Rettung in 100 Metern Höhe

Hochkonzentriert sichern sich diese beiden Kletterer gegenseitig. Da muss jeder Handgriff sitzen.

WERDOHL ▪ „Der Kühlturm ist ja nur 80 Meter hoch“, erklärte Thomas Nickel, Geschäftsführer der Firma Ropemen, ein Fachbetrieb für Seiltechnik und Arbeitssicherheit aus Reichhof bei Gummersbach. Deshalb kletterten er und seine neun Mitstreiter am Samstagmittag auch auf das Kesselhaus E 4 am Kraftwerk in Elverlingsen. Das misst immerhin 108 Meter. Von Michael Koll

20 bis 25 Minuten brauchten die Seilzugangstechniker, die nicht gerne als „Industriekletterer“ bezeichnet werden, um sich vom Boden bis aufs Dach zu kämpfen. Für die ausgebildeten Fachleute war das kein Abenteuer, sondern schlicht eine Übungseinheit. „Wir wollen einfach ein Gefühl für die Höhe vermitteln“, erläuterte Nickel. Die anderen Teilnehmer der samstäglichen Einheit haben jüngst bei Nickel ihre Ausbildung abgeschlossen.

„Am Morgen habe ich ihren Gesichtern angeschen, dass dem ein oder anderen schon der Stift ging“, blickte Nickel am Mittag zurück. Doch schnell war alle Nervoseität abgelegt. Und das war ja auch der Sinn der Erfahrung. „Wir verdienen unser Geld zwar zumeist in einer Höhe von zehn bis 15 Metern, doch der Florian im Dortmunder Westfalenpark etwa hat unterhalb des Restaurants schon 130 Meter.“

Rund 4500 zertifizierte Höhenarbeiter gibt es in Deutschland. Und die sind wegen ihrer guten Ausbildung gefragt. Nickel selbst arbeitet etwa weltweit. „Fugensanierungen, Objektbegutachtungen, Kesselreinigungen, Glasreinigungen, Installationen an Mobilfunktürmen sowie Arbeiten auf Ölplattformen und Windkraftanlagen“, zählt Nickel mögliche Einsatzmöglichkeiten auf.

Auch Rettungsaktionen gehören dazu. Deshalb trainierten die Berufseinsteiger am Elverlingser Kesselhaus auch, wie es sich anfühlt, mit zwei Personen an einem Seil zu hängen.

Das Werdohler Unternehmen profitierte davon: Carsten Zöllner, Mark-E-Sicherheitsfachkraft, freute sich, dass die Fassadenkletterer 13 Stellen am Gebäude fanden, an denen die Fassade drohte abzuplatzen. „Haut sie ab, bevor sie einem Passanten auf den Kopf fällt“, forderte er den Besuch aus Gummsersbach auf.

Dabei hatte er enormen Respekt vor der Leistung der Seilzugangstechniker: „Das, was die hier machen, ist mörderisch. Alleine, wenn ich bedenke, dass das Abseilgerät 50 Grad heiß wird auf der Tour bis zum Dach.“ Dazu kommt noch, dass die Ausrüstung, die die Fachleute am Leibe tragen, rund zwölf Kilogramm wiegt. Sie hat einen Wert von etwa 1400 Euro.

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