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Rechte Bücher im Diskurs: So machen es Buchhändler und Bibliothekare

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Von: Ines Engelmann

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Hält ein Buch im Kampf gegen rechtes Gedankengut in den Händen: Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena zum Thema rechte Literatur.
Hält ein Buch im Kampf gegen rechtes Gedankengut in den Händen: Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena zum Thema rechte Literatur. © Ines Engelmann

Politische Meinungen können stark auseinander gehen. Dies führt immer wieder zu reichlich Diskussionen. Für Bibliothekare und Buchhändler im Lennetal ist es oft ein schmaler Grat zwischen Meinungsfreiheit und Menschenverachtung.

Werdohl – Mächtig Aufruhr hat es bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gegeben. Der politisch rechts zugeordnete Jung-Europa-Verlag erhielt einen zentralen Platz auf der Messe. Dies stieß auf so viel Unverständnis, dass einige Autoren ihre Lesungen absagten. Doch wie gehen Bibliotheken und Buchhandlungen im Lennetal mit dem Thema der rechten Literatur um? Wo liegt die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Menschenverachtung?

„Wir versuchen bei der Bücher-Auswahl die Meinungsfreiheit zu gewährleisten. Das ist aber manchmal eine schwierige Sache,“ sagt Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei Werdohl. Auch für Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena, sei es nicht immer leicht die Rechte anderer durch die Auswahl der rund 41 000 Medien in der Bücherei nicht zu sehr einzuschränken. Es sei zudem schwierig, einschätzen zu können, ob Leser sich mit den Inhalten rechter Bücher kritisch auseinander setzten. „Doch wir müssen auch bedenken, dass nicht alle, die solche Bücher ausleihen auch rechts sind.“ Um sicher zu gehen, dass mit politisch rechten Werken reflektierend umgegangen wird, ist in der Altenaer Bücherei beispielsweise die stark kritisierte Neuauflage „Mein Kampf“ von Adolf Hitler nur vor Ort und unter Aufsicht studierbar. In der Werdohler Bücherei ist dieses Buch überhaupt nicht erhältlich. „Wir haben sehr viel diskutiert, ob wir das Buch ausstellen sollen. Wir haben uns wegen des Inhalts dagegen entschieden“, erklärt Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei Werdohl. Zum Thema wollte sich Sandra Horny, Leiterin der Stadtbücherei und Zelius Neuenrade, nicht äußern. Für sie sei es Zeichen genug, dass die Bücherei in der Flüchtlingshilfe engagiert sei.

Rechte Bücher im Diskurs: So machen es Buchhändler und Bibliothekare

Babette Ossenberg von der Bücherei in Altena überprüft stichprobenartig, ob in der Kritik stehende Bücher häufig ausgeliehen werden. Bisher konnte die 53-Jährige aber keine Auffälligkeiten entdecken. Auch in der Werdohler und Plettenberger Bücherei werde darauf geachtet und Hinweisen nachgegangen.

Viele Bücher mit rechten Inhalten haben die Büchereien im Lennetal ohnehin nicht. Im Gegenteil. Babette Ossenberg: „Wir haben mehr Bücher über Vielfalt, wie zum Beispiel ‘Mein Kampf gegen rechts’ und ‘Gib mir mal die Hautfarbe’.“ Auch die öffentliche Bücherei Balve hat solche Bücher. „Vor allem die mehrsprachigen Bilderbücher kommen gut an“, sagt Steffi Friske, die Büchereileiterin in Balve. Es gebe aber noch mehr Beispiele für vielfältige Bücher in der Bücherei: Das Werk „Unter einem Dach: Ein Syrer und ein Deutscher erzählen“ von Amir Baitar und Henning Sußebach ist eines davon.

Ähnlich sieht es in der Werdohler Bücherei aus. Dort stehen unter anderem Bücher wie „Ein Araber und ein Deutscher müssen reden“ von Hans Rath und Hames Abdel-Sanad zur Verfügung, um sich mit dem Thema Religion und Verfolgung auseinander zu setzen.

Rechte Literatur unter Beobachtung: So arbeiten die Bibliotheken und Buchhandlungen

Doch nicht nur die Inhalte bieten Diskussionsbedarf: Auch die Autoren selbst werden hinterfragt. Denn es gibt durchaus Autoren wie Akif Pirinçci, die unpolitische Inhalte wie zum Beispiel vegane Kochbücher veröffentlicht haben, selbst aber der rechten Szene zuzuordnen sind. „In solchen Fällen prüfen wir die Bücher. Sehen wir keine Verschwörungstendenzen, dann behalten wir sie im Bestand“, sagt Babette Ossenberg. Diese Kochbücher sind auch in der Werdohler und Plettenberger Stadtbücherei erhältlich. Ausgeliehen würden sie aber mittlerweile kaum noch.

Ähnlich läuft es auch in den Buchhandlungen. Bei Katerlöh in Altena beispielsweise kommt es auch auf den Inhalt der Bücher an. „Mit rechten Büchern habe ich es hier selten zu tun. Diejenigen, die solche Literatur bevorzugen, bestellen sie meistens ohnehin im Internet“, sagt Gerlinde Fuhrmann, Inhaberin von Katerlöh. Damit spielt Gerlinde Fuhrmann darauf an, dass politische Werke im Internet schnell und anonym bei den Verlagen erwerbbar sind. In den Buchhandlungen und Büchereien seien solche Bücher die Ausnahme.

Grundsätzlich handhaben es alle angesprochenen Einrichtungen so, dass sie regelmäßig ihre Bestände auf kritische Inhalte überprüfen, Hierbei werden nicht nur rechte Bücher geprüft, sondern auch die der anderen politischen Richtungen. Zudem richten sich alle beim Einkauf nach Bestsellerlisten und Empfehlungen von erfahrungsgemäß seriösen Verlagsgruppen.

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