Rucksackgruppen besuchen die Stadtbücherei

Einen Büchereiausweis haben fast alle Frauen – nun wissen sie ihn auch einzusetzen. Jede von ihnen nahm ein Buch mit nach Hause, das sie in der kommenden Woche dann der Gruppe vorstellen werden.

WEDOHL - Spielend Sprachen lernen, nebenbei noch die Beziehung zum Kind und soziale Kontakte stärken – das sind nur drei von vielen positiven Effekten, die das „Rucksack KiTa“-Konzept mit sich bringt. Jetzt besuchten zwei Gruppen die Bücherei.

20 türkische Frauen, die ihre Kinder in den Kindertagesstätten Gernegroß und Budenzauber untergebracht haben, ließen sich von Büchereileiterin Klaudia Zubkowski die verschiedenen Angebote zeigen. „Einen Büchereiausweis haben fast alle“, sagte Gülay Öszoy, die die Frauen als Elternbegleiterin betreut. „Aber viele waren noch nie hier. Manche auch, weil sie noch nicht so gut Deutsch sprechen und unsicher sind.“

Ihre Scheu haben die Frauen nun verloren, ihr Besuch hatte aber noch einen weiteren Grund – er war Teil einer Wochenaufgabe. Sie und ihre Kinder nehmen am „Rucksack“-Projekt teil: „In NRW gibt es bereits mehr als 300 Rucksackgruppen“, erklärt Sevgi Sarikaya vom Kommunalen Intergrationszentrum Märkischer Kreis. „Dabei handelt es sich um ein Konzept zur Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich.“ Seit November vergangenen Jahres gibt es die beiden Gruppen in den Werdohler Kindertagesstätten. Unter der Betreuung von Gülay Öszoy, die dafür als Elternbegleiterin ausgebildet wurde, erarbeiten die Frauen gemeinsam mit ihren Kindern zwölf verschiedene Themenbereiche. „Für jedes Thema haben sie drei Wochen Zeit“, erklärt Sarikaya. „Täglich gibt es Aufgaben wie Arbeitsblätter oder Bastelanleitungen, die sie zu Hause gemeinsam mit ihren Kindern in ihrer Muttersprache bearbeiten. Parallel dazu werden die Themen im Kindergarten auf Deutsch behandelt.“ So wird sowohl die Mehrsprachigkeit gefördert, als auch die Eltern-Kind-Beziehung. Auch eine Bücherkiste mit zweisprachiger Literatur nimmt jede Mutter mit nach Hause. Am Ende des neunmonatigen Projektes erhalten die Frauen ein Zertifikat.

Der Sohn von Leyla Öktemgil ist mit zweieinhalb Jahren das jüngste Mitglied der Rucksackgruppe: „Nicht nur die Kinder lernen etwas, sondern auch die Mütter“, zeigt sich die junge Frau begeistert. „Die, die nicht so gut deutsch sprechen, werden an die Sprache herangeführt und die Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind, lernen auch wieder den Umgang mit ihrer Muttersprache.“ Dazu kommt noch der soziale Aspekt: Bei den wöchentlichen Treffen in den Einrichtungen werden nicht nur die bearbeiteten Themen besprochen, die Frauen haben außerdem auch Gelegenheit, sich auszutauschen. „In erster Linie sind wir alle Mütter – und haben alle dieselben Sorgen“, sagt Gülay Öszoy.

Von Laila Weiland

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