Reparatur an der Glocke der Christuskirche

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Glockenmonteur Hubert Kossmann sitzt rittlings auf der Aufhängung der großen Glocke namens „Hoffnung“ in der Werdohler Christuskirche und arbeitet mit großem Werkzeug.

Werdohl - Ziemlich unorthodox schlugen am Montag die Glocken der Christuskirche. Der Klöppel der größten Glocke namens „Hoffnung“ wurde nach einer Reparatur wieder eingebaut. Das Fachunternehmen musste deshalb mehrfach zur Probe läuten. Zudem waren die Dachdecker außen am Kirchturm beschäftigt.

Ganz schön viel los rund um die Kirche an einem Montagmorgen in den Herbstferien. Für Hubert Kossmann und Ruben Schneider von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker aus Sinn in der Nähe von Herborn war das keine so große Sache. Die beiden Männer sind bei einem Unternehmen beschäftigt, das schon seit 500 Jahren Glocken herstellt. Neue Glocken werden heute kaum noch in Auftrag gegeben, ihr Geld verdient die Firma hauptsächlich mit Wartungs- und Reparaturarbeiten. Das war auch am Montag in Werdohl der Fall.

Jedes Jahr müssen die drei Glocken namens „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ gewartet werden. Dabei war aufgefallen, dass der Klöppel der größten Glocke nicht mehr ganz in Ordnung war und in die Werkstatt musste. Vor zwei Wochen war das 63 Kilogramm schwere Teil ausgebaut worden, nach der Reparatur kam es gestern wieder an Ort und Stelle. Die drei Glocken der Christuskirche sind aus Stahl. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden alle Bronzeglocken eingeschmolzen, das Metall brauchte man für den Krieg. „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ wurden vor knapp 100 Jahren aus minderwertigem Stahl gefertigt, das bessere Material wurde natürlich auch für die Rüstung gebraucht. Die Glocken haben erkennbare Löcher, was aber der Betriebssicherheit nicht schadet.

Dachdecker reparieren Schieferplatten am Kirchturm.

Auch die Klöppel bestehen aus Stahl. „Stahl auf Stahl klingt nicht“, weiß Glockenmonteur Hubert Kossmann, der selbst neun Jahr lang auch Glocken gegossen hat. Damit die Glocke aber doch einen schönen Ton bekommt, sind die Anschläge am Klöppel aus Bronze. Die Fixierungen der Bronzeteile am Klöppel war nicht mehr einwandfrei, und damit kein Unglück beim Glockenläuten geschieht, musste der Klöppel repariert werden. Die beiden Männer schleppten am Montag das etwas mehr als 60 Kilo schwere Metallteil die vielen steilen Treppen bis hoch hinauf in den gut 50 Meter hohen Kirchturm. Mit Gegengewicht bringt der Klöppel gute 120 Kilo auf die Waage, da ist schon kräftiges Zupacken nötig.

Hubert Kossmann und Ruben Schneider von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker mit dem reparierten Klöppel. Nur die Anschlagstellen an der Stahlkugel unten sind aus Bronze.

Der Arbeitsplatz der beiden Glockenmonteure ist reichlich luftig, aber beengt. Den beiden Männern macht es nichts, sie sind es gewohnt. Behende turnt Kossmann auf der Glockenaufhängung herum. Auch das Werkzeug ist nicht alltäglich: „Ich brauche den 57er Schlüssel.“ Alle halbe Stunde müssen sich die Männer die Ohren zu halten, „Liebe“ schlägt alle 30 Minuten ein Mal. „Auch wenn man es weiß, erschrickt man sich jedes Mal“, so Kossmann. Zur vollen Stunde gibt es dann je nach Tageszeit ein längeres Glockenkonzert. Nach einiger Zeit war der Klöppel eingepasst, mit Hilfe der kleinen Steuerung unten in der Kirche wurde zur Probe geläutet. Der Klang von „Hoffnung“ ist wieder hergestellt, die Glockenmonteure sind zufrieden. Kossmann: „Ich finde den Klang von Bronzeglocken sehr viel schöner. Ich kann den Unterschied hören.“

Während drinnen die beiden Männer ihrem sehr speziellen Handwerk nachgehen, sind draußen am Kirchturm die Akrobaten am Werk. Der Autokran von Kempmann aus Lüdenscheid hat Dachdecker der Firma Zenker aus Neuenrade in 50 Meter Höhe gezogen, weil ein Teil der Schiefereindeckung am Turm Schaden genommen hat. Auch an der Dachrinne mussten Arbeiten erledigt werden.

Küster-Ehepaar Regina und Ralf Reininghaus kennen diesen Aufwand schon aus 2007. Damals musste ein Sturmschaden am Turm beseitigt werden. Anders als mit dem riesigen Kran lassen sich solche Arbeiten in der Höhe nicht bewerkstelligen. Ein Gerüst wäre noch viel teurer, außerdem brauchen die Arbeiten nur einen Tag. Glocken- und Dacharbeiten wurden aus logistischen Gründen auf einen Tag gelegt, hatten aber nichts direkt miteinander zu tun. - Von Volker Heyn

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