Projekt Lenne-Café: Nach vier Jahren ist noch immer nichts passiert

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Das Lenneufer hat nach dem jüngsten Hochwasser ganz schön gelitten. Irgendwo in diesem Bereich ist bislang jedenfalls die Gastronomie angedacht.

Werdohl - Bürgermeisterin Silvia Voßloh ist inzwischen eher zurückhaltend, wenn es um eine Prognose für die gastronomische Bewirtschaftung des Werdohler Lenneufers geht. „Wir hoffen, dass sich in diesem Jahr etwas tut“, sagte sie im Gespräch mit der Redaktion.

Als vor mehr als vier Jahren die Idee zur Neugestaltung des Brüninghaus-Platzes und damit verbunden der Bau der Stadtspange konkret wurde, kam auch der Wunsch auf, ein Café oder einen anderen kleinen Gastronomiebetrieb am Lenneufer anzusiedeln. Die Stadtspange sollten den zentralen Platz mit der Lenne verbinden; eine Intention der Bürgermeisterin war, den Einkauf in der Stadt mit einem gastronomischen Erlebnis zu verbinden: Die Vorstellung vom Kaffee-Genuss am Flussufer war fortan im Gespräch. 

Sechs Bewerber 

Anfangs schien auch alles ganz schnell zu gehen: 2015 gab es laut Verwaltung sechs Bewerber. Thomas Schroeder, Leiter der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement, hatte damals betont, dass die Verwaltung eine Vorauswahl getroffen habe: „Wir haben Neueinsteiger ausgeschlossen, da wir uns ein gewisses Format für diese Gastronomie wünschen.“ 

Drei Konzepte 

Drei Bewerber blieben übrig; sie stellten ihre Pläne im September 2015 während der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung vor. Die Power-Point-Präsentation eines Bewerbers, der ein „hochwertiges Café“ an der Lenne errichten wollte, quittierten einige Kommunalpolitiker mit Beifall. Zwei weitere Gastronomen stellten ihre deutlich bescheideneren Pläne während der Sitzung vor. Beide waren bekannt, da sie bereits in Werdohl ansässig waren und heimische Gäste bewirteten. Doch es blieb bei der Präsentation der drei Bewerber: Von dem Großprojekt nahm man Abstand, da man es finanziell nicht unbedingt für realisierbar hielt. Die Vorstellungen der anderen beiden Gastronomen deckten sich nicht mit dem, was sich Politik und Verwaltung für das Lenneufer vorgestellt hatten. 

Studenten-Entwürfe 

Voßloh betonte schon damals, dass ihr die Lenne-Gastronomie am Herzen liege – und, dass die Verwaltung „dran bleibe“. Das zeigte sich unter anderem im Januar 2016, als die Ergebnisse eines Wettbewerbs präsentiert worden, an dem 46 Architektur-Studenten der Hochschule Bochum teilgenommen hatten. Nachdem eine Jury getagt hatte, präsentierten fünf Studenten ihre Entwürfe für ein Café an der Stadtspange. Die Besonderheit: Das Gebäude sollte in zwölf Stunden komplett demontierbar sein – falls die Lenne über die Ufer treten sollte. Allerdings war nach der Präsentation auch dieses Kapitel beendet – wohl auch, weil die Studenten nicht beachten mussten, ob ihre Projekte überhaupt finanzierbar sein würden: Im Nachgang fand sich jedenfalls kein Investor, der eine der Ideen umsetzen wollte. 

„Geheimer Plan“ 

Es wurde still um das Lenne-Café, bevor die Bürgermeisterin im März 2017 erklärte, es gebe einen „geheimen Plan“ für die Gastronomie an der Lennepromenade. Damals sagte sie, dass aus der Stadtverwaltung heraus eine Idee entwickelt worden sei, die ein gastronomisches Angebot lenneabwärts in der Nähe der Paul-Seuthe-Terrasse vorsehe. 

Gastro-Boot 

Doch auch davon hörten die Werdohler zunächst nichts mehr, bis sie im vergangenen September eingeladen waren, ihre Meinung zur Aufenthalts- und Lebensqualität in ihrer Stadt zu äußern. Im Rahmen einer entsprechenden Veranstaltung kam auch die Lenne-Gastronomie mehrfach zur Sprache. Daraufhin schilderte die Bürgermeisterin Entwicklungen, die bisher nicht öffentlich bekannt waren. Sie berichtete, dass sie und die Verwaltung gemeinsam mit einer Brauerei als Investor mehrere Monate lang an einem Konzept gearbeitet hätten. Dieses habe vorgesehen, eine Bucht an der Lenne einzurichten und auf einem Boot eine Gastronomie zu installieren. Doch der Investor sei letztlich abgesprungen: Die Anzahl der Sitzplätze hätten aus seiner Sicht nicht ausgereicht. 

Sommer-Gastronomie 

Silvia Voßloh bedauerte das sehr: „Jetzt werden wir im kommenden Jahr dort etwas erschaffen, was klein und niedlich ist. Aber ich gebe zu: Das hätten wir auch ein paar Jahre früher haben können.“ Die jetzt geplante Lenne-Gastronomie werde ausschließlich in den Sommermonaten geöffnet sein. 

Noch zwei Bewerber

Aktuell gibt es nach den Worten der Bürgermeisterin zwei Interessenten. In welcher Größenordnung sich die Werdohler die Lenne-Gastronomie vorstellen sollen, könne sie noch nicht sagen. Auch was den Zeitplan angeht, wollte Silvia Voßloh keine Vorhersage wagen. „Wir haben leider in der Vergangenheit immer wieder Rückschläge einstecken müssen.“ Sie erinnerte an ihr Statement zum Jahreswechsel: „Entscheidend ist auch, dass ich als Bürgermeisterin nur vermitteln, aber nicht über Gelder verfügen kann.“ Die Stadt könne keine Fördergelder mehr für den entsprechenden Bereich des Lenneufers erhalten. Folglich sei man auf das Engagement der Investoren angewiesen.

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