Reiner Kröhnert nimmt die halbe CDU auf die Schippe

Den Zuschauern wurde am Sonntagabend im Kleinen Kulturforum einiges abverlangt – um den Humor von Reiner Kröhnert ganz aufnehmen zu können, war schon ein gewisses Hintergrundwissen erforderlich.

WERDOHL ▪ Eine illustre Gesellschaft gab sich am Sonntagabend ein Stelldichein im Kleinen Kulturforum. Kanzlerin Angela Merkel, Papst Benedikt, Michel Friedmann, die CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, Friedhelm Merz, Norbert Blüm, Peter Hintze und Ronald Pofalla traten vors Publikum – hätte sich nicht Reiner Kröhnert ihrer in einer Person angenommen, wäre es noch enger geworden im ausverkauften Haus.

So aber tat der Kabarettist aus Rheinland-Pfalz das, wofür er bekannt geworden ist: Er schlüpfte in die verschiedensten Rollen und ließ sie im Zwie- und Streitgespräch über „Das Jesus-Comeback“ schwadronieren.

Es ist schon eine etwas abstruse Geschichte, die Kröhnert als roten Faden durch sein Programm schlingt. Klaus Kinski steht als neuer Messias „Jesus Kinski“ wieder auf, was zum einen die CDU auf den Plan ruft, die den Erlöser zum Ehrenmitglied machen möchte, zum anderen aber auch Streitigkeiten um den wahren Heilsbringer und seine Vereinnahmung auslöst. Vor dem Hintergrund dieser absurden Rahmenhandlung führt Kröhnert die Politprominenz auf und vor und zeigt dabei, dass die Realität mitunter nicht weniger absurd ist.

Blitzschnell wechseln die Themen und Figuren. Während Hintze und Pofalla sich einen Dauer-Wettstreit ums beste Dienern und Buckeln liefern, Friedhelm Merz sein „Heilsbuch“ bewirbt und Michel Friedmann sich als besseren Messias empfiehlt, bekrittelt die „protestantische Physikerin“ Merkel den Papst, der unverdrossen um Nachsicht für Pius-Bruder Richard Williamson und seine Holocaust-Verleugnung bittet und Norbert Blüm seinen Jahrhundertsatz „Die Rente ist sicher“ propagiert. Auch der wiederauferstandene Erich Honecker – das von den Zweiflern eingeforderte Wunder – hat seinen Auftritt und erzählt nuschelnd von seinem Traum: Die Mauer ist gefallen und das FDJ-Mädel von einst Kanzlerin.

Nur wenige Utensilien braucht Kröhnert, um seine Protagonisten lebendig werden zu lassen: hier mal eine Perücke, da mal ein weißes Papstmützchen. Viel mehr kommt aus ihm selbst heraus – der Kabarettist hat seine „Pappenheimer“ genau studiert und versteht es, sie mit wenigen Gesten, prägnanter Sprache und akkuratem Tonfall zu charakterisieren.

Einiges wird da auch den Zuschauern abverlangt – Kröhnert liefert kein schenkelklopfendes Pointenprogramm ab. Hintergrundwissen schadet nicht, um dem schnellen Wechsel auf der Bühne und der ausgefeilten bildreichen Sprache folgen zu können, hinter der sich oft Bitterböses verbirgt. Das gilt vor allem für den Auftritt „Jesus Kinskis“, der am Ende zitternd und im heiligen Zorn gegen die Verlogenheit in der Welt polemisiert.

Dass Kröhnert nicht nur CDU kann, beweist er mit seinen Zugaben am Schluss, der zeigt: Die anderen, hier Gerhard Schröder und Daniel Cohn-Bendit, sind auch nicht besser.

Volker Heyn

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