Reformationsjubiläum: Interview mit Pfarrer Martin Buschhaus

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Martin Buschhaus ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl. Er bezeichnet Martin Luthers Bibelübersetzung als bis heute unübertroffen. Dennoch sieht er Teile in der Theologie des Reformators auch kritisch.

Werdohl - Bereits am 31. Oktober 2016 hat das Reformationsjubiläum offiziell begonnen – gefeiert wird der 500. Jahrestag der Reformation.

Eine besondere Rolle nimmt dabei der Reformator Martin Luther ein. SV-Mitarbeiterin Dana Mester sprach mit Martin Buschhaus, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl, über die Rolle des Reformators, seine persönlichen Erwartungen an das Jubiläumsjahr und die Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche – vor allem in Werdohl. 

Das Reformationsjubiläum hat begonnen – im Mittelpunkt steht dabei der Reformator Martin Luther. Es wird sogar von einem Lutherjahr gesprochen. Warum die Fixierung auf diese Person? 

Natürlich gab es neben Luther noch weitere wichtige Vertreter der Reformation, zum Beispiel Johannes Calvin. Außerdem hatte Luther hilfreiche Mitarbeiter wie etwa Philipp Melanchthon. Trotzdem ist für den deutschsprachigen Protestantismus sicher Luther die entscheidende Persönlichkeit gewesen. Man muss da nur an seine Bibelübersetzung denken. Auch für Werdohl war das Vordringen der lutherischen Lehre ab den 70er-Jahren des 16. Jahrhunderts entscheidend, als die ganze Gemeinde unserer Stadt dadurch evangelisch wurde. Von einem ganzen Lutherjahr zu sprechen, das zudem bereits seit einer Dekade vorbereitet wird, halte ich allerdings für etwas übertrieben. Es gab schon so viele Lutherjubiläen. Zum Beispiel erinnere ich mich, dass 1983 während meines Studiums ganz groß Luthers 500. Geburtstag gefeiert wurde. 

Was bedeutet Martin Luther für Sie?

Martin Luthers wegweisende Erkenntnisse sind grundlegend für die Kirche, zu der ich gehöre. Persönlich fasziniert mich immer wieder seine Unerschrockenheit und Konsequenz; man darf ja nicht vergessen, dass er mehrmals kurz vor dem Scheiterhaufen stand. Dazu kommt seine geniale Bibelübersetzung, die bis heute unübertroffen ist. 

Was erhoffen Sie sich vom Reformationsjahr? Auf was freuen Sie sich besonders?

Luthers Kernfrage lautete: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“. Ich habe den Eindruck, dass die allermeisten der unzähligen Artikel, Verlautbarungen und Gestaltungsvorschläge nur in mehr oder weniger weiten Kreisen sich irgendwie um diese Frage drehen, aber nicht wirklich auf den Punkt kommen. Ich hoffe aber, dass uns genau das gelingt: Alte und Junge sollen wieder hören, was Gottes Gnade bedeutet und wie man in den Himmel kommen kann. 

Welche speziellen Veranstaltungen und Angebote wird es in Werdohl zum Reformationsjubiläum geben und was sind dabei Ihre persönlichen Höhepunkte?

In allen „normalen“ Veranstaltungen wird 2017 das Reformationsthema durchscheinen. Ich freue mich, dass wir darüber hinaus einige Besonderheiten in Planung haben: Einen Glaubenskurs im Februar zu den vier „Allein“ der lutherischen Theologie, eine Bachkantate am Pfingstmontag, ein Luthermusical mit Kindern im Juni, eine Luthernacht am 31. Oktober, vier Offene Abende im November mit einem abschließenden Konzert und vieles mehr.

Ist Martin Luther in Ihren Augen ein Vorbild? Gibt es Seiten an ihm, die Ihnen nicht gefallen? 

In mancher Hinsicht ist Luther für mich ein Vorbild, nicht nur als Theologe; schließlich begründete er ja auch das evangelische Pfarrhaus. Aber er war natürlich kein Heiliger. Auch in seiner Theologie gibt es Bereiche, die ich kritisch sehe, zum Beispiel seine Kritik am Judentum. 

Stichwort Ökumene. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Christen – speziell in Werdohl? 

Die Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Gemeinde in Werdohl funktioniert aus meiner Sicht sehr gut. Dabei muss man immer die menschliche Seite von der theologischen abheben. Denn an den Lehrunterschieden hat sich ja in 500 Jahren nichts geändert. Gleichwohl gibt es manche Schnittmengen, die wir zum Wohl unserer Stadt nutzen können und müssen. 

Wie stehen Sie zu der ökumenischen Bewegung und was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit sich Katholiken und Protestanten annähern? 

Ich halte es für sinnvoll, diese globale Perspektive von den Möglichkeiten vor Ort zu unterscheiden. Im Ökumenischen Rat der Kirchen ist ja die Katholische Kirche zum Beispiel gar kein Mitglied. Mir scheint, dass da vor allem die Orthodoxen Kirchen gar nicht an einer Annäherung wirklich interessiert sind. Aber bedenken wir auch mal, dass aus katholischer Sicht Luther immer noch im Bann ist und die Evangelische Kirche keinen Kirchenstatus hat, sondern nur eine christliche Gemeinschaft ist, auch der Ablass ist noch gültig. Ich persönlich würde es begrüßen, wenn wir statt dieser dogmatischen Differenzen uns viel mehr auf eine ethische Ökumene konzentrierten. Denn ethische Fragen brennen den Menschen auf den Nägeln, und da könnten wir gemeinsam wichtige Orientierungshilfen geben. 

Was würde Martin Luther den Menschen Ihrer Meinung nach heute mit auf den Weg geben? 

Ich glaube, dass Luther seiner Evangelischen Kirche dringend ins Gewissen reden würde: „Kehrt endlich wieder zurück zum Evangelium: allein Christus, allein die Schrift, allein die Gnade, allein der Glaube!“

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