Podeste für die Gesundheit und Stangen für die Sicherheit im Rathaus

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In diesem großen Büro im Bereich des Jugendamtes im Rathaus wurde der Boden des ganzen Raumes aufgeständert. Die Stoffmaus markiert wohl den Absatz, der zur Tür führt. Der Boden war bis zu neun Zentimeter auf den laufenden Meter geneigt.

Werdohl - Jahrelang blieben einige Büros im Bereich des Jugendamtes im Altbau des Rathauses unbeanstandet – im Mai beschwerten sich Mitarbeiterinnen über gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen. Ende August sind die Probleme beseitigt, die Stadt ließ Podeste in die betroffenen Büros einbauen.

Was Stoff für einen platten Beamtenwitz liefert, war in der Tat ein Problem. In manchen Büros war der Boden derart uneben, dass der Bürostuhl von ganz allein in eine Richtung rollte. Aktenschränke hatten einen deutlich zu erkennenden Drall. 

Während sich bei Schränken und Schreibtischen behelfsmäßige Lösungen finden ließen, bekamen Mitarbeiterinnen Rückenschmerzen vom schiefen Sitzen am Schreibtisch. Insgesamt vier Büros waren betroffen. Im Nachhinein lässt sich nicht sagen, ob die Mitarbeiterinnen eine lange Leidenszeit still ertrugen oder ob sich die Böden in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude gesetzt hatten. 

Große Lösung wäre teuer geworden

Die Männer von der Bauabteilung unter Fachbereichsleiter Thomas Schroeder boten zwei Lösungen an. Die große Lösung wäre sehr teuer und aufwendig geworden. Überschlägig bis zu 63 000 Euro hätte der komplette Umbau von 200 Quadratmetern der Etage samt Flur gekostet. Türen und Zargen sowie Leitungen hätten verändert werden müssen. Ein neuer, gerader Estrich hätte gegossen werden müssen. Nach Rücksprache mit den Politikern im Ausschuss entschied man sich für die wesentlich preiswertere Lösung. 

Beim Besuch des SV im Mai in den schiefen Büros zeigte die Wasserwaage ganz deutlich, wie stark das Gefälle in manchen Räumen im Altbau ist.

In drei Büros sind bereits Podeste eingebaut worden. Bauleiter Grau berichtete, das es in einem Büro zwischen sechs und neun Zentimeter Gefälle pro laufendem Meter gegeben habe. Zunächst wurde der Boden mit Hölzern aufgeständert, darauf kam eine Spanplatte. 

Neuer Fußbodenbelag aufgebracht

Nach der Nivellierung wurde ein neuer Fußodenbelag aufgebracht. Die Podeste sind im Eingangsbereich der Tür etwa 13 Zentimeter hoch. Kabelkanäle in Bodennähe mussten verlegt werden. Ein zusätzlicher Vorteil: Die neuen Bodenbeläge in Holz-Optik wirken modern und freundlich. 

Die neue Raumhöhe sorgt allerdings auch für eine zu niedrige Brüstungshöhe bei den Fenstern. Der aus Sicherheitsgründen vorgeschriebene Meter wird nach Einbau der Podeste auf 77 Zentimeter verkürzt – zu wenig für deutsche Unfallverhütungsvorschriften in öffentlichen Gebäuden. 

Niemand soll aus dem Fenster fallen können 

In die Fenster wird jetzt noch ein metallener Querriegel in Form einer Eisenstange eingebaut. So soll sichergestellt werden, dass niemand aus Versehen das Gleichgewicht verliert und aus dem Fenster vors Rathaus stürzt. Befürchtungen spaßeshalber von Mitarbeiterinnen, sie bekämen eine Vergitterung, seien unbegründet. 

Beanstandungen gab es von Mitarbeiterinnen von vier Büros, das vierte wird in den nächsten Tagen saniert. An weitere Maßnahmen dieser Art sei nicht gedacht, so Bauleiter Grau. Im Ausschuss hatte damals Fachbereichsleiter Schroeder Schwierigkeiten gehabt, eine Mittelfreigabe für mehr als 5000 Euro für diese Umbauten zu bekommen.

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