Realschulleiterin favorisiert eine pädagogische Übermittagsbetreuung

Schuldebatte: "Ganztagsbetreuung am Köstersberg nicht möglich"

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Das Raumangebot der Werdohler Realschule hat die Verwaltung in einer ausführlichen Vorlage dargestellt. Links im Bild der nicht genutzte Bangel-Bau, der aber in die Überlegungen mit einbezogen wurde.

Werdohl – Der Erfolg der Werdohler Realschule ist eng mit dem Schulstandort am Köstersberg in der Stadtmitte verknüpft. Diese Ansicht vertreten zumindest die kommissarische Schulleiterin Christiane Langs-Blöink und Konrektor Michael Stemski.

Erst kürzlich erklärte Langs-Blöink während eines Interviews mit unserer Redaktion: „Die Lage in der Mitte der Stadt gibt den Eltern das Gefühl, das Kind in der Nähe zu haben. Die Schule ist mittendrin, es gibt Nachbarn. Die Kinder werden gesehen und sind auch deshalb ein Stück weit behütet.“ 

Aber könnte die Realschule in den Gebäuden am Köstersberg bleiben, wenn sich die Kommunalpolitiker für deren Erhalt aussprechen würden und die Gesamtschule ausliefe? Oder müsste die dann vierzügige Realschule auf jeden Fall zum Riesei ziehen? Für Fachbereichsleiter Michael Grabs von der Verwaltung liegt die Antwort auf der Hand. „Ein vierzügiger Schulbetrieb wäre am Köstersberg wohl knapp möglich“, stellt der Fachbereichsleiter auf Anfrage der Redaktion fest. 

„Den Ganztagsbetrieb sehe ich am Köstersberg nicht. Er lässt sich nach Auffassung der Verwaltung dort nicht realisieren“, unterstreicht Grabs seine Einschätzung, die er bereits während der Sitzung des Schulausschusses abgegeben hatte. Schließlich müsse man davon ausgehen, dass ein Drittel der dann vorhandenen Schüler das Ganztagangebot in Anspruch nehmen würde. 

Nach Ansicht des Fachbereichsleiters wäre es am Köstersberg nicht möglich, eine Mensa in der erforderlichen Größe zu betreiben. Hinzu komme, dass es oftmals notwendig sei, bestimmte Standards einzuhalten: „Einiges von dem, was wir vielleicht auch baulich für möglich halten, könnte genau daran scheitern.“ Es sei aber deutlich vorhersehbar, dass ein Ganztagsbetrieb an der einzigen weiterführenden Schule in Werdohl von den Eltern klar gefordert werde. 

„Ansonsten werden die Eltern in Nachbarstädte abwandern, in denen es dieses Angebot gibt“, glaubt Grabs Christiane Langs-Blöink sieht das anders: „Der Platz am Köstersberg würde ausreichen, um zwei bis drei Gruppen mit maximal 60 Schülern unterzubringen.“ Sie ist überzeugt: „Mehr Bedarf gibt es in Werdohl nicht. Es wird nicht jedes Kind mittags in der Schule bleiben. Es geht hauptsächlich um die Fünft- und Sechstklässler. 13- oder 14-Jährige wollen am Nachmittag nicht mehr in der Schule bleiben.“ 

Allerdings spricht sie nicht vom Ganztagsbetrieb, sondern von einer Übermittagsbetreuung. „Ob diese dann bis 15.30, 16 oder 16.30 Uhr angeboten wird, findet man am besten mit einer Elternbefragung heraus“, erklärt die kommissarische Schulleiterin. Sie habe sich das Raumangebot am Köstersberg – inklusive des derzeit nicht genutzten Bangel-Baus – schon genau angeschaut, und einige Ideen entwickelt, wie man den vorhandenen Platz ideal nutzen könne. 

Langs-Blöink hält auch die Einrichtung einer Mensa für realisierbar: „Deshalb würde ich mir wünschen, mit den Kommunalpolitikern hier vor Ort ins Gespräch zu kommen und sie durch das Gebäude zu führen.“ Langs-Blöink ist noch bis Ende Juli als Schulleiterin eingesetzt.

Unterschiedliche Betreuungsarten

An einer Gebundenen Ganztagsschule, beispielsweise an der Albert-Einstein-Gesamtschule, nehmen alle Schüler verpflichtend an den Ganztagsangeboten teil. Der Zeitrahmen erstreckt sich verpflichtend in der Regel an mindestens drei Unterrichtstagen über jeweils mindestens sieben Zeitstunden, das heißt von 8 bis 15 Uhr. Im erweiterten gebundenen Ganztag sind vier Unterrichtstage mit diesem Zeitraster vorgesehen. 

Darüber hinaus werden weitere außerunterrichtliche Angebote durchgeführt, bei denen die Teilnahme in der Regel freiwillig ist. Die von Christiane Langs-Blöink favorisierte Übermittagsbetreuung ist ein außerunterrichtliches Angebot – wie im Primarbereich die „Schule von acht bis eins“. In der Sekundarstufe I spricht man allerdings von einer „pädagogischen Übermittagsbetreuung und weiteren Ganztags- und Betreuungsangeboten“. An dem jeweiligen Angebot nehmen nicht alle Schüler teil, eine Pflicht zur regelmäßigen und täglichen Teilnahme gibt es nicht.

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