Komponist Pöngse

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Der Alt Werdohl-Wirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch hat nach 27 Jahren ein neues Album seines Einmannprojekts Cinema veröffentlicht. Er hat viel Zeit in die 52 Minuten elektronischer Musik gesteckt. ▪

WERDOHL ▪ Plötzlich klingelte das Telefon. Jürgen „Pöngse“ Krutzsch saß gerade im Büro seiner Musik-Kneipe Alt Werdohl und bastelte. Er komponierte neue Musik für sein Elektronik-Projekt Cinema. 27 Jahre war es her, dass er unter diesem Namen die LP „Isolation“ und die Single „Once Upon a Time“ veröffentlicht hatte. Und als Pöngse den Hörer abnahm, meldete sich da ein ihm unbekannter Fan aus Hamburg.

Von Michael Koll

„Der hatte zwar keine Ahnung, dass gerade das zweite Cinema-Album entstand, aber er fragte, ob die Single irgendwo noch aufzutreiben ist“, erinnert sich der Alt-Werdohl-Wirt. Pöngse hatte noch welche, schickte eine nach Hamburg. Wochen später kam von dort eine E-Mail.

Der Anrufer hatte geheiratet. Seine Hochzeitsreise hatte ihn nach Japan geführt. Und der Deutsche und glühende Cinema-Fan hatte dort einheimische Discjockeys versorgt mit den Klängen von Cinema. Und so hat das brandneue Album „The Magic box“ in Japan bereits Anhänger, weshalb ein Teil der Erstauflage auch direkt ins Land der aufgehenden Sonne geliefert werden wird.

„In zwei Wochen wird das Album weltweit erscheinen“, verrät Krutzsch. Bis dahin ist es exklusiv im Alt Werdohl an der Freiheitstraße 56 erhältlich. Vertrieben wird das Werk über die Firma Plattenpool. Die ist, ebenso wie der Edel-Fan, beheimatet in Hamburg.

Ihr Chef Laurent Schüller stammt jedoch gebürtig aus dem benachbarten Altena. Dort wuchs auch der 61-jährige Pöngse auf. Somit schließt sich der Kreis.

1960 zog Krutsch mit seinen Eltern von Altena nach Werdohl. 1971 übernahmen seine Mutter und sein Vater die Gaststätte Alt Werdohl. In den 70er-Jahren feierte Jürgen große Erfolge mit der Krautrock-Band Tibet, spielte in der Mitte des Jahrzehnts sogar vor 10 000 Leuten in London. Nachdem diese sich 1980 auflöste, entstand das Einmann-Projekt Cinema.

Vor zwei Jahren begann Pöngse seine früheren Kollegen von Tibet zu einem Comeback zu überreden. Doch einerseits waren die mittlerweile über die gesamte Bundesrepublik verstreut, andererseits gestaltete es sich schwierig, die einstigen Mitmusiker zu reaktivieren. „In der Woche sind die mit ihren Jobs beschäftigt und am Wochenende kommen die von der Couch nicht mehr hoch, wenn sie einmal sitzen“, bringt Pöngse die Schwierigkeiten süffisant auf den Punkt.

Doch der Kult-Wirt ist ruhelos. „Ich bewundere Leute, die Langeweile haben“, sagt er. Und so ging er – oft nachts – in sein Büro und experimentierte mit verschiedenen Synthesizern sowie Computern, griff zur Gitarre.

Zwei Jahre lang werkelte er im Verborgenen. Seine Freundin Brigitte Grafe griff schließlich unterstützend ein. „Sie musste viel Geduld aufbringen“, gesteht Pöngse, „um meine bisweilen kauzigen Ideen hörbar zu machen.“

Krutzsch befindet, sein Gitarrenspiel sei limitiert und eingerostet. Wer das Stück „Colouring Clouds“ auf der fertigen CD anhört, weiß, dass das nicht stimmt. Gleichwohl verpflichtete Pöngse den stadtbekannten Saitenvirtuosen Benny Peiser, ehemals Mitglied der Coverband Sunny Side up, um vier Cinema-Songs zu veredeln.

http://www.myspace.com/cinemaelectronicmusic

http://www.facebook.com/cinemabypoengse

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