Rauchverbot: Wirte und Gäste fühlen sich übergangen

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Anna Pantilidou und ihre Gäste halten das Nichtraucherschutzgesetz für ungerecht. Gerade die kleinen Lokale würden dadurch noch mehr Kunden verlieren, denn zu Bier, Kneipe und Fußball gehöre für die Meisten die Zigarette einfach dazu.

WERDOHL - Ein Glas frisch gezapftes Bier steht auf dem Tresen, daneben ein paar Salzstangen. Gesprächsfetzen mischen sich mit der Stimme des Fußballkommentators, das Bild des Fernsehers verschwimmt hinter blauem Dunst. Damit ist nun Schluss: Am 1. Mai tritt das neue Nichtraucherschutzgesetz für Nordrhein-Westfalen in Kraft, das das Rauchen in Lokalen und Gaststätten verbietet. Die Wirte sind sauer.

Von Laila Weiland

„Das ist eine absolute Frechheit“, sagt Georgios Tsiripidis aufgebracht. „Die machen mit uns was sie wollen, dabei sollte ich als Eigentümer doch selbst entscheiden dürfen, ob hier geraucht werden darf oder nicht.“ Seit mehr als 20 Jahren ist er im Gastronomiegeschäft. Gemeinsam mit seiner Frau Katerina Kavourtjiki betreibt er das Bistro@Night am Brüninghaus-Platz und das Café Treff in der Passage. Obwohl beide Nichtraucher sind, ärgern sie sich über das Gesetz.

„Konsequent wäre es gewesen, Zigaretten ganz vom Markt zu nehmen und das Rauchen allgemein zu verbieten“, sagt Katerina Kavourtjiki. „Aber so sind nur die Wirte die Leidtragenden. Wir müssen abwarten, was passiert, aber viele Stammgäste werden wahrscheinlich nicht mehr kommen.“ Dass diese Überlegungen begründet sind, zeigt auch die Meinung einiger Gäste, die auf der Terrasse sitzen: „Bier und auch Kaffee und Zigaretten gehören einfach zusammen, ich würde dann wohl eher zu Hause bleiben“, heißt es da. Und: „Wenn alle zum Rauchen vor die Tür gehen, beschweren sich bestimmt irgendwann die Nachbarn.“

„Es kann nur schlechter werden“, sieht auch Anna Pantilidou schwarz. Die Wirtin von Annas Treff an der Bahnhofstraße weiß genau, was ihre Gäste schätzen: „Wer Fußball gucken und Bier trinken möchte, der raucht dabei in der Regel auch“, sagt sie. „Jetzt sollen sie raus gehen wie die Hunde – das macht doch keiner. Im Sommer geht das vielleicht noch, aber spätestens im Winter ist Schluss. „Wir sind doch erwachsene Menschen, da sollte man annehmen, dass wir auch selbst entscheiden dürfen“, meint einer ihrer Gäste und fügt hinzu: „Man sollte einfach ein Schild an die Tür hängen, um Raucherkneipen zu kennzeichnen, dann können Nichtraucher sich ja überlegen, ob sie rein gehen, oder nicht.“ Wenn er in eine Nichtraucher-Kneipe gehe, würde er auch Rücksicht nehmen und zum Rauchen raus gehen. Das sei eine bessere Regelung gewesen, so der Kunde. „Die kleinen Geschäfte gehen eh schon kaputt“, sagt Anna Pantilidou und greift demonstrativ zur Zigarette. „Wenn nicht mehr geraucht werden darf, ist es bald ganz vorbei.“

„Ich hab’ mir extra Sky angeschafft. Dann kann ich demnächst zu Hause Fußball gucken, wo ich beim Bier auch rauchen darf“, sagt ein passionierter Raucher in der Inselstube. Mit der Meinung steht er nicht alleine da. „Das haben wir schon von vielen gehört“, meint Tanja Papadopoulos, die gemeinsam mit ihrem Mann Paul das Lokal betreibt. „Aber auch Kneipengäste, die nicht rauchen finden das Gesetz nicht gut, weil ohne Raucher auch die Stimmung fehlt.“ Sie und auch die Gäste fühlen sich von der Politik übergangen: „In Bayern gab es wenigstens eine Volksumfrage bevor das Gesetz eingeführt wurde“, weiß ein Gast. „Wer da nicht mit gemacht hat, war selber Schuld. Aber wir wurden gar nicht erst gefragt.“

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