„Kinderpost“ darf bleiben

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Margit Jeßegus (rechts) ist bei der Post angestellt und arbeitet in der Mini-Filiale an der Burggrafenstraße in Pungelscheid. Hier betreut sie gerade ihre Kundin Karin Koscielny bei der Erstellung eines Einschreibens. Einen Computer gibt es nicht.

Nahezu alles in der kleinen Post-Filiale in Pungelscheid erinnert an eine putzige Kinderpost: Es gibt Briefmarken und Stempel, Papiere und Formulare, Schwämmchen und das Posthorn auf gelbem Grund. Ein Computer ist Fehlanzeige. Seit 2010 ist die Filiale dort angesiedelt, jetzt drohte die Schließung. Erst vor Tagen wurde die zu Ende Mai ausgesprochene Kündigung zurückgenommen, die Kinderpost darf bleiben.

Am 3. Januar 2011 eröffnete die Deutsche Post an der Burggrafenstraße 6 eine so genannte Interims-Postfiliale. Vorher war die Post am Brauck in Kleinhammer angesiedelt, dort war der Filiale gekündigt worden. Bei der schon lange privatisierten Post AG klingt immer noch vieles nach Ärmelschoner und Beamtentum: Laut der Postuniversaldienstleistungsverordnung (!) ist die Post gezwungen, in zusammenhängend bebauten Wohngebieten Post-Dienstleistungen anzubieten. Das sagte Post-Pressesprecher Alexander Böhm: „Die PudLV ist ein Gesetz, wir müssen unabhängig von einer Wirtschaftlichkeit eine Filiale für Pungelscheid und Kleinhammer anbieten.“ Deshalb ist das Angebot an Öffnungszeiten und Dienstleistungen in der Mini-Post auch sehr eingeschränkt. An der Burggrafenstraße 6 ist montags bis freitags von 14.30 bis 16.30 Uhr und samstags von 11 bis 12.30 Uhr geöffnet. Seit sieben Jahren ist dort Margit Jeßegus beschäftigt, sie ist bei der Post auf 450-Euro-Basis angestellt.

Die Qualifikation der Mitarbeiter werde ständig überprüft, erzählt Jeßegus. Regelmäßig müssten Fragenkataloge beantwortet werden, wer nicht auf dem neuesten Stand sei, bekomme eine Fortbildung in Dortmund. Angeboten werden alle Basisdienstleistungen der Post und vom Paketservice DHL. Es kann nicht mit EC-Karte bezahlt werden, die Postbank ist nicht vertreten. Alles wird handschriftlich festgehalten, nur die Waage ist digital. Es ist aber beileibe nicht so, dass die Kundschaft ausschließlich älteren Semesters ist. Allerdings ist Margit Jeßegus ist überrascht, dass viele Werdohler ihre Filiale nach all den Jahren immer noch nicht kennen.

Bis Ende des Jahres 2010 betrieb Bäcker Udo Solscheid in dem Ein-Raum-Geschäftslokal eine Filiale. Danach zog die Post ein – ganz betont als Übergangslösung. Das bessere Geschäftsmodell für die Post ist eine Partner-Filiale innerhalb eines bestehenden Einzelhandelsgeschäfts. Das fand sich aber bislang nicht in Pungelscheid und Kleinhammer. Zu Ende Mai war der Post von der Familie Solscheid der Raum gekündigt worden – Solscheids Nachfolger in der Backstube an der Freiheitstraße wollte wieder eine Filiale in Pungelscheid einrichten. Dazu kommt es aber nicht, die Kündigung ist zurückgezogen worden.

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