„Profitgier siegt über soziale Verantwortung“

Mitglieder der TKB-Belegschaft Werdohl verfolgen die Ausführungen der Geschäftsführung.

WERDOHL ▪ Zum Beschluss des  Aufsichtsrates von ThyssenKrupp Bilstein, den Werksstandort Werdohl zu schließen (wir berichteten), hat es sowohl schon am Donnerstag, als auch am Freitag diverse Reaktionen aus dem politischen Lager und Solidaritätsbekundungen gegeben, die zwar an der Beschlusslage selbst wohl nichts mehr ändern können aber dennoch tiefe Betroffenheit zum Ausdruck bringen.

So zeigte sich der heimische Landtagsabgeordnete Thorsten Schick (CDU) „tief enttäuscht“ über die Entscheidung. Er hätte sich eine Regelung im Sinne der Beschäftigten und der Stadt Werdohl gewünscht, so Schick. Den Schließungsbeschluss bezeichnete er nach all den intensiven Bemühungen des Betriebsrates als „Tiefschlag“. Jetzt allerdings müsse es darum gehen, möglichst vielen Arbeitnehmern eine Beschäftigung im Konzern zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang, so der CDU-Abgeordnete, habe er bereits Kontakt zum Arbeitsministerium von Karl-Josef Laumann aufgenommen und um Unterstützung gebeten. Es sei wichtig, so Thorsten Schick, „dass der Betriebsrat in dieser Phase auch Ansprechpartner in Düsseldorf hat“. Hier könne die Politik Hilfestellung leisten. In seinem Brief an den Minister hatte Schick darauf hingewiesen, dass die Stadt Werdohl und der Märkische Kreis ohnehin auf Grund der Wirtschaftskrise „besonders gebeutelt“ seien.

Auch der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Märkischer Kreis und Landtagskandidat Michael Scheffler hatte sich zu Wort gemeldet. Der Beschluss sei sozial verantwortungslos. Damit unterstrich er die Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden Udo Böhme, von Bürgermeister Siegfried Griebsch und dessen Stellvertreter Andreas Späinghaus.

Scheffler wörtlich: „Das ist nichts anderes, als ein kalter Triumph der Profitgier über die unternehmerische Verantwortung für ein vormals blühendes Werk und seine Mitarbeiter.“ Scheffler sprach auch von einem „Eingeständnis unternehmerischer Unfähigkeit“ ein Werk solange ausbluten zu lassen und die Mitarbeiter gleichzeitig zu materiellen Opfern und Höchstleistungen anzuspornen – dahinter stecke System, das sei zynisch. Trotz des Aufsichtsrats-Votums müsse alles getan werden, um das Werk Werdohl doch noch vor der Schließung zu bewahren. Hier sei auch die Politik gefordert, so Scheffler.

Ob hier noch etwas möglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls hat auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag ihre Solidarität mit den „Brüninghäusern“ zum Ausdruck gebracht.

Zugleich dachte Werdohls Bürgermeister Siegfried Griebsch schon halblaut darüber nach, was und wie es nach der Schließung weitergehen könne mit dem Wirtschaftsstandort Werdohl. Geprüft werden soll danach im Rathaus, ob es auf Landesebene Programme gibt, über die Strukturförderung betrieben wird. Die Situation vor Ort nehme dramatische Ausmaße an, so Griebsch. Da sei es wichtig, jede Chance zu ergreifen, die die Möglichkeiten für den Standort Werdohl verbessern können. Unselig war und sei die Konzernabhängigkeit in Werdohl.

Auch auf der Arbeitnehmerseite schlafen die Aktivitäten jetzt nicht ein. Bereits am kommenden Montag werden die TKB-Betriebsräte aus Werdohl und Hohenlimburg zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreten, um geschlossen Position zu beziehen.

Auch in Oege soll es eine Info-Veranstaltung für die Belegschaft geben, in der auf die Auswirkungen der Werdohler Werksschließung auf den Standort Hohenlimburg eingegangen wird. Positionieren wollen sich beide Betriebsräte auch in der Frage, wie viele Mitarbeiter aus Werdohl in Oege übernommen werden soll. Die bisher von der Geschäftsführung in den Raum gestellte Zahl (18) sei nicht zufriedenstellend.

Rainer Kanbach

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