Räuber-Trio geständig

Das Landgericht befasst sich seit Freitag – mit Fortsetzungsterminen – mit den Vorwürfen gegen die Jugendlichen.

WERDOHL/HAGEN ▪ In den Abendstunden des 22. Dezember betritt ein 20-jähriger Lüdenscheider einen Supermarkt an der Glatzer Straße in Lüdenscheid. Im Büro hält er einer Angestellten eine ungeladene Softair-Pistole vor und verlangt den Inhalt des Safes. Mit insgesamt 45 360 Euro kann der Täter zu Fuß durch einen nahe gelegenen Wald fliehen. Den Zugang zum Büro hatte ihm sein 19-jähriger Komplize verschafft. Als Mitarbeiter des Marktes war es ihm ein Leichtes gewesen, ins Büro zu gelangen, und dem Mittäter dann unbemerkt die Tür zu öffnen.

Um den Verdacht nicht auf sich zu lenken, hatte der 19-Jährige anschließend bei der Polizei angegeben, selbst Opfer des Überfalls geworden zu sein. In der Nacht auf den 23. Dezember hatte sich das Duo an einem Lüdenscheider Stadion getroffen und die Beute geteilt. Der Großteil des Geldes war anschließend für Partys und Drogen ausgegeben worden.

Als sich der Vorrat dem Ende geneigt hatte, war der 19-jährige Lüdenscheider im Fernsehen auf einen Bericht über einen großen Supermarkt in Düsseldorf gestoßen. Das sollte ihr nächstes Überfallziel sein. Eine Woche vor der Tat hatten die beiden Lüdenscheider eine Bombenattrappe gebaut. Gemeinsam mit einem 18-jährigen Werdohler war der 19-jährige Lüdenscheider am Vortag des 27. Februar zum Tatort gefahren. Hier hatten sie einen Film gedreht, der zeigte, wie die Bombenattrappe, in einer Kornflakespackung versteckt, in einem Regal des Marktes deponiert worden war. Mit einem gefälschten Firmenausweis hatte sich der 19-Jährige am Tattag gegen 8 Uhr Zutritt zum Büro des Filialleiters verschafft. Dem hatte er auf einem Laptop den Film vorgespielt. Dann hatte der Täter dem Filialleiter ein Handy ans Ohr gehalten, an dessen anderem Ende der zweite Lüdenscheider damit gedroht hatte, die Bombe explodieren zu lassen, wenn es nicht binnen vier Minuten zu einer Geldübergabe kommen würde. Aus Angst hatte der Filialleiter insgesamt 80 292,70 Euro an den 19-Jährigen ausgehändigt.

Schließlich hatte der Lüdenscheider die Flucht ergriffen. Gemeinsam mit dem vor dem Markt wartenden Werdohler war er in einem zuvor gemieteten Audi auf die A46 gerast. Hier hatten sich die Täter eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert, die ihr Ende an einer Leitplanke gefunden hatte. Währenddessen hatte sich der zweite Lüdenscheider, der während der Tat an einer nahe gelegenen Polizeistation Schmiere gestanden hatte, an einem vereinbarten Treffpunkt eingefunden. Nichts von der Festnahme seiner beiden Komplizen ahnend, war er schließlich nach Lüdenscheid zurückgekehrt, wo er noch am selben Abend in einem Hotelzimmer gestellt worden war.

Seit Freitag müssen sich die Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren nun vor dem Hagener Landgericht verantworten. Sie räumten die ihnen vorgeworfenen Überfälle sofort ein. Dem Werdohler waren im Vorfeld des Coups 5 000 Euro fürs Mitmachen versprochen worden. Er sollte vor dem Düsseldorfer Supermarkt Schmiere stehen. Kurz vor der Tat wollte er eigentlich aussteigen, hat sich dann aber doch dagegen entschieden, weil er Angst hatte, sonst nicht mehr zur Clique dazu zu gehören.

Ein vierter Angeklagter aus Halver gab am Freitag zu, dem 19-jährigen Lüdenscheider vor dem Überfall in Düsseldorf die Haar blond gefärbt, und passenden, farbige Kontaktlinsen besorgt zu haben. Er muss sich nun wegen Beihilfe zur schweren räuberischen Erpressung verantworten.

Am Dienstag geht der Prozess mit einer Reihe Zeugen in die nächste Runde.

Jana Peuckert

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