soweit. Die Bäume am Rand der Schneise sind nun dem Wind schutzlos ausgeliefert. Wenn wieder ein Sturm kommt, passiert es dann schnell, dass wieder einige von ihnen umknicken.

Umgestürzte Bäume – egal ob durch Wind oder andere Gründe – müssen möglichst schnell gefällt und abtransportiert werden, sonst werden sie von Borkenkäfern befallen. „Wenn es zu einer Massenvermehrung kommt, befallen sie auch die umliegenden, gesunden Bäume und die sterben dann ab“, erklärt Hauser. Solange der Befall jedoch frisch sei, könne das Holz ohne Wertverlust verkauft werden, denn die Käfer fressen sich nur durch die Borke. Buchdrucker und Kupferstecher seien in dieser Region die größten Forstschädlinge. Ärgerlicher sei der Befall durch den Gestreiften Nutzholzborkenkäfer, denn dieser frisst sich nicht nur durch die Borke sondern auch durch das Holz. „Grund zur Aufregung gibt es aber nicht“, beruhigt der Revierleiter. „Dass die Käfer da sind, ist völlig normal. Dafür bin ich ja auch hier, um ein Auge darauf zu haben.“

Erleichtert werde seine Arbeit dadurch, dass in Werdohl der meiste Wald Privatwald ist und die Besitzer ihre Bäume auch selbst im Blick haben. Trotzdem ist Kevin Hauser fast jeden Tag im Wald unterwegs. „Ich schaue nach dem Rechten, markiere Bäume, die geschlagen werden können, plane und pflege die Neuanpflanzungen“, erklärt er. Auch Schulklassen und Kindergartengruppen besuchen ihn hin und wieder, um sich den Wald zeigen und erklären zu lassen. Aber auch Bürotage gibt es für den Förster. Dann organisiert er den Verkauf des Holzes, erstellt Listen und sucht geeignete Kunden.

Aber auch in seiner Freizeit ist der gebürtige Baden-Württemberger gern im Wald unterwegs, geht Wandern oder Pilze suchen. Auch die Jagd gehört zu seinen Hobbys – und auch zum Beruf. „In Staatswäldern ist es auch meine Aufgabe, zu jagen. In Privatwäldern nicht“, erklärt er. Mit den heimischen Jägern und Jagdpächtern steht er jedoch in engem Kontakt.

Seit Juli vergangenen Jahres betraut er als Revierleiter ein Gebiet von etwa 2200 Hektar. Auf die Stelle in Werdohl, weit weg von seiner Heimat Spaichingen, hat er sich gezielt beworben. „Ich kannte das Sauerland schon ein bisschen und es hat mir hier landschaftlich gefallen“, sagt er. „Hier im Mittelgebirge habe ich mich schnell wohl gefühlt. Im Ruhrpott hätte ich schon mehr Eingewöhnungsprobleme gehabt.“

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