Remondis nimmt Versuchsanlage zum Phosphor-Recycling in Betrieb

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Im Beisein von rund 100 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft hat Remondis gestern in Elverlingsen eine Versuchsanlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche in Betrieb genommen.

Werdohl - Das Recycling-Unternehmen Remondis hat am Montag auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Elverlingsen eine Versuchsanlage zur Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlammasche offiziell in Betrieb genommen.

In einer nur 150 Quadratmeter großen Fabrikhalle steht die Anlage, mit der das Unternehmen testen will, wie sich auch aus der Asche des in Elverlingsen verbrannten Klärschlamms noch wertvolle Rohstoffe gewinnen lassen. 

Phosphor ist der Stoff, der für alle Lebewesen essenziell wichtig ist und der bei Aufbau und Funktion der Organismen in zentralen Bereichen beteiligt ist. Doch die Phosphor-Vorkommen auf der Erde sind begrenzt, in Deutschland kommt das Element überhaupt nicht vor. Dabei ließe sich etwa die Hälfte des deutschen Phosphor-Bedarfs aus dem Abwasser decken, bezifferte Ralf Czarnecki, Geschäftsführer von Remondis Aqua Stoffstrom, am Montag vor geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft das Recyclingpotenzial. 

Das Recycling ist also schon aus rein wirtschaftlichen Überlegungen geboten. Gesetzlich vorgeschrieben ist es noch nicht, das soll erst 2029 kommen. 

Auf natürlichem Weg ins Abwasser

Phosphor kommt auf natürlichem Weg ins Abwasser: Als Nährstoff wird es von Pflanzen aufgenommen, die wiederum von Mensch und Tier gegessen werden. Die wiederum scheiden den größten Teil des Phosphors wieder aus, sodass das Element im Abwasser und nach dessen Behandlung in Kläranlagen im Klärschlamm landet. 

Remondis-Prokurist Andreas Rak zeigt, dass aus der Klärschlammasche auch Gips gewonnen wird. Während des Recyclingprozesses läuft die weiße Masse vom Band. 

Remondis hat bereits 2013 ein Verfahren entwickelt, mit dem Phosphorsäure, der Rohstoff zur Herstellung fast aller Phosphate sowie zur Produktion von Dünge- und Futtermitteln, kostengünstig und im industriellen Maßstab aus der Asche von verbranntem Klärschlamm gewonnen werden kann. Das Verfahren wurde von Chemikern in Forschungslaboren entwickelt und vor zwei Jahren mit dem GreenTec Award ausgezeichnet, Europas größtem Nachhaltigkeitspreis. In Hamburg hat Remondis nach zweijähriger Pilotphase in diesem Jahr bereits zusammen mit dem dortigen Trinkwasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsunternehmen eine Gesellschaft gegründet. Eine großtechnische Anlage zur Phosphor-Rückgewinnung soll ab 2019 gebaut werden, 2020 in Betrieb gehen und dann aus jährlich 20.000 Tonnen Klärschlammasche etwa 7000 Tonnen hochreine Phosphorsäure zurückgewinnen. 

Jährlich 180.000 Tonnen Klärschlamm

Die Wirbelschichtfeuerungsanlage Elverlingsen (WFA), ein gemeinsames Tochterunternehmen von Ruhrverband und Mark-E, verbrennt jährlich etwa 180.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm. Nach dem von Remondis entwickelten Verfahren könnten daraus etwa 10.000 Tonnen Phosphorsäure gewonnen werden. 

In der Pilotanlage in Elverlingsen soll das patentierte Verfahren nun unter idealen Bedingungen weiter optimiert werden. Mit verschiedenen chemischen Prozessen wird die Phosphorsäure aus der Klärschlammasche gelöst. Dabei entstehen auch noch weitere Sekundärrohstoffe, beispielsweise Gips für die Baustoffindustrie und Metallsalze, die als Fällungsmittel zur Abwasserreinigung und zur Phosphorelimination in Kläranlagen eingesetzt werden. Was dann noch von der Asche übrig bleibt, ist Sand, der in der Baustoffindustrie eingesetzt werden kann. „Mit dieser Pilotanlage tragen wir aktiv zur Schonung natürlicher Ressourcen und zur Reduzierung der Umweltbelastung bei“, sagte Czarnecki. 

Lüner SPD-Bundestagesabgeordnete Michael Thews

Der Lüner SPD-Bundestagesabgeordnete Michael Thews, stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, fand anerkennende Worte für die Remondis-Entwicklung. „Wir brauchen geschlossene Kreisläufe und müssen solche Entwicklungen deshalb voranbringen“, betonte er, dass der Rückgewinnung von Rohstoffen in Zukunft eine noch größere Bedeutung zukommen werde. Gerade im Hinblick auf die weltweit begrenzten Phosphorvorkommen gelte es dringend, zu überlegen, wie diese Ressourcen in den Kreislauf zurückgeführt werden können.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, aus 180.000 Tonnen Klärschlamm könnten 63.000 Tonnen Phosphorsäure gewonnen werden. Das war falsch und wurde inzwischen korrigiert.

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