Weihnachtsgänse - Respekt vor dem Zaun

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Alles andere als scheu vor der Kamera sind die Puten von Christian Crone. Damit sie nicht frieren, versammeln sie sich zum Gruppenfoto vor dem Heizstrahler im Stall.

Werdohl - „Namen kriegen sie erst, wenn sie bestellt sind – die der Käufer“, sagt Landwirt Christian Crone und lacht. „Klar, ich baue eine Bindung zu meinen Gänsen auf, aber wenn ich ihnen Namen geben würde, käme ich doch nur damit durcheinander.“

Am Sonntag werden die Gänse nun geschlachtet. Das macht Crone selbst. „Das Schlachten ist eine ganz normale Ernte für mich – wie beim Getreide auch.“ Sein Geflügel ist für dieses Jahr allerdings bereits ausverkauft: „Alle sind schon für die Abholung am Montag oder Dienstag vorbestellt“, freut sich der Landwirt über seine Stammkunden, die aus dem Kreis, dem Ruhrgebiet und sogar dem Siegerland kommen.

250 Gänse und zusätzlich 100 Puten wechseln dann den Besitzer und sorgen für ein schmackhaftes Festessen. „Hoffentlich“, sagt Crone, „denn gut zubereiten müssen die Leute sie schon selbst“. Die Gänse kosten pro Kilogramm übrigens 11,50 Euro, die Puten 8,50 Euro.

Im Mai sind die Gänse in Gütersloh geschlüpft. Von der Brüterei kommen sie als Eintagsküken – sogenannte Gösseln – dann zunächst zur Familie Gieseker nach Halver. Wenn sie acht Wochen alt sind und gerade anfangen, ein Federkleid zu entwickeln, übernimmt Crone.

„Bei uns haben sie dann tagsüber zweieinhalb Hektar Grünland zum Auslauf“, erläutert der Geflügel-Hüter. Sicher könnten sie auch fliegen „und morgens, wenn sie aus dem Stall kommen, dann gehen sie auch allesamt hoch – bis zu sieben Meter“. Abhauen würden die Tiere von seinem Hof allerdings nicht. „Die haben alle Respekt vor dem Zaun, auch wenn der gar keine sieben Meter hoch ist“, sagt Crone und freut sich, ein offenbar beliebter Gänse-Papa zu sein.

„Das sind Wassertiere, die mögen dieses regnerische Wetter im Moment ganz besonders.“ Anders sei es bei den Puten: Die seien deshalb auch nicht nur nachts im Stall, sondern 24 Stunden am Tag. Der Stall bietet Schutz vor Fuchs und Marder. Ob Puten oder Gänse: Beide erhalten in ihrem Stall täglich ein frisches Strohbett. „Das nutzen sie als Beschäftigung und knabbern daran herum.“

Arzneimittel würden dem Geflügel grundsätzlich nicht verabreicht, versichert Crone. Die gefiederten Tiere hätten es gut bei ihm. „Sowohl draußen auf der Wiese als auch im Stall haben sie genug Platz, um sich Rückzugsgebiete zu schaffen.“ Seine Gänse bildeten immer wieder kleinere Gruppen, hat er beobachtet. Und diese wollten auch schon einmal Ruhe vor dem Rest haben. „Sie haben bei mir bis zu ihrem Tod ein harmonisches Leben“, hebt Crone hervor. „Das merkt man hinterher an der Fleischqualität und am Geschmack.“

Gefüttert wird das Geflügel mit Getreide: Hafer und Weizen. Die Tröge der Gänse werden morgens, sobald sie bei Anbruch des Tageslichts auf die Wiese kommen, stets frisch befüllt. Wenn sie dann abends bei Einbruch der Dunkelheit zurückkommen, steht ihr Abendessen also schon bereit.

Gans isst Crone selbst übrigens „erst Ende Januar oder zu Ostern“. An Heiligabend habe bei ihm irischer Lachs Tradition. „Den besorgen mir Bekannte mit guten Verbindungen nach Irland“, lässt sich der Landwirt kurz in die Karten schauen.

Von Michael Koll

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