Therapieperspektive eröffnet

Mit 1,7 Promille: Werdohlerin schlägt und beschimpft Polizisten

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Werdohl/Hagen - Normalerweise steht der Satz „Die Berufung wird verworfen“ für das Scheitern eines Angeklagten. Anders verhielt es sich jetzt nach einer Berufungsverhandlung im Landgericht Hagen.

Eine 25-Jährige aus Werdohl war durchaus zufrieden mit dem Urteil, das in einem entscheidenden Punkt abgeändert wurde: Die Erwähnung einer bestehenden „Drogenproblematik“ eröffnete ihr den Weg in eine Drogentherapie. 

Und die könnte ihr die Vollstreckung einer 14-monatigen Haftstrafe ersparen, die das Amtsgericht Iserlohn im März 2018 wegen eines tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verhängte. 

Die junge Frau saß im August 2017 als Beifahrerin in einem Auto, das auf dem Höhenweg in Werdohl von der Polizei kontrolliert wurde. Die Beamten hatten zunächst nur die Fahrerin im Visier. Die Angeklagte mischte sich jedoch in das Gespräch ein, störte den Ablauf, beschimpfte eine Beamtin als „Schlampe“ und „arrogantes Miststück“ und schlug ihr gegen Kopf und Hals. Laut Anklage blieben Hautkratzer, Rötungen und ein zerrissenes Diensthemd zurück. 

Zahlreiche Vorverurteilungen

In das Urteil gingen noch ein paar Monate für ein früheres Fahren ohne Fahrerlaubnis ein. Mit einem Blutalkoholwert von 1,7 Promille war der Brennstoff für die „spontane Erregung“ schnell gefunden. Doch die Probleme hatten schon lange angedauert und zu zahlreichen Vorverurteilung geführt. Nach diversen Fahrten ohne Fahrerlaubnis und einer Trunkenheitsfahrt hatte sie bei der Verbüßung einer Ersatzfreiheitsstrafe sogar das Leben im Gefängnis kennengelernt. 

Angeklagte begründet Alkoholkonsum mit Schmerzen

Im Landgericht begründete die Angeklagte ihren Alkohol- und Drogenkonsum mit chronischen Schmerzen, die sie anders nicht in den Griff bekomme. „Ohne Alkohol würde ich den Tag nicht überstehen – wegen der Schmerzen.“ Daraus hatte sich ein Folgeproblem entwickelt, das nun angegangen werden soll. „Ich habe es noch nicht geschafft, mir helfen zu lassen“, räumte sie vor der Berufungskammer ein. In Werdohl wolle sie zur Ruhe kommen: „Ich bin jetzt endlich angekommen.“ Verteidiger Dirk Löber hoffte auf eine umfassende Therapie, um seiner Mandantin ein normales Leben zu eröffnen: „Das soll als Gesamtpaket in Angriff genommen werden.“

Die Kammer bestätigte schließlich das verhängte Strafmaß, sah derzeit keinen Anlass, die Strafe zur Bewährung auszusetzen und eröffnete der 25-Jährigen eine Therapieperspektive.

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