VDM positioniert sich beim „Krieg um Talente“

Die neugestaltete Ausbildungswerkstatt der VDM ist jetzt durch Schulungsräume erweitert und wird in Anspielung auf die Metallverarbeitung „Karriereschmiede“ genannt. Gestern wurde sie vorgestellt. -  Foto: Heyn

WERDOHL - VDM hat gestern in Werdohl das neue Ausbildungs- und Schulungszentrum „Karriereschmiede“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels möchte VDM vor allem die Zukunft des eigenen Unternehmens sichern und dabei die Rolle als führender Ausbilder der Region ausbauen.

Stephanie Effern, die das Personalreferat für Ausbildung leitet, präsentierte gestern nahezu dramatische Zahlen. Bis 2020 werde es in Deutschland 3,6 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger geben, ebenso gebe es eine Million Schüler weniger. Bis 2030 stiegen diese Zahlen auf 5,7 Millionen Erwerbspersonen und zwei Millionen Schüler weniger an. Der Märkische Kreis sei wegen der hohen Wettbewerbsdichte der Unternehmen noch stärker betroffen als der Bundesdurchschnitt. Bis 2019 soll es im Kreis 25 000 Auszubildende weniger geben. Experten beschreiben diesen Zustand schon martialisch als „war for talents“ – „Krieg um Talente“.

Bei der VDM liege die Haupt-Altersstruktur der Mitarbeiter zwischen 40 und 55 Jahren. Bis zum Jahre 2030 müssten bei der VDM 1700 Arbeitsplätze mit neuen Mitarbeitern besetzt werden, rechnet man das altersbezogenen Ausscheiden und die normale Fluktuation zusammen. Zum Vergleich: VDM beschäftigt im Inland 1800 Mitarbeiter und im Ausland etwa 350. Tritt diese Prognose so ein, müsste VDM praktisch fast die komplette Inlands-Mitarbeiterschaft austauschen.

Diese Entwicklung habe die damalige ThyssenKrupp VDM, heute Outokumpu VDM, schon vor Jahren erkannt. So begrüßte Dr. Jürgen Olbrich, Vorsitzender der Geschäftsführung, die Gäste. „Woher bekommen wir Mitarbeiter?“ laute die einfache Frage. Mehr als 70 Prozent der Mitarbeiter der VDM kommen aus den näheren Umgebung im Bereich von 15 Kilometern. Um für Schüler und potentielle Auszubildende interessant zu bleiben, sei die Idee der „Karriereschmiede“ entstanden. Gleichzeitig sei die neue Aus- und Weiterbildungsstätte auf rund 950 Quadratmetern auch für eigene Mitarbeiter wichtig, weil in den modernen Berufen ein Arbeitsleben lang Fortbildung nötig sei. Dr. Olbrich: „Wir werden unserer Verantwortung Folge leisten, hier die Basis für eine gute Ausbildung zu legen.“ Die „Karriereschmiede“ solle auch allen den „Spaß daran geben, ihr ganzes Berufsleben bei der VDM zu arbeiten“.

Stephanie Effers formulierte die Zielsetzung des Ausbildungszentrums so: „Wir wollen unseren Fachkräftebedarf der Zukunft sichern und die eigene Wettbewerbsfähigkeit erhalten.“ Zudem könnten in der „Karriereschmiede“ zukünftig auch externe Fachkräfte geschult werden. Damit werde das gesamte regionale Fachkräftepotential erhöht.

Aus den Räumen der Werksfeuerwehr und der ehemaligen Lehrwerkstatt wurde der Komplex der „Karriereschmiede“ zusammen gesetzt. 300 Quadratmeter wurden hinzugenommen, ein Jahr umgebaut. Jetzt gibt es zusätzlich zum großen Werkbereich drei Schulungsräume mit hochtechnischer Ausstattung wie interaktiven Whiteboards. Noch nicht angekommen ist eine eigene CNC-Maschine für die Ausbildung. Im Laufe des Jahres erwarte Outokumpu VDM eine Zertifizierung als Weiterbildungsanbieter. Dann könnten sämtliche Ausbildungsabschlüsse der SIHK in Werdohl nachgeholt werden.

Bürgermeister Griebsch kündigte in seinem Grußwort an, dass sich im März alle Bürgermeister Südwestfalens in Werdohl zum Runden Tisch „Willkommenskultur“ in Werdohl treffen würden.

Von Volker Heyn

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