Kommunalwahl 2020

Ratswahl in Werdohl: Ergebnisse unterscheiden sich

+

Werdohl – In zwei Wahlbezirken hat die SPD bei der Kommunalwahl vor gut einer Woche das Direktmandat nur um zwei Stimmen verpasst. Allerdings hätte auch ein anderes Szenario die Mehrheitsverhältnisse im Rat zugunsten der Sozialdemokraten verändern können.

Sie hätten in den 16 Wahlbezirken insgesamt 59 Stimmen mehr holen müssen, um dann im Stimmenverrechnungsverfahren nach dem Modell von Sainte-Laguë/Schepers einen Sitz mehr zu erhalten als die CDU. 

Die Berechnungen zeigen, wie knapp die CDU ihre Mehrheit im Rat verteidigen konnte, offenbart aber auch noch andere Wahrheiten. Die WBG beispielsweise hätte 128 zusätzliche Stimmen gebraucht, um ein sechstes Ratsmandat zu erhalten, das dann – keine sonstigen Veränderungen vorausgesetzt – der CDU verloren gegangen wäre. Oder: Die FDP hätte mit 135 Stimmen weniger nicht nur ein Mandat, sondern damit auch ihren Fraktionsstatus verloren. 

Bürgermeisterwahl: 78 Stimmen Unterschied

Auch die Entscheidung bei der Bürgermeisterwahl war relativ knapp. Andreas Späinghaus (SPD) hatte genau 78 Stimmen mehr geholt als notwendig, um gegen Amtsinhaberin Silvia Voßloh (CDU) zu gewinnen. 

Mit dem Beschluss des Wahlausschusses, der am Montagmorgen zu seiner vierten Sitzung im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen zusammengekommen war, sind die Ergebnisse der Bürgermeister- und der Ratswahl nun amtlich geworden. Wahlleiterin Vanessa Kunze-Haarmann berichtete von einem reibungslosen Ablauf der Wahlen: „Bei den Wahlen hat es keine besonderen Vorkommnisse gegeben.“ Außerdem legte sie den Ausschussmitgliedern die geprüften Auszählungsergebnisse vor. 

Ein Ergebnis vorübergehend nicht berücksichtigt

Die unterschieden sich allerdings teilweise von denen, die der kommunale IT-Dienstleister Citkomm in seiner offiziellen Präsentation der Wahlergebnisse veröffentlicht hat. Bei der Bürgermeisterwahl sind die Zahlen von Stadt und Citkomm identisch, allerdings übermittelten beide Stellen beim Gesamtergebnis der Ratswahl zeitweise unterschiedliche Werten. Das hängt damit zusammen, dass das Ergebnis aus dem Wahlbezirk 130 (Awo-Turnraum Pungelscheid) vorübergehend in der Citkomm-Präsentation nicht berücksichtigt würde. Somit fehlten dann im Gesamtergebnis 313 Stimmen. Kurioserweise ergeben sich aus einer Sitzverteilungsberechnung mit den oder ohne die Stimmen aus Pungelscheid exakt dieselben Mehrheitsverhältnisse im neuen Stadtrat. 

Warum die Pungelscheider Ergebnisse, die am Wahlabend um 21.21 Uhr vorlagen, einige Tage später im Citkomm-Programm plötzlich nicht mehr auftauchten, erklärte Andrea Mentzel von der Stadtverwaltung mit einem „EDV-Fehler, der auch in so großen Unternehmen einmal vorkommen kann“. Passiert sei der bei einer Umstellung des Systems auf den Testmodus für die Landratsstichwahl am kommenden Sonntag. Davon seien auch andere Städte betroffen. Inzwischen sei dieser Fehler aber behoben. Das habe die Citkomm per Mail mitgeteilt, berichtete am Dienstag Reinhardt Haarmann, Leiter der Abteilung Service bei der Stadt Werdohl. 

EDV-Fehler ändert am Endergebnis nichts

Am amtlichen Endergebnis der Bürgermeister- und der Ratswahl ändert der EDV-Fehler allerdings ohnehin nichts. Das hat der Wahlausschuss in seiner Sitzung am Montag festgestellt. 

Wahlleiterin Kunze-Haarmann nutzte die Gelegenheit, um auch den nunmehr offiziellen Termin für die konstituierende Ratssitzung zu verkünden: Sie soll am Montag, 2. November, ab 17 Uhr stattfinden. Nur der Sitzungsort steht noch nicht fest, weil noch offen ist, ob wegen des Corona-Infektionsrisikos im Sitzungssaal des Rathauses getagt werden kann. Eine mögliche Alternative wäre der Festsaal Riesei.

Mit einem Stimmenverrechnungsverfahren wird berechnet, wie viele Plätze von den einzelnen Parteien und Wählergruppen über die Reservelisten besetzt werden. Das zuvor gültige Verfahren nach Hare-Niemeyer wurde bei den NRW-Kommunalwahlen 2009 erstmals durch das Divisorverfahren mit Standardrundung nach Sainte-Laguë/Schepers ersetzt. Es wurde nach dem französischen Mathematiker André Sainte-Laguë und dem deutschen Physiker und Bundestagsverwaltungsmitarbeiter Hans Schepers benannt. Das Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren wird von Experten als gerechter eingestuft, da es die kleinen Parteien nicht benachteiligt. Allerdings ist eine absolute Gerechtigkeit wegen Auf-und Abrundungen und der Verteilung von Nachkommastellen nicht möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare