Polizei bemerkt offeneren Umgang mit Problemfällen

Werohler Polizei wird nur sehr selten zu den Schulen gerufen.

WERDOHL ▪ Die Polizei wird häufiger von den Schulen wegen Schlägereien auf dem Schulhof alarmiert. Darauf ist im Rahmen der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik aufmerksam gemacht worden. Erstaunlich: Bei den weiterführenden Schulen in Werdohl ist davon nur wenig bekannt. Einzig Aussagen über die Gesamtschule lassen sich nicht treffen. Schulleiter Heinz Rohe wollte das Thema gegenüber unserer Zeitung nicht kommentieren.

Sollten die Klischees von gewaltbereiten Hauptschülern stimmen, müsste an der Stadionstraße die Polizei immer wieder mit ihrem Streifenwagen auftauchen. Doch davon weiß der kommissarische Erich-Kästner-Schulleiter Jan Veenboer nichts. „Wenn überhaupt, dann kommt die Polizei selten.“ Der letzte ihm bekannte Fall liegt aber bereits etwa zwei Jahre zurück. Und seinerzeit waren es nicht Schüler, mit denen es Probleme gab, sondern vielmehr Eltern, die „randaliert“ hätten. Die Hauptschule machte von ihrem Hausrecht Gebrauch – mit Unterstützung der Polizei. „Das war der letzte Kontakt zur Polizei.“ Lediglich durch Info-Angebote der Behörde würden die Beamten in der Erich-Kästner-Schule gesichtet.

Eine vermehrte Alarmierung der Polizei kann der Leiter der Realschule, Bernd Bunge, nicht bestätigen. So sei während des Schulbetriebs in den vergangenen zehn Jahren kein Streifenwagen zur Schule gekommen. Wenn es mal zur Rauferei gekommen sei, hätte es sich innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten bewegt. Waffen würden zudem nicht gezogen. „Ich bin froh darum.“ An der Schule herrsche ein niedriges Aggressionspotenzial, unterstreicht der Schulleiter außerdem.

Über das, was auf dem Schulhof der Gesamtschule passiert, schweigt sich Leiter Heinz Rohe aus. Er gehe „gewohnheitsmäßig vor“ und „wir arbeiten mit der Polizei gut zusammen“. Mehr will Rohe nicht zu dem Thema Gewalt auf Schulhöfen sagen.

Für den Werdohler Wachenleiter Wolfgang Sudhaus bleibt es nicht aus, dass es in Schulen zu Unstimmigkeiten, Streitigkeiten oder Straftaten kommt – „wie an anderen Orten auch“. Dass die Polizei mittlerweile auch alarmiert wird, dafür hat der Polizeihauptkommissar eine Begründung. „Wenn es dazu kommt, geht man offener damit um.“ Früher hätten Schulen versucht, alles „sauber zu halten“. Soll heißen: Es wurde nicht Alarm geschlagen. „Das ist einigermaßen durchbrochen.“ Seiner Ansicht nach gebe es nicht mehr Gewalt auf den Schulhöfen, sondern es werde einfach nur offener mit dem Problem umgegangen. Wie viele Fälle in Werdohl gemeldet werden, ist in der Statistik nicht erfasst. „Die Zahl ist sehr, sehr gering.“

Marco Fraune

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare