Werdohl ist nicht krimineller als vergleichbare Städte

+
Leitender Polizeidirekto Michael Kuchenbecker, Leiter Direktion Kriminalität Achim Spröde und Polizeisprecher Marcel Dilling (von links) stellten die Kriminalstatistik für 2016 vor.

Werdohl - Die heile Welt gibt es auch in Werdohl nicht. Die Stadt an Lenne und Verse ist aber auch kein Kriminalitätsschwerpunkt, obwohl die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 gestiegen ist. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik hervor, die die Polizei in dieser Woche vorgelegt hat.

Aufschluss darüber, wie hoch die Kriminalitätsbelastung objektiv betrachtet ist, gibt die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), eine statistische Größe, die die Anzahl der angezeigten Straftaten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl stellt. Dabei fällt auf, dass kleinere Kommunen wie Herscheid auch kleinere Häufigkeitszahlen aufweisen als größere Städte wie beispielsweise Lüdenscheid oder Iserlohn.

Werdohl bewegt sich in diesem Ranking im Mittelfeld. Die Polizei hat für Werdohl die KHZ 5827 ermittelt. Vergleichbar große Städte wie Kierspe (6356) oder Altena (5963) weisen teilweise höhere Zahlen auf, andere schneiden aber auch besser ab, wie das Beispiel Halver (3909) belegt. Für den Märkischen Kreis beträgt die KHZ 6088. Sie ist damit größer als die Werdohls, aber deutlich kleiner als für das gesamte Land NRW (8225).

Insgesamt ist die Zahl der in Werdohl bekannt gewordenen Straftaten im abgelaufenen Jahr um 43 Delikte auf 1049 gestiegen. Dieser Anstieg resultiert im wesentlichen aus Sachbeschädigungen, deren Zahl um 22 (44,9 Prozent) gestiegen ist, und aus Vermögens- und Fälschungsdelikten, die 23 Mal (11,8 Prozent) häufiger vorgekommen sind als im Vorjahr.

Mehr sexueller Kindesmissbrauch

Den prozentual stärksten Anstieg gab es beim sexuellen Missbrauch von Kindern: Vier Mal musste die Polizei in solchen Fällen ermitteln, das war drei Mal (300 Prozent) häufiger als im Jahr 2015.

Den stärksten Rückgang verzeichnete die Polizei bei den Raubdelikten. Vier solcher Straftaten wurden 2016 aktenkundig – zehn (71,4 Prozent) weniger als ein Jahr zuvor. Ein Handtaschenraub, im Vorjahr noch drei Mal in der Statistik verzeichnet, tauchte diesmal gar nicht mehr auf. Auch mit Körperverletzungen hatte es die Polizei insgesamt seltener zu tun. Die Zahl dieser Delikte ging um 10,8 Prozent auf 107 Fälle zurück. Allerdings sind die Fälle von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung um 11,5 Prozent auf 29 gestiegen. Es wird also seltener, aber dafür heftiger geprügelt.

Weniger Diebstähle und Einbrüche

Leicht zurückgegangen ist die Zahl der Diebstähle: von 355 im Jahr 2015 auf 333 im vergangenen Jahr (-6,2 Prozent). Besonders stark rückläufig sind mit minus 25,6 Prozent die Wohnungseinbruchdiebstähle, von denen im Jahr 2016 nur noch 29 zu verzeichnen waren.

Deutlicher steigend als im gesamten Märkischen Kreis ist in Werdohl die Tendenz bei den Rauschgiftdelikten: 56 Mal hatte es die Polizei an Lenne und Verse damit zu tun, was einem Anstieg von 47,4 Prozent entspricht (MK: + 1,61 Prozent).

Eine einzige sogenannte Straftat gegen das Leben steht übrigens in der Werdohler Kriminalstatistik. Dabei handelte es sich um den Zwischenfall in der Schützenfestnacht, als ein 27-jähriger Werdohler nach einem Streit versucht hatte, einen 25 Jahre alten Mann mit dem Auto umzufahren. Er wurde inzwischen wegen versuchten Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Zu der Nationalität der ermittelten Tatverdächtigen macht die Polizei übrigens keine Angaben für die Stadt- oder Gemeindeebene. Von den gut 10 000 Tatverdächtigen im ganzen Märkischen Kreis waren im vergangenen Jahr 31,7 Prozent keine Deutschen, 9,7 Prozent waren Asylbewerber.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare