Tipwin öffnet nach mehr als zwei Jahren Vorlauf

Poker um Wettbüro-Zulassung geht weiter: Das ist der aktuelle Stand

Die Tipwin-Wettannahmestelle an der Stadtbrücke hatte nach Erhalt der Lizenz Ende Oktober geöffnet, musste aber aufgrund der Coronaschutzverordnung kurz darauf wieder schließen. Die Konkurrenz auf der anderen Seite der Stadtbrücke hat bislang keine Lizenz.
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Die Tipwin-Wettannahmestelle an der Stadtbrücke hatte nach Erhalt der Lizenz Ende Oktober geöffnet, musste aber aufgrund der Coronaschutzverordnung kurz darauf wieder schließen. Die Konkurrenz auf der anderen Seite der Stadtbrücke hat bislang keine Lizenz.

Die Tipwin-Wettannahmestelle an der Stadtbrücke hatte kurz nach Erhalt einer Bundes-Lizenz Ende Oktober neu eröffnet. Zwar musste das Wettbüro kurz darauf wegen Corona wieder schließen, generell ist der Tipwin-Betrieb jetzt legal.

Die schräg gegenüber liegende Annahmestelle unter dem Namen „Sportwetten Werdohl“ eines privaten Betreibers hat hingegen keine aktuelle Lizenz. Das Pokerspiel um die Zulassungen ist aber immer noch nicht beendet.

Bis Ende 2019 war der Betrieb von Wettannahmestellen grundsätzlich illegal, wurde aber von den deutschen Behörden toleriert. Der neu gefasste Glücksspielstaatsvertrag soll seit Januar 2020 die Situation regeln. Alle Betreiber von Wettannahmestellen oder deren Gesellschaften mussten deshalb am Jahresanfang eine Lizenz bei der Bezirksregierung beantragen. Mit Erteilung der ersten Lizenzen Anfang Oktober durften Gauselmann und Tipwin öffnen. Annahmestellen ohne Lizenz werden solange geduldet, bis das Antragsverfahren abgeschlossen ist.

Räume schon vor mehr als zwei Jahren gemietet

Auf diesen Zeitpunkt hatten die großen Wettanbieter offensichtlich sehr lange gewartet. Schon vor mehr als zwei Jahren hatte ein westfälischer Geschäftsmann die Räume im ehemaligen Café Wiengarn gemietet. Dieser Geschäftsmann gehörte zur Essener Sabem Gmbh, einer Gesellschaft zur Vermittlung von Sportwetten, dem Betreiben von Wettbüros, Wettannahmestellen und Schankwirtschaften. Seit Juli 2020 ist Sascha Bruns aus Paderborn als Geschäftsführer der Sabem eingetragen, er hatte die Geschäfte von Seyda Sura Kaya aus Osnabrück übernommen.

Auf diesem Zettel an der Eingangstür der Tipwin-Wettannahmestelle teilt sich Betreiber Sascha Bruns seinen zukünftigen Kunden mit.

Sascha Bruns sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er zum 1. September ein Gewerbe bei der Stadt angemeldet habe und auch eine Genehmigung zur Nutzungsänderung des ehemaligen Cafés vorliegen habe. Über die erfolgte Zulassung als Wettannahmestelle sprach ein Mitarbeiter von Bruns. Er verwies darauf, dass Tipwin Ltd am 9. Oktober vom hier zuständigen Land Hessen, vertreten durch das Regierungspräsidium Darmstadt, die Lizenzierung für alle deutschen Annahmestellen bekommen habe. Daraufhin habe Bruns Ende Oktober die schon seit Februar fertig eingerichtete Annahmestelle in Werdohl eröffnet. Dann kam allerdings die zweite Coronawelle, und die Landesregierung schloss mit Wirkung zum 1. November alle öffentlichen Freizeiteinrichtungen.

Annahmestellen liegen nur 140 Meter auseinander

Der bereits seit Jahren an der Stadtbrücke ansässige Sportwettenanbieter und die neue Tipwin-Annahmestelle liegen genau 140 Meter Fußweg auseinander. Wenn die seit Januar 2020 – also seit nunmehr zehn Monaten – veränderte Rechtslage ausgeschöpft wird, kann wegen des Abstandsgebots von 350 Metern nur eines der beiden Wettbüros existieren. Dessen ist sich der Sabem-Mitarbeiter bewusst: „Irgendwann wird jemand kommen und entscheiden, wer von uns übrig bleiben darf.“ Falls man schließen müsse, sei das eben so. „Wenn wir keine Genehmigung bekommen, dann bauen wir eben alles wieder ab.“ Die Entscheidung zur Öffnung sei reine „Spekulation“ gewesen, unternehmerisches Risiko also. Das Geschäft mit den Wettannahmestellen laufe bislang so: „Man mietet langfristig etwas an und hofft, dass man eine Genehmigung bekommt.“ Der Einsatz in diesem scheinbaren Pokerspiel sind im Werdohler Fall Mietzahlungen von mehr als zwei Jahren, der Umbau des Ladenlokals samt aufwendiger technischer Einrichtung und anteilige Personalkosten.

Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, bestätigte auf Nachfrage die Gültigkeit der Tipwin-Lizenz. Für das „Sportwetten“-Büro an der Stadtbrücke gebe es allerdings keine aktuelle Zulassung. Ob von dort überhaupt ein Antrag gestellt wurde, durfte Söbbeler nicht sagen. Wer diese Annahmestelle betreibt, ist der Redaktion nicht bekannt. Die Frist zur Duldung von Wettannahmestellen ohne Lizenz sei bislang nicht definiert. Hier warte die Bezirksregierung auf Maßgaben des Innenministeriums. Das Verfahren zur Untersuchung und Überprüfung der 350-Meter-Abstandsregelung laufe. Söbbeler gab zu bedenken, dass es in größeren Städten mit vielen Annahmestellen einen größeren Regelungsbedarf als zum Beispiel in Werdohl gebe.

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