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Rassismus oder Missverständnis: Busfahrer im MK lässt Frau mit kleinem Kind stehen

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Von: Volker Griese

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Ein Flixbus ist derzeit kein seltener Anblick am Werdohler Bahnhof. Die grünen Busse sind aber nicht im Auftrag des Fernbusunternehmens unterwegs, sondern im Schienenersatzverkehr. An einem dieser Busse kam es jetzt zu einem Zwischenfall.
Ein Flixbus ist derzeit kein seltener Anblick am Werdohler Bahnhof. Die grünen Busse sind aber nicht im Auftrag des Fernbusunternehmens unterwegs, sondern im Schienenersatzverkehr. An einem dieser Busse kam es jetzt zu einem Zwischenfall. © Griese, Volker

War es tatsächlich eine rassistische Diskriminierung oder nur ein großes Missverständnis? Auf jeden Fall hat ein Vorfall, der sich an einem Bus vor dem Werdohler Bahnhof ereignet hat, für viel Wirbel gesorgt.

Werdohl ‒ Was war passiert? Eine Leserin meldete sich in der Redaktion und berichtete davon, wie der Fahrer eines Flixbusses an der Haltestelle vor dem Bahnhof einer Frau mit schwarzer Hautfarbe die Mitnahme verweigert habe. Die Frau habe ihr Kind auf dem Rücken getragen und eine Art Buggy, einen zusammenfaltbaren Kinderwagen, dabei gehabt. Der Frau sei wegen ihrer Hautfarbe und wegen der ihres Kindes die Mitfahrt im Bus verweigert worden, berichtete die Leserin. Das habe auch ein weiterer Zeuge, der ihr allerdings nicht bekannt sei, so mitbekommen.

StadtWerdohl
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohner17.660

Rassismus oder Missverständnis: Busfahrer im MK lässt Frau mit kleinem Kind stehen

Was steckt hinter diesem Vorgang, der in dieser Schilderung schlichtweg unglaublich erscheint? Was hat überhaupt ein Flixbus an der Haltestelle zu suchen, obwohl Werdohl nachweislich keine Haltstelle im Flixbus-Fahrplan ist?

Die zweite Frage kann Sebastian Meyer, Pressesprecher von Flixbus, relativ schnell beantworten. „Da viele unserer Partnerunternehmen neben dem Fernlinienbetrieb für Flixbus auch andere Tätigkeitsbereiche haben – etwa ÖPNV, Schienenersatzverkehr oder Charterbusse – können grüne Flixbusse vereinzelt auch jenseits des Linienbetriebs und ohne Beauftragung von Flixbus unterwegs sein. Es kann sich bei dem Vorfall um einen solchen Bus gehandelt haben.“ Mit anderen Worten: Nicht jeder Bus, auf dem der Schriftzug von Flixbus zu sehen, ist auch im Auftrag von Flixbus unterwegs.

Uns liegt eine Stellungnahme des Unternehmens vor, die den Vorfall in einem deutlich anderen Licht zeigt.

Dr. Stefan Dietrich, Abellio-Pressesprecher

Die Spur führt also in den Busverkehr, der seit rund drei Monaten den Zugverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke ersetzt, weil die Bahnstrecke aufgrund von Hochwasserschäden noch nicht wieder befahren werden kann. Mit diesem Schienenersatzverkehr hat das Bahnverkehrsunternehmen Abellio, dessen Züge normalerweise zwischen Siegen und Hagen pendeln, ein Busunternehmen aus dem Hochsauerlandkreis beauftragt. Dieses Unternehmen ist auch Partnerunternehmen von Flixbus und setzt die grünen Busse mit der Aufschrift des Fernbusunternehmens im Schienenersatzverkehr ein.

Abellio-Sprecher Dr. Stefan Dietrich bestätigte nun auf Nachfrage, dass der betreffende Bus, an dem sich der Vorfall ereignet haben soll, tatsächlich im Auftrag von Abellio unterwegs gewesen ist, um Fahrgäste zum Hagener Bahnhof zu befördern. Auch sei der von der Leserin geschilderte Vorfall bei Abellio bereits bekannt. „Uns liegt eine Stellungnahme des Unternehmens vor, die den Vorfall in einem deutlich anderen Licht zeigt“, teilte Dietrich mit. Der Busfahrer habe den Vorfall noch am selben Tag dem Unternehmen gemeldet und aus dessen Sicht glaubwürdig erklärt.

Demzufolge ging es in der Diskussion mit dem Fahrgast um die Sicherung des Kindes während der Busfahrt, da die Frau das Kind auf dem Rücken getragen habe, so wie auch die Zeugin geschildert habe. Da die Frau nach Aussage des Fahrers sehr aufbrausend reagiert habe, habe er ihr mehrfach beteuert, dass seine Bedenken nichts mit ihrer Hautfarbe zu tun haben. Das habe er auch dem anderen Fahrgast erläutert, der in die Diskussion eingegriffen habe. In diesem Zusammenhang habe der Busfahrer auf seine arabische Abstammung verwiesen, um damit zu bekräftigen, dass es ihm nicht um die Hautfarbe der Frau gehe. „Der Fahrer betont, dass es ihm lediglich um die sichere Beförderung des Kindes gegangen sei“, erklärte Abellio-Sprecher Dietrich.

Am Ende war also alles wohl ein Missverständnis, hervorgerufen durch Sprachbarrieren. Für Abellio jedenfalls stehe der Fahrgast im Mittelpunkt, betonte Dietrich. „Selbstverständlich hat Rassismus oder jegliche andere Diskriminierung im Umgang mit den Fahrgästen keinen Platz. Das gilt auch für die von uns beauftragten Unternehmen. Bei Beschwerden gehen wir dem Fall nach, das ist auch hier geschehen.“

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