Leiterinnen ziehen Bilanz

Regelbetrieb in den Kitas: So waren die ersten Wochen

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Im Garten der Kita Momo erleben die Kinder ein Stück Normalität: Sie können spielen oder sich richtig austoben.

Werdohl – „Ich bekomme jetzt viele Beschwerdebriefe“, sagt Vaia Nasta – und lächelt. Die Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Momo freut sich darüber, dass der Nachwuchs zum Beispiel Spielzeugwünsche bei ihr anmeldet oder sich über kleine Mängel im Mini-Fuhrpark der Kita beschwert.

„Denn diese Beschwerden zeigen, dass sich die Kinder einbringen möchten, dass sie es genießen, wenigstens in diesem Rahmen mitbestimmen zu dürfen.“ 

Die Gewissheit, das eigene Umfeld noch gestalten zu können, sei für die Mädchen und Jungen in den Zeiten der Corona-Pandemie von großer Bedeutung, unterstreicht Vaia Nasta. „Beteiligungsprojekte sind uns hier ganz wichtig. Denn auch für die Kinder hat sich seit März vieles verändert.“ 

Coronavirus in Werdohl: Offenes Konzept ist vorerst vom Tisch

Das offene Konzept ist in den städtischen Kindertageseinrichtungen vorerst vom Tisch – ansonsten müsste jeweils die komplette Einrichtung geschlossen werden, wenn sich ein Kind oder eine Betreuungsperson mit dem Corona-Virus infiziert haben sollte. Für die Kinder bedeutet das: Sie werden in festen Gruppen betreut, können Freunde in anderen Gruppen nicht mehr besuchen, und auch die räumlichen Möglichkeiten sind begrenzt: „Wenn ansonsten ein ganzer Bauraum zur Verfügung steht, ist das natürlich etwas anderes, als in der aktuellen Situation, wo der Bauteppich nur in einer Ecke ausgerollt werden kann“, stellt Nasta fest. 

Allerdings hätten sich sowohl die Kinder als auch das Team mit der Situation arrangiert. „Wir haben von allen Spiel- und Bastelsachen etwas auf jeden Gruppenraum verteilt, damit die Kinder verschiedene Möglichkeiten haben, um sich zu beschäftigen.“ 

Regelmäßige Gespräche sind wichtig

Von großer Bedeutung sind aus Sicht der Kita-Leiterin auch regelmäßige Gespräche mit den Kindern. „Sie wollen wissen, warum sich das Leben so verändert hat, und saugen alle Informationen regelrecht auf.“ In diesem Zusammenhang hat auch jedes Kind ein eigenes Corona-Portfolio nach einer Vorlage des Deutschen-Roten-Kreuzes erstellt. Vaia Nasta: „Wir staunen über das Verständnis der Kinder.“ 

Möhren, Radieschen und Tomaten wachsen in den Schlüssellochbeeten der Kita Gernegroß.

Davon ist auch Gernegroß-Leiterin Birgit Nörthemann beeindruckt: „Die Kinder wissen genau Bescheid und halten sich an alle Regeln. Wir haben den großen Garten geteilt – und jeder bleibt auf seiner Seite. Die Corona-Einschränkungen sind ein Stück Normalität geworden.“ Auch in der Einrichtung an der Schulstraße bemüht sich das Team darum, den Kindern neue Möglichkeiten zu bieten, damit sie sich entfalten können. „Wir haben jetzt Waldwochen eingeführt, und gehen mit den Kindern jeweils für eine Woche von etwa 9 bis 12 Uhr in den Wald“, erzählt Nörthemann. Jeweils in der ersten Woche eines Monats könnten zwei Gruppen getrennt voneinander diese Zeit unter freiem Himmel verbringen. „Das kommt richtig gut an“, stellt sie fest. 

Aufenthalt im Garten

Auch der Aufenthalt im Garten am Eggenpfad sei für die Mädchen und Jungen sehr wichtig: „Deshalb haben wir uns doch noch dazu entschieden, die Schlüssellochbeete mit Radieschen, Möhren und Tomaten zu bepflanzen.“ Ob das Gemüse, um das sich die Erzieherin Vivien Severin kümmert, im Herbst noch erntereif wird, ist nicht sicher. Fest steht aber, dass einige Kinder inzwischen ihre Leidenschaft für das Gärtnern entdeckt haben. 

Entwicklungen, wie die Waldwoche oder ein erweitertes Mitbestimmungsrecht der Kinder, sehen die Kita-Leiterinnen rundum positiv. „Und wir werden auch mit Blick auf interne, organisatorische Abläufe in die Zeit nach Corona einiges von dem mitnehmen, was wir uns jetzt erarbeitet haben“, stellt Birgit Nörthemann abschließend fest.

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