Gemeinden nehmen Sonderrechte nicht wahr

Ramadan: Muslime verzichten aufs Gebet

Weil es ein großes Interesse an den Freitagsgebeten in der Werdohler Ditib-Moschee an der Freiheitstraße gibt, beten die Gläubigen in zwei Schichten nacheinander, nach Alter sortiert und unter Einhaltung der Vorschriften.
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Weil es ein großes Interesse an den Freitagsgebeten in der Werdohler Ditib-Moschee an der Freiheitstraße gibt, beten die Gläubigen in zwei Schichten nacheinander, nach Alter sortiert und unter Einhaltung der Vorschriften.

Obwohl sie von der Ausnahmeregelung der Ausgangssperre Gebrauch machen könnten, verzichten die Muslime in Werdohl und Neuenrade auf ein gemeinsames Gebet in der Moschee nach Sonnenuntergang im Fastenmonat Ramadan.

Der Werdohler Fahrettin Alptekin ist gerade erst von seinem Hilfseinsatz aus Mauretanien und dem Senegal zurück am Homeoffice-Schreibtisch. Alptekin ist Vorsitzender der Werdohler Ditib-Gemeinde, die nach deutschem Vereinsrecht organisiert ist. Er spricht in diesem Fall auch für die Mitglieder der Milli-Görüs-Gemeinde an der Altenaer Straße. Er habe bereits mit der Polizei telefoniert, um über die Ausnahmeregelung für die Religionsausübung zu sprechen. Demnach sei es ihnen erlaubt, für die Mitglieder eine Ausnahmebescheinigung auszustellen, die den Besuch der Moschee erlaube.

Die beiden großen Werdohler islamischen Gemeinden hätten sich aber dazu entschlossen, gemeinschaftlich auf dieses Recht der Religionsausübung zu verzichten. Bis einschließlich Sonntag werde man so verfahren, danach müsse man sehen, ob die Ausgangssperre weiter bestehen bleibe.

Freiwilliger Verzicht

So äußerte sich auch Hamit Yilmaz vom Vorstand der islamischen Gemeinde in Neuenrade. Die Muslime würden auf gemeinsame Gebete in der Moschee nach Sonnenuntergang freiwillig verzichten. Yilmaz: „Ich denke, dass wir danach von Woche zu Woche neu entscheiden werden.“ In Neuenrade hatte Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) die Männer und Frauen islamischen Glaubens darum gebeten, auf diesen Teil der Glaubensausübung im Ramadan zu verzichten.

Fahrettin Alptekin betonte, dass es den Vereinsmitgliedern aufgrund ihres Glaubens schon eine Pflicht sei, gemeinsam zu beten. Alptekin: „Sie sollen nicht alleine beten.“ Fünf Tage werde man jetzt verzichten und danach neu entscheiden.

Freitagsgebet in zwei Schichten

Die Freitagsgebete sind nach wie vor unter den bisherigen Auflagen erlaubt. Das Interesse vor allem der männlichen Muslime am Freitagsgebet sei nach und nach wieder gewachsen. Weil die Ditib-Gemeinde aber nur eine bestimmte Anzahl Gläubiger gleichzeitig zum Freitagsgebet in die Eyüp-Sultan-Moschee einlassen darf, betet man dort bereits seit dem 26. Februar in zwei Schichten nacheinander.

Muslime, die älter als 58 Jahre sind, kommen ab 13.30 Uhr zum Gebet zusammen. Wie bisher müssen sie ihren eigenen Gebetsteppich mitbringen, auf rituelle Waschungen verzichten und beim Beten vorgeschriebene Abstände einhalten. Auch der Vorbeter hält Abstand und ist mit Acrylglas geschützt. Die jüngeren Gemeindemitglieder kommen am Nachmittag in der zweiten Schicht zum Beten zusammen. Die Gemeinde erteilt Ausnahmen von der Altersregelung, wenn eine außergewöhnliche Arbeitssituation dies erfordere.

Der Ramadan – die türkischen Muslime hier sprechen immer von Ramazan – endet am Abend des 11. Mai. Schon im vergangenen Jahr fiel der Fastenmonat mitten in die Pandemie-Zeit. Die Gemeinden mussten damals schon komplett auf die sonst üblichen großen Abendveranstaltungen mit gemeinsamen Mahlzeiten verzichten. Für gläubige Muslime, vor allem die streng traditionsbewussten älteren Männer, ist der Verzicht auf das Beten in Gemeinschaft eine große Einschränkung.

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