Rettung auf vier Beinen

Hundestaffel MK: Suche nach Vermissten mit modernster Technik

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Hund Oskar, hier mit Maria Stumpf, kann problemlos mit der Drohne zusammenarbeiten und fühlt sich durch die lauten Fluggeräusche, die ein bisschen an eine Wespe erinnern, nicht gestört.

Werdohl/Märkischer Kreis – Hund und Drohne arbeiten bei der Rettungshundestaffel Märkisches Sauerland eng zusammen. Das Ziel: Schneller nach Vermissten suchen. Wir waren bei einer Übung dabei.

Sonntagnachmittag auf einer großen Wiese im Märkischen Kreis. Eine Person wird vermisst, so das Übungsszenario an diesem Tag. Doch weit und breit ist niemand zu erkennen. Hohes Gras, Büsche, kleinere Hügel. Das ganze Feld zu Fuß abzusuchen, würde lange dauern. Im Ernstfall vielleicht sogar zu lange. Jede Minute ist entscheidend. Für solche Einsätze hat die Rettungshundestaffel fünf Hunde trainiert. 

Einer von ihnen ist Rettungshund Oskar. Der Flächenhund zeigt jeden lebenden Menschen an. Mit seiner empfindlichen Nase kann er deutlich schneller arbeiten als Menschenketten, die durch das Gelände streifen, erklärt Nicole Stumpf, Vorsitzende der Rettungshundestaffel. In Zahlen: „Gut 60 000 Quadratmeter kann ein Hund pro Stunde absuchen.“ Das ist eine Fläche größer als acht Standard-Fußballfelder (68 mal 105 Meter). Zur Suche losgezogen ist Oskar bei der Übung am Sonntag zusammen mit Maria Stumpf, die gerade zur Hundeführerin ausgebildet wird. 

Große Flächen können jetzt noch schneller abgesucht werden

Mit einer frisch angeschafften Drohne kann die Rettungshundestaffel große freie Flächen ab sofort noch schneller und einfacher nach Vermissten scannen. Die Provinzial-Geschäftsstelle Henke & Kober aus Werdohl spendierte die passende Versicherung, damit das Gerät auch eingesetzt werden kann. 

Auf den ersten Blick sieht der fliegende Helfer aus wie eine normale Drohne vom Hersteller DJI. Bei genauerem Hinsehen fallen jedoch die Besonderheiten auf. Oben lassen sich wahlweise Kollisionswarnlicht, Suchscheinwerfer oder Lautsprecher anbringen. Neben der normalen Sichtkamera befindet sich eine Wärmebildkamera. 

Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h

Vier Propeller lassen die Drohne auch bei Wind stabil in der Luft schweben, die dank GPS-Koordinaten ihre Position hält. Gut 30 Minuten am Stück kann mit einer Akku-Ladung gesucht werden. „Wir haben aktuell drei Akkus“, sagt Lutz Janikowski, der im Verein für die Drohne zuständig ist. Die Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h im Sportmodus wird dabei allerdings nicht ausgereizt. 

Das Bild der Drohne wird nicht nur auf den Bildschirm der Fernbedienung übertragen, sondern zusätzlich auch auf einen kleinen Fernseher, auf dem sich das Material der Wärmebildkamera besser erkennen lässt.

Nach kurzer Vorbereitung geht es auch schon los, um Hund Oskar aus der Luft zu unterstützen. In Sekundenschnelle ist die Drohne auf Höhe. Auf dem Display der Fernbedienung kann Drohnenpilot Janikowski erkennen, wie hoch das Gerät fliegt und wie weit es vom Startpunkt entfernt ist. 

Das Suchen ist Teamarbeit

Dazu ist das Bild der Wärmebild-Kamera zu sehen. Kühlere Bereiche werden in Blautönen angezeigt, wärmere in in den Farben Orange, Gelb, Rot. Das Bild wird auch auf einen kleinen Fernseher übertragen, der über einen Generator mit Strom versorgt wird. Konzentriert beobachtet Drohnenpilot Alexander Grewe hier das Livebild. Das Suchen ist Teamarbeit. 

Nach knapp zwei Minuten sagt Grewe „Hier!“ und zeigt auf einen roten Punkt auf dem Bildschirm. Die Drohne ist mittlerweile nicht mehr zu hören und kaum noch zu erkennen. Um sicherzugehen, setzt Janikowski auf dem Bildschirm einen Marker, womit er sich die Temperatur für einen bestimmten Bereich anzeigen lassen kann. 30 Grad, heißt es. Ein lebendes Objekt. Die Suche ist beendet. Der vierbeinige Kollege hat diesmal das Nachsehen. 

Hund Oskar lässt sich von der Drohne nicht stören

Von der Drohne lässt sich Hund Oskar übrigens nicht stören. Beim Foto zusammen mit Maria Stumpf lächeln beide gut gelaunt in die Kamera – während die Drohne über ihnen schwebt. 

Jeder, der sich schon mal mit dem Thema befasst hat, weiß: Die Regeln für Drohnen sind strikt. Nicht über Privatgelände fliegen, nicht außer Sichtweite, nicht höher als 100 Meter, nicht über Menschenansammlungen, nicht in der Nähe von Flugplätzen – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Für die Rettungshundestaffel gelten im Einsatz nicht alle dieser Regeln. Bei „Gefahr im Verzug“ darf zum Beispiel höher und weiter geflogen werden, so Janikowski. Auch muss vorher keine Erlaubnis von Grundstückseigentümern eingeholt werden. Flüge unmittelbar am Flughafen müssen natürlich auch hier abgesprochen werden, um eine Behinderung des Flugverkehrs auszuschließen. 

Speziellen Kurs in Baden-Württemberg besucht

Vier Mitglieder der Rettungshundestaffel haben einen speziellen Drohnen-Kurs in Mosbach (Baden-Württemberg) besucht, der vom Dachverband Modellflug organisiert wurde. Hier haben sie die rechtlichen Grundlagen für das Fliegen gelernt. Die Praxis wird regelmäßig in der Region trainiert – so wie jüngst am Sonntag. 

Neben der normalen Sichtkamera – wie bei normalen Drohnen – befindet sich eine Wärmebildkamera. Ein Gimbal gleicht die Bewegungen der Drohne aus, um ein wackelfreies Bild zu liefern.

Neben Oskar sind bei der Rettungshundestaffel noch vier weitere geprüfte Flächenhunde im Einsatz, die alle Vereinsmitgliedern gehören und ein umfangreiches Training hinter sich haben. „Die Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre“, erklärt Nicole Stumpf. Zwei mal die Woche werden die Tiere trainiert, die dann jeden lebenden Menschen anzeigen. Mit zehn Jahren haben sie ihr Rentenalter erreicht und werden nicht mehr eingesetzt. 

Flächenhunde sind keine Mantrailer

Flächenhunde sind zu unterscheiden von sogenannten Mantrailern, die einen bestimmten Menschen suchen können. Hierfür benötigt der Hundeführer einen sehr persönlichen Geruchsgegenstand – wie zum Beispiel Einlegesohlen von Schuhen, so die Vorsitzende. 

Bei der Übung dabei sind an diesem Nachmittag auch Mario Pace und Özge Atalay, beide Kundenberater von der Werdohler Provinzial-Geschäftsstelle Henke & Kober, die der Rettungshundestaffel die Drohnen-Haftpflicht-Versicherung spendet. „Damit werden Personen-, Sach- und Vermögensschäden abgedeckt“, erklärt Pace. 

Einsätze im gesamten Kreisgebiet

Die Rettungshundestaffel ist im kompletten Märkischen Kreis und Hagen im Einsatz – manchmal geht es auch über die Grenzen hinaus. Zuletzt haben die Mitglieder beispielsweise eine Suche in Düsseldorf unterstützt. Wie oft die Staffel im Jahr ausrücken muss, variiere. 

„Wir arbeiten ehrenamtlich. Der Verein lebt von Spendengeldern“, erklärt die Vorsitzende. Spenden hätten in den Corona-Monaten nachgelassen. Mit der Drohne will die Gruppe auch auf Landwirte zugehen und vor dem Mähen Felder nach Rehkitzen absuchen, um schreckliche Mähunfälle zu vermeiden. Auch wollen die Mitglieder damit mehr in die Öffentlichkeit treten. Stumpf: „Viele wissen nicht, dass es uns gibt und was wir machen.“

Landwirte können sich bei dem Verein gerne melden (www.rhs-maerkisches-sauerland.de).

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