Rauchverbot in der Passage

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Georgios Tsipiridis und seine Angestellte Britta Hafner (links) verstehen nicht, dass ihre Gäste auch an den Tischen in der Passage vor dem Café Treff nicht rauchen dürfen.

WERDOHL - Georgios Tsipiridis, Wirt vom Café Treff in der Passage und vom Bistro@Night am Brüninghaus-Platz, versteht die Welt nicht mehr. Klar müsse er sich mit dem Nichtrauchergesetz abfinden, aber die Situation in der Passage empfinden er und seine Gäste als „totale Bevormundung“.

Montag flatterte dem 49-jährigen Werdohler Wirt ein Schreiben des Werdohler Ordnungsamtes auf die Theke. Jemand fühle sich vom Zigarettenrauch in der Passage belästigt und wolle den Wirt und seine Gäste aufgefordert sehen, das Nichtraucherschutzgesetz einzuhalten. „Die Gesetzeslage ist absolut eindeutig“, sagt Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel. Öffentlich zugängige Laufflächen in Einkaufszentren und in Einkaufspassagen, so stehe es im Gesetz, fielen unter den Nichtraucherschutz. Auch wenn die Werdohler Passage nicht lang sei und es dort kaum Geschäfte gebe, bestehe nicht die Möglichkeit einer Ausnahme oder Auslegung. Das sei auch mit Bürgermeister Griebsch so abgestimmt. „Ich habe Verständnis für die Situation der Wirte und bedauere, dass sie Einkommensverluste haben“, so Andrea Mentzel. Sie weist darauf hin, dass niemand in der Passage rauchen dürfe, weder die Gäste vom Café Treff noch Passanten. „Wenn wir dort jemanden rauchend antreffen, weisen wir darauf hin, dass es verboten ist.“ Es bestehe die Möglichkeit, das Vergehen mit einem Bußgeld zu belegen, so Mentzel. „Aber wir wollen das Nichtraucherschutzgesetz behutsam umsetzen“, so die Ordnungsamtsleiterin.

„Georg“ Tsipiridis, seit 20 Jahren selbstständiger Wirt in Werdohl, ist empört. Gerade die älteren Gäste, die morgens ins Café Treff zu Kaffee und Zigarette und zum Erzählen kämen, würden wegbleiben. „Die haben mir gesagt: ‘Wenn ich bei Dir nicht mehr rauchen darf, komme ich nicht mehr’“, ist Tsipiridis aufgebracht: „Wissen Sie, wie weh das tut, wenn einem das die Stammkunden sagen?“

In den Sommermonaten können die Gäste ins Bistro@Night gehen und dort draußen auf der Freifläche rauchen. Seit Mai habe er dennoch schon bis zu 40 Prozent Umsatzeinbußen gehabt, so der Wirt. „Wenn das nicht besser wird, muss ich das Café Treff schließen.“ Seine Mitarbeiterin Britta Hafner bestätigt das: „Donnerstags zu Marktzeit war das Café immer voll, jetzt sitzen hier nur ein paar Gäste.“ Sie selbst ist Raucherin, ihr Chef nicht: „Der raucht einmal im Monat eine Zigarre.“

Beide meinen, dass in der Passage ein Durchzug herrsche und es keine Rauchbelästigung gebe. „Die Bürgerin, die im Ordnungsamt Beschwerde geführt hat, sieht das anders“, so Mentzel. Die Gäste des Café Treff können ein paar Meter weiter vor die Passage gehen und dort draußen rauchen. Damit seien aber Betreiber von Bäckerei und Elektroladen nicht einverstanden, weiß Tsipiridis. Vielleicht stelle er jetzt die Tische vom Café Treff auf den Brüninghaus-Platz.

Von Volker Heyn

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