Zunahme der Population

Rattenplage in Werdohl: Ein Hausmeister erklärt die Gründe

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Werdohl – Der Artikel über Ratten, die in Ütterlingsen selbst am Tag über Straßen, Höfe und Gehwege flitzen, die Mülltonnen annagen und Pflasterflächen unterhöhlen, hat in der Stadt Reaktionen ausgelöst.

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel hat bereits eingeräumt, dass sie immer wieder einmal Mitteilungen über ein vermehrtes Vorkommen der Nager in verschiedenen Stadtteilen erhalte. Das bestätigen mittlerweile auch Leser. 

„Auch in Pungelscheid wimmelt es seit Anfang des Jahres von Ratten“, schrieb beispielsweise ein Leser in einem Kommentar zu unserem Artikel über die Rattenplage in Ütterlingsen. Einer, der das Ungeziefer häufiger zu Gesicht bekommt, macht das Verhalten der Menschen verantwortlich für die offensichtliche Zunahme der Rattenpopulation in Werdohl. 

Sorgloser Umgang mit Müll

Er ist seit vielen Jahren Hausmeister und betreut mehrere Mietshäuser in Werdohl. Weil er berufliche Nachteile befürchtet, wenn er offen über die Zustände plaudert, die er regelmäßig vorfindet, nennen wir seinen Namen nicht. Er beobachte den sorglosen Umgang vieler Werdohler mit Abfällen mit Sorge, sagt der Mann und nennt eine Reihe von Beispielen aus seinem Alltag. 

Müll landet an Werdohler Mehrfamilienhäusern nicht selten neben den Tonnen.

„Da werden kleine Kinder mit dem Hausmüll zur Tonne geschickt und keiner denkt darüber nach, dass dieses Kind noch nicht mal den Deckel aufbekommt, weil es da nicht heranreicht. Wenn am nächsten Tag der Müllsack aufgerissen und der Müll zum Teil verstreut ist, ärgert das zwar den einen oder anderen, aber doch nicht so sehr, dass man es wegräumt“, sagt der Hausmeister. 

Kein Platz mehr für den Müllbeutel

Ein anderes Beispiel: Weil jemand die gemeinsame Mülltonne vor dem Mehrfamilienhaus mit Kartonagen vollgestopft hat, ist kein Platz mehr für den Müllbeutel, der dann einfach neben die Tonne gelegt wird. Ratten freuen sich über einen derart leichten Zugang zu Nahrung, die sie in den Lebensmittelresten finden. „Ich habe auch schon halbe und auch ganze Brote aufgesammelt und in den Büschen, die die Grillplätze bei den Häusern umgeben, Knochen und Salatreste entdeckt“, berichtet der Hausmeister, wie das unbedachte Wegwerfen von Essensresten dafür sorgt, dass der Tisch für die Ratten reich gedeckt ist. 

Weil er meistens derjenige ist, der den Müll einsammeln muss, und weil er auch das Problem sieht, dass solches Verhalten Ungeziefer anlockt, hat der Haumeister schon versucht, die Bewohner der betreffenden Häuser auf die Problematik aufmerksam zu machen. „Ich habe schon Anschreiben in die Briefkästen der Häuser gesteckt, in denen die Mieter für dieses Verhalten sensibilisiert werden sollten. Ich habe in Aushangkästen bebilderte Hinweise der Vermieter angebracht. Ich habe mit etlichen Mietern persönlich gesprochen und sie darauf hingewiesen, dass mit ihrem Verhalten die Ratten quasi gefüttert werden“, erzählt der Mann, was er alles unternommen hat. Geändert habe sich praktisch nichts. 

Hausmeister: "Den Leuten ist es egal"

„Daran kann ich erkennen, dass es den Leuten egal ist. Zumindest so lange, bis sie selbst in ihrer Mülltonne oder im Keller eine oder mehrere Ratten entdeckt haben. Dann wird sofort der Vermieter angerufen, geklagt und gefordert“, beschreibt er die Reaktionen der Mieter. 

Wer Müll so offen lagert, muss sich nicht wundern, wenn Ratten und andere Tiere angelockt werden.

In dem gedankenlosen Umgang mancher Zeitgenossen mit ihrem Müll sieht der Hausmeister das Hauptproblem für die Zunahme der Rattenpopulation. In seinen Augen müssten schon Kinder angehalten werden, Müll oder Essensreste ordnungsgemäß in Mülleimern zu entsorgen. Auch in dieser Hinsicht sieht der Nachholbedarf und berichtet von einem Spielplatz in seinem Arbeitsbereich: „Die Mülltonnen dort sind vielleicht einmal in zwei Monaten voll. Dafür liegt aber jede Menge Müll in den Büschen.“ 

Plage auch mit Gift nur schwierig in den Griff zu bekommen

Haben sich die Ratten, die in den Wohngebieten reichlich Nahrung finden, erst einmal richtig vermehrt, ist ihnen nach Auffassung des Hausmeisters nur noch schwer beizukommen. „Mit jeder Giftködermixtur können vielleicht sechs bis sieben Ratten vernichtet werden, das hat mir ein Schädlingsbekämpfer einmal erzählt. Man kann also leicht erkennen, dass bei einer derart großzügigen Müllfütterung mehr Ratten geboren werden, als durch Giftköder sterben. Darüber sollte jeder einmal nachdenken!“, sagt der Hausmeister.

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