Kletterwelt Sauerland: Millionen-Kredit drückt

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René Brehm hat im Dezember 2016 seine Kletterwelt Sauerland auf Rosmart eröffnet. Der 36-jährige Unternehmer nahm einen großen Kredit auf, um seinen Lebenstraum zu erfüllen. Die Halle ist seit knapp drei Wochen geschlossen, Brehm hat seitdem keinerlei Einkünfte mehr.

Werdohl/Altena – „Ich habe mir mit der Kletterwelt einen beruflichen Lebenstraum erfüllt und dafür einen siebenstelligen Kredit aufgenommen. Jetzt hänge ich seit knapp drei Wochen in der Luft.“ René Brehm ist Inhaber der Kletterwelt Sauerland auf Rosmart, wie viele andere auch musste er am 16. März schließen. Seitdem hat er faktisch keine Einnahmen mehr, aber die Raten für den Kredit werden trotzdem weiter abgebucht. Der 36-jährige Betriebswirt kämpft um seine Existenz.

Ende 2016 konnte er nach einigen Schwierigkeiten beim Bau seine Kletterwelt mit Boulderhalle und Bistro eröffnen. Er fungiert als geschäftsführender Gesellschafter und beschäftigt zwei Vollzeitkräfte, darunter den stellvertretenden Geschäftsführer und eine Kursleiterin. Ob er für die beiden Kurzarbeit anmelden kann, hat er noch nicht in Erfahrung bringen können. Brehm beschäftigt auch noch eine Auszubildende. Für die Minijobber hat er keine Arbeit mehr.

„Ich telefoniere jeden Tag einen Handy-Akku leer“, berichtet Brehm von seinen Bemühungen, finanziell über die Runden zu kommen. Er wohnt in Wiblingwerde zur Miete, zehn Autominuten von der Kletterwelt entfernt. Brehm tauscht sich mit anderen Kletterhallen-Besitzern und Inhabern von Fitnessstudios aus, die in ähnlicher Lage sind wie er. Während andere allerdings ihre Objekte ausfinanziert haben oder mit Vermietern über Miete verhandeln können, ist er noch am Anfang seiner Finanzierungsphase. Seine Hausbank ist die Volksbank, das Darlehen als Unternehmensgründer wird auch von der KFW und der NRW-Bürgschaftsbank getragen. Lösungen zeichneten sich bis jetzt nicht ab.

Banken von der Situation überrascht

Brehm weiß auch, dass seine Geschäftspartner von der Situation überrascht wurden und nicht so schnell reagieren können, wie es die Branche gerne hätte und dringend brauche. Noch würden für die Banken die üblichen Vorschriften der Kreditvergabe gelten, so hat er es in Erfahrung gebracht: „Das dauert bestimmt noch Wochen, bis das geklärt ist.“

Brehm spricht dabei von einer Bottom-Down-Kommunikation: „Es geht nur von oben nach unten. Bis ich von dort verlässliche Informationen bekomme, wurschteln wir uns so durch.“

Zwar boome die Freizeitindustrie, Klettern und Bouldern sei aufstrebend und wachsend interessant, sogar bald olympisch. Reich werden könne man mit dem Betrieb einer Kletterhalle jedenfalls nicht, höchstens die großen DAV-Kletteranlagen rund um München würden vielleicht Gewinne abwerfen.

Zwei trockene Sommer schlecht fürs Geschäft

Zudem habe er zwei trockene und lange Sommer aushalten müssen. Viele Kletterer kommen bei schönem Wetter nicht so oft in die Halle, sondern betreiben draußen Sport. Das würden auch die Hersteller von Klettersportartikeln deutlich merken: Beispielsweise habe der italienische Schuhhersteller La Sportiva diese beiden Sommer bedeutend schlechter verkauft als sonst.

In den gut drei Jahren des Bestehens habe er keine Rücklagen bilden können, sondern immer wieder in die Halle investiert. Immerhin seien die Auftragsbücher für Veranstaltungen und Events bis Ende April voll gewesen. Das Team von der Kletterwelt habe sich überregional einen Namen in Sachen Klettersport und Bouldern gemacht, sie alle hätten sehr gute Arbeit gemacht.

Gutscheine helfen nicht wirklich

„Ich stecke viel Idealismus in die Halle, wie viele andere auch rutsche ich aber von Monat zu Monat“, lässt er durchblicken, wie schwierig die Gründerzeiten sind: „Ich bin ja immer noch ein Start-up-Unternehmen.“ Auch die Aufforderung, Zehnerkarten auf Vorrat zu kaufen, helfe ihm nicht wirklich weiter. Am Ende fehle ihm das Geld so oder so: „Doppelt klettern geht ja keiner, die Zeit der Schließung ist durch nichts aufzuholen.“

„Wir brauchen dringend Geld, so einfach ist das“, bringt es Brehm auf den Punkt. Wie er es allerdings vom Staat oder von den Banken bekommen soll, weiß er nicht.

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