Coronavirus

Reisende sind in Sorge: Erste Stornierungen

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Soldaten der südkoreanischen Armee versprühen auf dem internationalen Flughafen Daegu Desinfektionsmittel, um eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern.

Werdohl – Während etliche Supermärkte und Discounter in den vergangenen Tagen regelrecht leergekauft wurden, ebbt in anderen Geschäften die Nachfrage ab.

So zum Beispiel im Werdohler Reisebüro ReiseClub. Geschäftsführer Lutz Hoffmann stellt fest: „Es ist ruhig geworden – zu ruhig.“ 

Viele Kunden mit Reisewünschen gebe es aktuell nicht. Stattdessen: Stornierungen. „Zwei Kunden haben ihre Italienreisen abgesagt.“ Außerhalb Asiens ist Italien seit dem 20. Februar das Land mit den meisten bestätigten Corona-Infektionen. 

Ängste werden ernst genommen

„Machen wir uns nichts vor: Die Infektionszahlen werden in den kommenden Wochen wahrscheinlich weiter explodieren“, prognostiziert Hoffmann. Er selbst lässt sich davon nicht verrückt machen: „Sachen, die ich nicht aktiv ändern kann, belasten mich recht wenig.“ Auf Kleinigkeiten wie regelmäßiges Händewaschen oder -desinfizieren, achte er im Alltag aber schon. „Das mache ich im Winter allerdings immer so.“ Was dem Geschäftsführer in der Debatte um Corona fehlt, ist die Relation zur normalen Grippe. „Ich gaube, wenn wir die Zahlen von Corona in einem Jahr mit denen einer starken Grippewelle vergleichen, werden die relativ ähnlich aussehen.“ 

Verständnis für die Reiseabsagen hat der Reise-Club Geschäftsführer aber. Sehr sogar: „Kundenanliegen nehme ich generell immer ernst. Wenn es dabei aber um die Angst geht, irgendwo hinzureisen, noch viel mehr. Denn Angst ist eine Emotion, die man nicht steuern kann.“ Hoffmann und seine Mitarbeiter im Reisebüro beraten die Kunden daher über ihre Möglichkeiten. Schade sei die aktuelle Entwicklung bei der Reisenachfrage natürlich aus wirtschaftlicher Sicht. 

Reisen nach Dubai und in die Türkei

Im Reisebüro Kardes gibt es indes noch keine Kunden, die ihre Reise wegen des Corona-Virus absagen. Das liege daran, dass zuletzt viele Reisen nach Dubai und in die Türkei verkauft wurden, wo die Zahl der Infektionen noch sehr gering ist. Der Zulauf an Kundschaft in der Filiale an der Bahnhofstraße habe aber auch kaum nachgelassen. „Nicht viel, aber ein bisschen weniger Kunden sind es schon“, sagt Mitarbeiterin Canan Özer. Sie beobachtet die Entwicklungen rund um Corona relativ gelassen: „Ich finde es nicht so schlimm. Das ist ja ähnlich wie eine normale Grippe.“ 

Verstehen kann sie vorsichtiges Handeln aber bei älteren Menschen und auch jungen Eltern, denn Babys und vor allem Senioren seien für das Virus anfälliger als Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters. 

Viel Beratungsbedarf

Aus dem Lennetaler Reisebüro heißt es, dass sich die Stornierungen noch in Grenzen hielten. Allerdings würden viele Kunden anrufen und sich erkundigen, wie sie am besten mit der Situation umgehen sollen – und ob ein Reiserücktritt versichert wäre. 

Mehr Arbeit bedeute die Ausbreitung des Coronavirus auf jeden Fall für die Mitarbeiter des Reisebüros. Sie erhalten regelmäßig neue Infos, stehen in Kontakt zu den Reiseveranstaltern und prüfen Empfehlungen sowie Risikoeinstufungen des Auswärtigen Amtes. Zuletzt habe der Veranstalter Aida mehrere seiner Kreuzfahrtrouten abgesagt. 

Verständnis für die Erkundigungen der Kunden habe man „natürlich“: „Wenn ich eine Reise gebucht hätte, bei der jetzt nicht klar ist, ob sie stattfinden kann, würde ich auch wissen wollen, ob ich mein Geld zurückerhalte“, sagt eine Mitarbeiterin.

Ob eine Reisestornierung etwas kostet, hängt von dem Beweggrund ab. Möchte ein Kunde von seiner Reise zurücktreten, weil er subjektiv Angst hat, sich im Reiseland mit dem Coronavirus zu infizieren, muss er die Stornierungskosten selbst tragen. Allerdings nur dann, wenn diese Angst rational unbegründet ist. Wurde das Reisegebiet hingegen vom Auswärtigen Amt zu einem Risikobereich erklärt, kann das anders aussehen und die Reiserücktrittsversicherung oder der Reiseveranstalter einspringen. In einigen Fällen gibt es außerdem Kulanzregelungen. Es ist daher ratsam, sich im Reisebüro beraten zu lassen. Zurückerstattet bekommen Kunden die Reisekosten hingegen, wenn Reiseveranstalter, Hotel oder Regierungen die Reise absagen bzw. einen Reisestopp verhängen. Dann handelt es sich nämlich um höhere Gewalt. In manchen Fällen können Kunden auch Teilleistungen zurückerstattet bekommen. Zum Beispiel dann, wenn sie am Reiseort in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder vorab gebuchte Besichtigungen und Veranstaltungen ausfallen.

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