Planung kommt nicht voran

Radweg rund um Elverlingsen: Kosten von bis zu 6 Millionen Euro

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Landschaftlich überaus reizvoll, aber wohl nicht zu realisieren ist diese Variante eines Radwegs im Bereich Elverlingsen, die oberhalb der Bundesstraße mit Blick ins Tal verlaufen würde.

Werdohl – Kopfschütteln bei den Kommunalpolitikern, Ratlosigkeit bei der Verwaltung: Mit der Radwegeplanung geht es einfach nicht voran.

Das stellte auch Fachbereichsleiter Thomas Schroeder in dieser Woche während der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung fest: „Wir kommen immer wieder an einen Punkt, an dem wir nicht mehr weiterkommen.“ 

Das Gremium beschäftigte sich mit einer Machbarkeitsstudie des Planungsbüros Finger, das insgesamt fünf verschiedene Trassenführungen für den Abschnitt von Dresel bis Elverlingsen untersucht hatte. Martin Hempel, Leiter der Tiefbauabteilung, stellte die einzelnen Varianten vor – und berichtete, ob der Landesbetrieb Straßen.NRW jeweils zur Finanzierung bereit sei. 

Höhenunterschied als Problem

Grob geschätzt etwa 3,5 Millionen Euro würde der Bau eines Radweges von der Lennebrücke und dem Bergfelder Weg oberhalb des Kraftwerks entlang des Werdohler Rundwanderweges über den Beulberg kosten. „Allerdings haben wir hier einen großen Höhenunterschied“, sagte Hempel, und erklärte: „Damit würde sich nach Aussage von Straßen.NRW keine Möglichkeit bieten, um den Radverkehr von der Bundesstraße weg zu bekommen. Der Landesbetrieb zahlt in diesem Fall nicht.“ 

Dagegen sei die zweite Variante aus Sicht von Straßen.NRW prinzipiell vorstellbar. Dieser Radweg würde von der Lennebrücke entlang des Uferbereichs am Kraftwerk bis zum Naturschutzgebiet führen. Von dort aus über eine Brücke über die Lenne, weiter am Ufer entlang bis zur Höhe der Wendefläche In der Lacke führen. Dort würden die Radler auf die Straße fahren und die Lenne über die Husberg-Brücke queren. Die Höhe der Kosten schätzte Hempel auf 6,2 Millionen Euro. „Das Problem ist die Führung des Radweges durch ein Biotop. Das wird wahrscheinlich sehr schwierig“, stellte er fest. 

Bautechnisch großer Aufwand

Auch mit der dritten Variante, deren Bau Kosten in Höhe von knapp sechs Millionen Euro verursachen würde, könne sich Straßen.NRW anfreunden, sagte Hempel. „Das wäre bautechnisch aber mit großem Aufwand verbunden“, unterstrich der Abteilungsleiter. Der Weg würde unterhalb der B 236 direkt neben der Lenne verlaufen – ein Stützbauwerk wäre erforderlich. Dagegen könnte man die vierte Variante relativ bald in Angriff nehmen, meinte Hempel. Dabei würden die Radler durch das Gewerbegebiet Dresel und dann ein Stück entlang der Bundestraße fahren. 

„Jetzt muss Straßen.NRW entscheiden, welche Radwegeführung in Frage kommt“, erklärte er, um dann noch eine fünfte „sehr interessante“ Streckenführung ins Gespräch zu bringen, die aus Sicht des Landesbetriebs aber nicht in Frage komme. 

Land fördert keine touristischen Wege

Dabei würde der Radweg oberhalb der Bundesstraße entlang des Biesenbergs bis zum Bachlauf Drewescheid geführt, die Bundesstraße queren und im Grünstreifen entlang schließlich zum Husberger Weg und über die Husberger Brücke. „Das wäre ein touristischer Radweg, der richtig was zu bieten hätte“, sagte Hempel. Für den Bau des etwa 3,4 Kilometer lange Radweges könnten Wirtschaftswege genutzt werden, zudem gebe es eine direkte Anbindung an die Siedlung Dresel. Das Planungsbüro Finger favorisiere diese Streckenführung, obwohl er nach Ansicht des Landesbetriebs nicht alltagstauglich ist. 

Und auch Thomas Schroeder wollte sich anscheinend noch nicht gänzlich von der Idee eines touristischen Radwegs verabschieden – und verwies auf das Projekt „Lenneroute“: „Auch für dieses Projekt gibt es letztlich Geld von Straßen.NRW. Das wird alles noch sehr spannend.“ 

Haushalt wird bisher nicht belastet

Das gelte auch für die Finanzierung anderer Teilstücke – etwa von der Vorthbrücke bis zum Rathaus. „Bisher wird der Haushalt der Stadt nicht belastet. Aber Straßen.NRW hat uns eine neue Vereinbarung zugesandt. Dieses Vertragswerk müssen wir gründlich durcharbeiten.“ Zwar werde die Finanzierung durch den Landesbetrieb als solches nicht in Frage gestellt, „aber es kann durchaus sein, dass wir in Vorleistung treten müssen“, sagte Schroeder. In diesem Fall stelle sich die Frage, ob der Stadt letztlich auch tatsächlich die Gesamtkosten erstattet würden. 

Am Ende der Sitzung blieben viele Fragen offen – und Jürgen Henke (SPD) bat die Verwaltung eindringlich darum, zur nächsten Sitzung einen „kompetenten Vertreter von Straßen.NRW einzuladen, der uns endlich Antworten geben kann“.

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