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Raubserie im MK: Geständnis zum Prozessauftakt

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Von: Thomas Krumm

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Die mutmaßliche Räuberbande, der mehrere Raubüberfälle auf Supermärkte und Discounter in der Region vorgeworfen werden, muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Hagen verantworten. Allerdings waren nur drei der vier Angeklagten anwesend.
Die mutmaßliche Räuberbande, der mehrere Raubüberfälle auf Supermärkte und Discounter in der Region vorgeworfen werden, muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Hagen verantworten. Allerdings waren nur drei der vier Angeklagten anwesend. © Krumm, Thomas

Sieben Raubüberfälle in Herscheid, Werdohl, Neuenrade, Balve, Menden, Meinerzhagen und Arnsberg, mehrere davon auf Netto-Märkte, hat ein 19-jähriger Iserlohner am Donnerstag im Landgericht Hagen gestanden

„Ich habe alles geplant. Die Waffe stammt von mir“, erklärte er und behauptete: „Ich habe sie in einem Mülleimer in Neuenrade gefunden.“ Irgendwie habe ihn dieser Fund dann auf die Idee mit den Überfällen gebracht: „Ich habe keinen Job gefunden und kam deshalb auf diese dumme Idee.“

Nur wenige erkennen eine Schreckschusspistole auf den ersten Blick – entsprechend groß muss der Schock für die Mitarbeiter von Getränke- und Verbrauchermärkten bei den Überfällen gewesen sein. In Werdohl war der Netto-Markt am Pungelscheider Weg am 27. April das Ziel des 19-Jährigen. Er entkam mit der größten Beute der Überfallserie: 2 282 Euro.

Mitarbeiter leistet Gegenwehr

Im Netto-Markt in Meinerzhagen scheiterte er am 3. Mai an der Auskunft, die Kasse lasse sich nicht so ohne Weiteres öffnen. Regelrechte Gegenwehr leistete ein Mitarbeiter des Netto-Marktes in Herscheid, der einen Faustschlag ins Gesicht kassierte und dem 19-Jährigen im Gegenzug in den Bauch trat. Der reagierte mit einem Schlag mit der Pistole.

Auch im Rewe-Getränkemarkt in Balve bedrohte der 19-Jährige am 27. April eine Kassiererin mit der angeblich ungeladenen Pistole und erbeutete 39 Euro.

25-Jähriger erscheint nicht zum Prozessauftakt

An den Taten sollen zwei 25-jährige Werdohler beteiligt gewesen sein – jedoch nur einer von beiden erschien zum Prozessauftakt. Die eigentliche Überraschung war das umfassende Geständnis des anwesenden Werdohlers: „Ich war bei jeder Tat dabei. Ich wartete vorne und stand Wache.“

Auch der andere Werdohler, so erklärte der Anwesende, sei bei jeder Tat dabei gewesen und habe während der Überfälle im Auto gesessen. Dieser Darstellung widersprach der 19-jährige Hauptangeklagte: Der dritte Mann sei „nur bei der letzten Fahrt“ dabei gewesen.

Verfahren könnte abgetrennt werden

Die Kammer ließ den Prozess trotz des Fehlens eines der Angeklagten nicht platzen: Sie verhandelte ohne den 25-Jährigen. Sollte er sich bis zum nächsten Verhandlungstag am Montag stellen oder von der Polizei gefunden werden, müsste der Prozess noch einmal von vorne beginnen, weil nicht ohne ihn hätte verhandelt werden dürfe. Sollte er weiterhin fehlen, werden die Richter sein Strafverfahren voraussichtlich abtrennen und später verhandeln.

Nach einem längeren Rechtsgespräch zwischen den Richtern, dem Staatsanwalt und den Verteidigern wurde deutlich, dass den beiden Hauptangeklagten längere Haftstrafen drohen: Der 19-jährige Iserlohner muss mit etwa vier Jahren Haft rechnen. Ganz finster sieht es hingegen für den 25-jährigen Werdohler aus. Bei einer Mindeststrafe von fünf Jahren für eine schwere räuberische Erpressung drohen ihm maximal bis zu acht bis neun Jahre Haft.

Schwere Drogenabhängigkeit

Er berichtete zum Prozessauftakt von einer schweren Abhängigkeit auch von harten Drogen. Für die mögliche Einweisung in eine geschlossene Entzugsklinik brauchen die Richter allerdings das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen. Dieses soll in Auftrag gegeben werden. Die vierte Angeklagte, eine 30-jährige Neuenraderin, hat die Täter angeblich nur einmal gefahren.

Der Prozess wird am Montag, 25. Oktober, im Landgericht fortgesetzt.

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