Rathaus-Parkplatz: Neuer Stauraumkanal aus superhartem Stahlbeton

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Dietmar Westphal und Harro Feckler vom Ruhrverband sowie Tiefbau-Abteilungsleiter Martin Hempel (von links) sind von der Größe und Tiefe der Baugrube des neuen Rathaussammlers beeindruckt. Der neue Kanal hat einen Meter Durchmesser.

Werdohl - Ende 2015 tat sich die Erde auf: Der Kanal unter dem Parkplatz gegenüber dem Rathaus war in sich zusammengesackt. Im Asphalt war eine tiefe Delle, in der sich sofort das Regenwasser sammelte.

Der Stauraumkanal aus Kunststoff von Ruhrverband und Stadt konnte dem andauernden Druck durch die Fahrzeuge auf den Parkplatz nicht mehr standhalten. Nach zweieinhalb Jahren geht die Baustelle jetzt ihrer Fertigstellung entgegen. Verlegt wird ein ein Meter dickes Rohr aus härtestem Stahlbeton. 

Warum das alles so lange gedauert hat, erklärten jetzt Regionalbereichsleiter Harro Feckler und Bauleiter Dietmar Westphal vom Ruhrverband zusammen mit dem Werdohler Tiefbau-Abteilungsleiter Martin Hempel. 

Zunächst keine unmittelbare Gefahr

Als Ende 2015 der Kanal in sich zusammensackte, habe keine unmittelbare Gefahr bestanden. Der Kanal sei zwar deformiert worden, aber nicht gebrochen. In einer ersten Reaktion war der Kanal freigelegt worden, um den auf ihm lastenden Druck zu reduzieren. 

Bei dem etwa 800 Meter langen Kanalbauwerk aus dem Jahre 1988 handelt es sich um einen Stauraumkanal. Bei Regenfällen sammelt der großvolumige Kanal das Wasser, Schlamm und Schmutz können sich zunächst mechanisch absetzen. Mittels eines elektrogesteuerten Schiebers, einer so genannten Drossel, wird das Wasser nach und nach an die Kläranlage in Ütterlingsen abgegeben. Das ablaufende Wasser nimmt den Schlamm wieder mit zur Kläranlage. In Zeiten, in denen es nicht regnet, nimmt der Kanal ganz normal Abwasser auf. Stadt und Ruhrverband betreiben diese Anlage deshalb gemeinsam. 

1988 war Kunststoff modern

1988 hielt man es technisch für das Klügste, diesen Kanal aus modernem Kunststoff zu bauen. Die Wandstärke war allerdings viel zu gering, um den Belastungen von oben stand zu halten. „Die Rohrstatik war für solche Setzungen nicht geeignet“, stellt Bauleiter Dietmar Westphal heute nüchtern fest. Das Erdreich unter dem Parkplatz war in Bewegung, die Last der aufstehenden Fahrzeuge drückte auf das Plastikrohr. 

Der Fertiger bringt frischen Asphalt auf die Rampe vom Rathausparkplatz. Die Parkfläche rechts im Bild ist schon seit einiger Zeit wieder nutzbar.

Von den 900 Metern Stauraumkanal werden gerade 300 Meter parallel zum kaputten Kanal neu gebaut. Natürlich wird nicht ein neues Kunststoffrohr verlegt, sondern ein besonders gehärteter Stahlbeton mit verschleißfreier Oberfläche kommt zum Einsatz. Das ein Meter dicke Betonrohr (DN 1000) liegt in einer Tiefe von etwa 4,50 Meter in der Baugrube. 

Sehr aufwendige Wasserhaltung 

Das ist weit unterhalb der Wasserlinie der Lenne, außerdem drückt in Ufernähe Grundwasser in die Baustelle. Deshalb wird die tiefe Grube ständig entwässert, ein Pumpensumpf mit unterirdischen Anlagen ist eingerichtet. 

Im Bereich der Brücke in Versevörder wird gerade der neue Kanal an den Lennedüker angeschlossen. Die Parkplatzflächen sind schon größtenteils asphaltiert. In der verwaisten Baugrube unterhalb des Rathauses wird der neue Kanal später mit dem alten verbunden, der bis zum Goethe-Parkplatz führt. 

Arbeiten laufen seit August 2017

Mit den Arbeiten begonnen wurde Ende August 2017, bis November konnte gearbeitet werden, dann kam zuviel Wasser in die Baustelle. Seit April dieses Jahres wird weitergebaut, bis zu sechs Wochen brauchen die Baufirmen wohl noch. 

60 Prozent der 620 000 Euro für den Kanalbau übernimmt der Ruhrverband, 40 Prozent bleiben bei der Stadt. Zur Herstellung der Parkplatzflächen sind 55 000 Euro nötig, viel davon übernimmt VDM Metals.

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