Alarmierende Zahlen

Kindeswohlgefährdungen: 90 Prozent mehr gemeldete Fälle 

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Werdohl – Um gleich 90 Prozent stieg die Zahl der gemeldeten vermeintlichen Kindeswohlgefährdungen in Werdohl von 2018 auf 2019 an.

Das teilte Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses mit, der coronabedingt im Festsaal Riesei stattfand. Ausschuss-Vorsitzender Frank Jardzejewski betonte: „Im Vergleich zum Jahr 2016 liegt die Steigerungsrate sogar bei mehr als 2000 Prozent.“ 

Lag die Zahl der Kindeswohlgefährdungsmeldungen in Werdohl im Jahr 2016 bei vier, erhöhte sich diese nun über 34 (2017) und 43 (2018) auf 81 im vergangenen Jahr. Von der Crone begründete diese Entwicklung mit den Missbrauchsfällen in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster. „Die Bevölkerung ist aufmerksamer“, stellte sie fest. „Alle sind sensibler geworden: Nachbarn, Schulen, Vereine und Kirchen“, konkretisierte sie. 

Letzte Sitzung der laufenden Legislaturperiode

Ausschuss-Vorsitzender Jardzejewski begrüßte 28 Anwesende zur letzten Sitzung des Ausschusses in der laufenden Legislaturperiode. Die erste Sitzung des neu zusammengesetzten Gremiums nach der Kommunalwahl am 13. September soll plangemäß erst im November stattfinden. Jardzejewski dankte allen Ausschussmitgliedern für die „reibungslose und zielgerichtete Zusammenarbeit“ über Parteigrenzen hinweg – „und das, obwohl wir in den zurückliegenden sechs Jahren drei Jugendamtsleitungen hatten“. 

Mit einem Sicherheitsabstand von 1,50 Metern zwischen den Stühlen tagten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses am Dienstag letztmals in dieser Legislaturperiode. Coronabedingt fand das Treffen am Riesei statt.

Für den Arbeitskreis Kinderspielplätze berichtete Michael Tauscher, Abteilung Jugend und Soziales der Stadtverwaltung, über das geplante Konzept für eine Neugestaltung der Werdohler Spielplätze. Dieses Konzept verfolge – in Absprache mit dem Kinder- und Jugendparlament – die Ziele der naturnahen Gestaltung, der Verwendung einheitlicher Materialien, sowie der Berücksichtigung demografischer Entwicklungen. Zuletzt sei in diesem Zusammenhang am 8. Juni der Spielplatz an der Goethestraße in Augenschein genommen worden. Dort gibt es zwei anstehende Investitionen. 

Bolzplatz könnte verlegt werden

Zum einen sei im März nach einen Sturmschaden die Socceranlage demontiert worden. Eine Wiederherstellung würde 15 000 Euro kosten. Tauscher regte aber eine Verlegung an, da der bisherige Standort einerseits für den Aufbau des Schützenfestzeltes im Sommer und als Hubschrauberlandefläche in Notfällen benötigt werde. An einem leicht versetzten Standort könne zudem ein Kunstrasenplatz errichtet werden. Dann stiegen die Kosten jedoch auf 55 bis 85 000 Euro an. 

Zum anderen sei seit Jahren für die Errichtung eines Mehrgenerationen-Spielgerätes auf dem Goethespielplatz eine Summe in Höhe von 15 000 Euro mit Sperrvermerk in den Haushalt eingestellt. Dieser Sperrvermerk solle in der Ratssitzung am kommenden Montag (ab 17 Uhr im Festsaal Riesei) gegebenenfalls aufgehoben werden, da Rat wie auch Ausschuss sonst erst im Herbst wieder tagten. 

Sperrvermerk: Noch Abstimmungsbedarf

Jardzejewski gab allerdings zu bedenken, dass Sperrvermerke erst entfernt werden sollten, wenn das neue Konzept für die städtischen Spielplätze vorliege. Vor der Ratssitzungen sollten sich die Ratsfraktionen darüber telefonisch mit der Verwaltung abstimmen. 

Weiter berichtete Tauscher auf Nachfrage von Udo Böhme (SPD), dass drei Werdohler Spielplätze – am Kettling, am Espenhagen sowie am Heideberg – durch Wildschweine zerwühlt worden seien. Alle drei würden in Kürze jedoch wiederhergestellt. Abschließend verwies Tauscher darauf, dass die Katholische Kirchengemeinde St. Michael plane, auf der Parkfläche gegenüber der St.-Michael-Kirche einen Spielplatz für die kleinsten Kinder zu errichten. 

Ferienspaß: Noch 50 freie Plätze

Tobias Chylka, in der Verwaltung zuständig für die offene Kinder- und Jugendarbeit, berichtete von den Anmeldungen für den Werdohler Kinderspaß während der Sommerferien. Aufgrund der virusbedingten Hygienevorschriften wird es diesem Jahr nicht zwei Ferienphasen geben. Stattdessen sind die Anmeldungen nun wochenweise möglich. Maximal 20 Mädchen und Jungen werden pro Woche täglich von 8 bis 14 Uhr betreut. 

Von 120 zu vergebenden Plätzen seien derzeit 50 noch frei, teilte Chylka mit. „Eltern, die nicht unbedingt darauf angewiesen sind, ihre Kinder unterzubringen, gehen das Risiko in Zeiten des Virus derzeit gar nicht erst ein“, stellte der Leiter des Jugendzentrums an der Schulstraße fest. 

Kinderpreis soll wieder vergeben werden

Ausschuss-Vorsitzender Jardzejewski verkündete schließlich, dass der Werdohler Kinderpreis auch in diesem Herbst vergeben werden soll. Jugendamtsleiterin von der Crone schloss an, dass Vorschläge für etwaige Preisträger bis zum 15. Oktober möglich seien. 

Im Rahmen der Sitzung nahmen die Ausschuss-Mitglieder darüber hinaus einhellig zur Kenntnis, dass Eltern gemäß eines NRW-Erlasses die Kita-Beiträge aufgrund der Corona-Lage im April und Mai vollumfänglich erlassen werden, sowie im Juni und Juli zu 50 Prozent. Ein weiterer Beschluss bestätigte die von der Verwaltung geplante Verteilung der Gelder für die Sprachförderung in den Kindertagesstätten ab dem 1. August.

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