"Zaubersterne als Belohnung"

Problem Eltern-Taxis: Das unternehmen die Grundschulen dagegen

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Grüner Smiley für langsames Fahren: Die Schüler stoppten an der Feldstraße Autofahrer und bedankten sich für ihre vorbildliche Fahrweise.

Werdohl - Für Autofahrer, die am Donnerstag auf der Feldstraße unterwegs waren, gab es entweder ein großes Lob – oder eine ordentliche Schelte.

Es waren aber keine Polizeibeamte, die die Verkehrsteilnehmer auf ihr Fahrverhalten ansprachen, sondern sorgsame Grundschüler. Der Sinn des Ganzen: Die Schüler sollten im Zuge der Projekt-Tage Bus-Schule 2019 für Sicherheit im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Begonnen haben die Workshops am Dienstag in der Martin-Luther-Schule, am Donnerstag ging es dann weiter an beiden Standorten der Gemeinschaftsgrundschule (Königsburg und Kleinhammer). 

Das Ziel: Die Kinder sollen fit für den Schulweg gemacht werden. Und zwar nicht für die bequeme Fahrt mit dem Eltern-Taxi, sondern für den Linienbus. So stellen es sich Nina Manns, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule, und Diana Czech, zuständig für Verkehrssicherheit beim Märkischen Kreis, jedenfalls vor. 

Eltern-Taxis sind "ein großes Problem"

„Die Eltern-Taxis sind nach wie vor ein großes Problem für uns“, sagte Manns. Durch die Projekttage erhoffe sie sich, dass sich mehr Schüler den Schulweg mit dem Bus oder zu Fuß zutrauen. 

Alles einsteigen: Ein MVG-Busfahrer brachte den Schülern der Grundschule Königsburg das richtige Verhalten im Linienbus bei.

Und das Programm am Donnerstag hatte es in sich: In Klassenverbänden rotierten die Schüler durch verschiedene Stationen. Sie stoppten mit polizeilicher Unterstützung Autofahrer und verteilten – entsprechend des Fahrverhaltens – Zettel mit grünen oder roten Gesichtern. 

Außerdem bekamen sie von Busfahrern der MVG erklärt, wie sie sich im Bus richtig zu verhalten haben, etwa wo man den Schulranzen am besten verstaut. Die MVG-Mitarbeiter und die Polizisten setzten dabei auf praxisorientierte Beispiele: So demonstrierten Busfahrer das enorme Gewicht eines Busses, indem sie über eine Kartoffel fuhren und sie regelrecht zerquetschten. „Den Kindern wird erklärt, dass das durchaus auch mit ihren Füßen passieren kann. Da muss man schon gut aufpassen“, erhofft sich Diana Czech einen Lerneffekt bei den Schülern. Czech hat die kreisweite Aktion federführend organisiert und in Kooperation mit den Schulen umgesetzt. 

Statt Eltern, werden jetzt die Kinder angesprochen

Sie ist eine strikte Gegnerin von sogenannten Eltern-Taxis und hofft, mit den Projekt-Tagen etwas zu bewirken: „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder versucht die Eltern zu bekehren. Das blieb aber weitgehend ohne Erfolg. Wir wollen nun eher die Kinder erreichen. Sie sollen sich selbst zutrauen, den Schulweg eigenständig zu bewältigen.“ 

Einen Anreiz dafür hat zumindest die Gemeinschaftsschule von Nina Manns umgesetzt: „Wir verteilen Zaubersterne als Belohnung für diejenigen, die mit dem Bus oder zu Fuß zur Schule kommen.“ Zudem versuchen Lehrkräfte täglich, Eltern direkt vor dem Schulgelände anzusprechen und sie zu überreden, ihr Kind mit dem Bus fahren zu lassen. „Das klappt auch schon ganz gut. Heute hatte ein Kind etwas pech. Es wurde nämlich vom Busfahrer übersehen und musste einen Bus später nehmen. Das Kind hat aber trotzdem einen Zauberstern bekommen“, sagte Manns. 

Ob die Aktion auch wirklich fruchten wird, bleibt abzuwarten. Eine gute Voraussetzung für Kinder und Eltern ist jedenfalls jetzt da.

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