Positive Reaktionen auf Werdohls Sparmaßnahmen

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Irini Papadopoulou (li.) hält die Sparmaßnahmen der Stadt für gerechtfertigt. ▪

WERDOHL ▪ „Ein spannendes Thema“, sagt nicht nur Mayk Schröder, der gleich mehrfach von den geplanten Sparmaßnahmen der Stadt Werdohl betroffen ist – unter anderem als Einzelhändler und Hundebesitzer.

Die Frage, ob sich die möglichen Parkgebühren in der Innenstadt auf das Kaufverhalten der Bevölkerung auswirken werden, stellt sich für viele nicht: Wenn die Gebühren nicht horrend sind, werden keine nennenswerten Folgen für die Einzelhändler oder Standbetreiber beim Wochenmarkt erwartet.

69 Maßnahmen sind auf der am Mittwoch vorgestellten Sparliste der Stadt Werdohl zu finden. Über die Sinnhaftigkeit herrscht bei den betroffenen Bürgern, Einzelhändlern und auswärtigen Besuchern in vielen Punkten Einigkeit. „Es muss halt alles irgendwie bezahlt werden“, sagt Irini Papadopoulou, die Werdohl als lebenswert und schön bezeichnet. Sie wohnte zuvor in Hagen und Lüdenscheid und möchte Werdohls Vorzüge nicht mehr missen.

Da wären zum Beispiel die vielen Möglichkeiten, spazieren zu gehen, an der Lenne entlang oder durchs Grüne, und das kulturelle Angebot. „Man hat sich an vieles gewöhnt. Wenn ich mir das eine oder andere künftig nicht mehr leisten kann, nehme ich halt weniger in Anspruch. Aber die Stadt Werdohl sollte sich nicht zu einer 08/15-Stadt entwickeln“, sagt die vierfache Mutter, die sich in Werdohl gerne weiterhin so wohl fühlen möchte – mit oder ohne Parkplatzgebühren.

Glück hatten bisher die Sportler in Werdohl, die ohne Hallennutzungsgebühren ihrem Hobby nachgehen konnten. Susanne Guder vom Werdohler Schwimmverein ist froh, dass das Hallenbad und das Freibad nicht von Schließungen betroffen sind – wie in anderen Städten schon längst geschehen –, während die Nutzung von Sporthallen künftig kostenpflichtig werden dürfte – ausgenommen sind Kinder- und Jugendmannschaften. Auf ihr Kaufverhalten wirken sich die geplanten Parkplatzgebühren nicht aus: „Das kennt man doch von anderen Städten. Da ist das schon seit Jahren üblich.“ An anderer Stelle ist sie dann als Sportlerin doch von dem Sparpaket betroffen: „Ich nehme seit rund 15 Jahren am Gymnastik-Angebot der VHS im Bürgerhaus teil. Dieser Raum wird der VHS nach dem Umzug wohl nicht mehr zur Verfügung stehen, weil er städtisch ist. Ich hoffe nicht, dass das das Ende dieses VHS-Angebotes bedeutet. Darüber wurde heute Vormittag natürlich diskutiert.“

„Wir kommen aus Werl und haben seit mehr als 50 Jahren einen Stand auf dem Werdohler Wochenmarkt“, erklären Heide und Günter Deitelhoff, die Gemüse und Obst in zweiter Generation in der Stadt an der Lenne anbieten. „Ich rechne nicht mit horrenden Park-Gebühren. Dann erwarte ich auch keine Auswirkungen für uns.“

Einzelhändler Mayk Schröder findet, dass die Verhältnismäßigkeit stimmen muss. Kosten und Nutzen sollten in einem vernünftigen Verhältnis stehen. „Wenn bei einzelnen Maßnahmen dann nur ein paar Euro eingespart werden, halte ich das für unsinnig.“ Zudem wundert er sich, dass er als Einzelhändler nicht gefragt worden ist, wenn zum Beispiel auf dekorative Weihnachtsbäume verzichtet werden soll. „Da hätte man mit uns doch drüber reden können.“ Dass Frust entstehen könnte, schließt Schröder nicht aus, wenn für Osterfeuer die geplante Gebührenerhöhung durchgesetzt würde.

Angst um die Existenz der Musikschule Lennetal macht sich Schulleiter Martin Theile nicht und bezieht sich auf die genannten Beträge, die in den kommenden Jahren weniger ausgegeben werden sollen. Ab 2014 sind dies 12 500 Euro. Der Betrag steigt bis zum Jahre 2020 auf 40 000 Euro.

„Mit dem Sparen ist das so eine Sache. Über 90 Prozent unserer Ausgaben sind Personalkosten. Viele Beschäftigte haben aber feste Arbeitsverträge, aus denen man nicht ohne Weiteres herauskommt. Und höhere Einnahmen sind kaum möglich, das hat die Vergangenheit gezeigt. Wichtig ist, dass wir unser Angebot aufrecht erhalten und dadurch unseren Status als Musikschule behalten, sonst wären Zuschüsse des Landes und Bundes gefährdet“, erklärt Theile. - Markus Jentzsch

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