Randzeitbetreuung ist gefragt

Einrichtungsleiterin Helma Neuberger (li.) führte die Mitglieder des Jugendamtselternbeirates durch die Einrichtung.

WERDOHL ▪ „Wenn mein Kind bis 14 Uhr im Kindergarten bleibt, dann kann es doch nicht sein, dass es nichts zu Mittag essen darf“, empörte sich eine Frau. Bei den städtischen Kindertagesstätten hätten sich, so beschrieb die junge Mutter bei der Sitzung des Jugendamtselternbeirates am Mittwochabend in der St.-Bonifatius-Kita, jüngst die Betreuungszeiten geändert.

„Jetzt muss ich mein Kind morgens eine halbe Stunde früher bringen und nachmittags eine halbe Stunde früher abholen.“ Als der Nachwuchs noch bis 14.30 Uhr in der Einrichtung blieb, gab es ein Mittagessen für das Kind – jetzt nicht mehr.

Ein Mittagessen gebe es in den städtischen Werdohler Einrichtungen grundsätzlich nur noch für Kinder, für die eine Betreuungszeit von 45 Stunden in der Woche gebucht worden sei, erklärten andere Eltern. „Wenn ich mein Kind um 14 Uhr abhole, nach Hause fahre und dann anfange zu kochen, dann bekommt es ja erst um 15 Uhr etwas zu essen – das ist doch zu spät“, klagte die Beschwerdeführerin. Klar, sie könne dem Sprößling morgens ein Brot machen und mit zum Kindergarten geben. „Aber mittags braucht er doch etwas Warmes.“

Die Vorsitzende des Jugendamtselternbeirates, Fatima Lamgardi, versprach, sich mit der betreffenden Einrichtungsleiterin in Verbindung zu setzen, um die Angelegenheit zu klären. So hatte Lamgardi bei der vorherigen Sitzung Mitte Dezember im Rathaus auch zugesagt, sich um die Aufnahmekriterien der Werdohler Kindergärten zu kümmern. Damals hatte ein Mutter geklagt, Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund würden gezielt abgewiesen. Eine andere Mutter hatte im Dezember angemerkt, dass es Eltern von behinderten Kindern ähnlich ginge.

Lamgardi erklärte am Mittwoch, einzig die evangelische Kindertagesstätte Sternschnuppe habe ihre Anfrage nicht beantwortet. Bei allen anderen Einrichtungen sei festzustellen, dass weder Religion, noch Nationalität oder Wohnort bei der Auswahl der Mädchen und Jungen eine Rolle spielten.

Zwar bevorzugten die Tageseinrichtungen mit konfessionellen Trägern die Kinder mit der entsprechenden Religion, nähmen anschließend aber auch andere auf. So habe etwa der St.-Michael-Kindergarten nur etwa 30 Prozent katholische Kinder.

Zu Beginn des Abends erklärte Lamgardi, dass nunmehr jede Sitzung des Jugendamtselternbeirates in einem anderen Werdohler Kindergarten stattfinden solle. Bei der insgesamt dritten Sitzung des noch jungen Beirates machte die St.-Bonifatius-Einrichtung in Eveking den Anfang. Leiterin Helma Neuberger führte die zwölf Anwesenden zunächst durch den Kindergarten.

In Eveking würden die Kinder täglich frisch bekocht. Auch sei es üblich, dass die Mädchen und Jungen selbst in der Küche mit anpackten. In den Spielbereichen können sich die Kinder auf zwei Etagen austoben. Mittagsruhe halten sie in Schlafzimmern mit kleinen Bettchen, die einst den sieben Zwergen gehört haben könnten. In den Waschräumen gibt es „echte“ und keine Papier-Handtücher. Auch Wickelkommoden sind neben einem Turnraum vorhanden.

Auf Nachfrage von Lamgardi erklärte Neuberger, dass eine sogenannte Randzeitenbetreuung in Eveking kein Thema sei. „Unsere Eltern sind alle sehr pünktlich“, lobte die Kindergartenleiterin. Die Werdohler CDU hatte zuletzt angeregt, die Abholzeiten von Mädchen und Jungen aus den örtlichen Kindertageseinrichtungen flexibler zu gestalten. Der Jugendamtselternbeirat erklärte dazu (wir berichteten), dass es aber nicht zielführend sei, wenn Eltern genötigt würden gleich das nächst höhere Paket zu buchen (Eltern können für ihre Kinder 25, 35 oder 45 Stunden in der Woche buchen). Laut Wunsch des Jugendamtselternbeirates solle es künftig vielmehr möglich sein, etwa täglich eine Viertelstunde hinzu zu buchen. Das werde auch in anderen Städten so längst erfolgreich praktiziert.

Claudia Janßen, Mitglied des Vorstandes des Jugendamtselternbeirates und zudem beratendes Mitglied des städtischen Jugendhilfeausschusses, wird diesen Vorschlag auch am kommenden Dienstag, 14. Februar, im Ausschuss vortragen. Außerdem erklärte Janßen, dass sich der Jugendamtselternbeirat schon bald auf der städtischen Homepage im Internet unter http://www.werdohl.de präsentieren wird. Lars Winzer, ebenfalls im Vorstand des Jugendamtselternbeirates, ergänzte, dass er zeitnah eine eigene E-Mail-Adresse für den Beirats-Vorstand einrichten werde. - Michael Koll

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