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Raubüberfall: 26-Jähriger verschwindet erst - jetzt sitzt er in U-Haft

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Von: Thomas Krumm

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Im Mai 2021 überfielen damals noch Unbekannte den Herscheider Netto-Markt an der Hohle Straße. Drei Tage später konnten vier Personen in Arnsberg festgenommen werden, die wegen einer Reihe von Taten vor Gericht stehen.	ARCHIVFoto: Klümper
Im Mai 2021 überfielen damals noch Unbekannte den Herscheider Netto-Markt an der Hohle Straße. Drei Tage später konnten vier Personen in Arnsberg festgenommen werden, die wegen einer Reihe von Taten vor Gericht stehen. © Klümper

Haftstrafen bis zu sechs Jahren, eine Einweisung in eine Drogenentzugsklinik und eine Bewährungsstrafe standen im Dezember 2021 am Ende eines Prozesses gegen drei Angeklagte im Landgericht Hagen. In dem Strafverfahren wurden Überfälle auf Netto-Märkte in Werdohl, Neuenrade, Herscheid, Meinerzhagen und Arnsberg sowie einen Getränkemarkt in Balve und ein Tabakwarenfachgeschäft in Menden aufgeklärt.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Ein vierter Angeklagter aus Werdohl, dem die Anklage lediglich die Beteiligung an dem letzten Raub in Arnsberg vorwarf, war zu Beginn des Prozesses Ende Oktober 2021 verschwunden. Sein Verfahren wurde deshalb abgetrennt. Mitte November wurde er festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Zum Auftakt seines Prozesses im Landgericht wurde deutlich, dass sein Solo-Auftritt kein Spaziergang werden dürfte. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz nannte nach einem Rechtsgespräch der Kammer mit Verteidiger Dominik Petereit und Staatsanwalt Dr. Marco Klein die Indizien, die für eine Beteiligung des heute 26-Jährigen an dem Raub in Arnsberg-Herdringen am 6. Mai 2021 sprechen. Denn dieser Raub war der letzte in der Serie von sieben Überfällen, und die Polizei war schnell genug am Tatort, um die Täter festzunehmen.

Der vierte Angeklagte saß im Fluchtauto mit der Beute und der PTB-Waffe, mit der der 19-jährige Hauptangeklagte die Markt-Mitarbeiter bedroht hatte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie für diese Tat freigesprochen werden, tendiert gegen Null“, regte der Staatsanwalt ein Geständnis des Angeklagten an. Dessen Rolle bei den Überfällen soll allerdings noch weit umfangreicher gewesen sein, als es seine Anwesenheit während des Raubes in Arnsberg nahe legt: Einiges spricht dafür, dass er auch an der Planung weiterer Raubüberfälle beteiligt gewesen und persönlich vor Ort gewesen sein könnte. Dafür sprechen diverse – teilweise widersprüchliche – Hinweise seiner Mitangeklagten und seine DNA-Spuren an einer Wodka-Flasche, die im Zusammenhang mit dem Überfall auf den Netto-Markt in Herscheid sichergestellt wurde.

Mit dem 19-jährigen Hauptangeklagten soll er vor den Taten Textnachrichten ausgetauscht haben, in denen es darum ging „etwas auf die Beine zu stellen“. Auf seinem Mobiltelefon wurden Fotos der Tatwaffe gefunden.

So ging es nach dem Rechtsgespräch der engeren Prozessbeteiligten plötzlich nicht mehr nur um die Beteiligung an einem Raubüberfall, sondern um alle sieben. Der Vorsitzende empfahl ihm deshalb, darüber nachzudenken, „ob man nicht einer Gesamtlösung nähertreten kann“. Der 26-Jährige und sein Verteidiger verabredeten ein klärendes Gespräch im Untersuchungsgefängnis.

Auch der zu sechs Jahren Haft verurteilte 25-jährige Mitangeklagte aus Werdohl war zunächst nur wegen der Beteiligung an einem der Raubüberfälle angeklagt gewesen. Im Laufe des Prozesses hatte er dann aber ein umfassendes und überraschendes Geständnis abgelegt. Er hatte nie eine Waffe in der Hand gehabt, sich aber unauffällig in den Märkten positioniert, um den mit der PTB-Waffe hantierenden 19-Jährigen zu unterstützen.

Die Richter schickten den 25-Jährigen in eine Drogenentzugsklinik, was seine Verweildauer in verschlossenen Räumen erheblich verkürzen könnte. In seinem umfassenden Geständnis belastete der Werdohler seinen damals noch verschwundenen Mittäter ebenfalls schwer: Dieser sei immer dabei gewesen. Er habe die Märkte aber nicht betreten.

Die 1. große Strafkammer und der Staatsanwalt steckten das mögliche Strafmaß bereits ab: Es könnte zwischen drei und vier Jahren liegen.

Der Prozess wird am 6. April fortgesetzt.

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