Praktikanten blicken hinter die Kulissen

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Rafaela durfte ihrer Lehrerin Carmen Henningson die Haare waschen. ▪

WERDOHL ▪ Gespannt verfolgt Ibrahim jeden Handgriff in der Autowerkstatt. Der 16-jährige Hauptschüler saugt wie ein Schwamm alles auf, was ihm die Kfz-Meister in der Toyota-Werkstatt an der Ütterlingser Straße erklären.

Ähnlich macht es Rafaela. Jeden Schnitt, den Friseurmeisterin Kathrin Brinkmann macht, wird genauestens beobachtet. Havvagül ist da deutlich weniger am Geschehen im Frischemarkt von Sezai Akcam interessiert. Für sie ist klar: Verkäuferin ist nicht ihr Traumberuf. Die drei Jugendlichen absolvieren derzeit ein Berufspraktikum. Insgesamt blickten in den vergangenen drei Wochen 33 Neuntklässler hinter die Kulissen verschiedener Werdohler Betriebe.

„Ein Praktikum erhöht die Chance auf eine Ausbildungsstelle. Wir lernen ihn besser kennen und wissen ob er ins Team passt und die Arbeit bewältigen kann“, erklärt José Rodriguez, Geschäftsführer von B&R Automobile. Er ist sichtlich zufrieden mit seinem Praktikanten Ibrahim Uzuhoglu. Auch dem 16-Jährigen macht die Arbeit Freude: „Ich finde es besser als Schule. Ich will später auf jeden Fall etwas Handwerkliches lernen. Tischler würde mir gefallen.“ In dem Toyota-Autohaus, das gerade seinen Gebrauchtwagenpark erweitert und das Gebäude modernisiert hat, machen immer wieder Hauptschüler ein Praktikum. „Ich finde die Vorurteile falsch. Wir sind mit den Schülern sehr zufrieden“, lobt der Geschäftsführer. Ähnlich sieht das Katharina Brinkmann. Die Mitinhaberin des Beauty-Center Groll erklärt: „Was nützt mir ein Abiturient, der kein Auge für das hat was er tut, oder nicht gut im Kundenkontakt ist. Bei uns entscheidet nicht der Schulabschluss, sondern das Talent über eine Ausbildungsstelle.“ Wenn jedoch alle so wären wie Rafaela, wäre die Wahl sehr schwer, lobt die Friseurin. Rafaela selbst zweifelt noch: „Friseur ist mein Traumberuf, doch ich will auch noch andere Berufe kennen lernen und mir ganz sicher sein“, erklärt die 16-Jährige.

Für Havvagül ist die Sache klar: „Diesen Job will ich nicht. Das macht keinen Spaß. Ich freue mich auf die Schule und meine Freunde.“ Ihr Praktikum in dem im November neueröffneten Frischemarkt von Sezai Akcam hat ihr gezeigt, dass sie ehrgeizig ihr Ziel verfolgen will Arzthelferin zu werden.

Lydia Machelett

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